2009-11-02

Kurz gefasst: Jüdischer Siedler und Terrorist in Jerusalem gefasst

Diese Nachricht sorgte für Aufruhe in Israel: Der 35 jährige Siedler Jack Teitel aus der Siedlung Shvut Rachel wurde am Wochenende von der Polizei in Jerusalem verhaftet. Er steht in Verdacht für mehrere Bombenanschläge und Morde gegen linke Israelis, messianische Juden und Palästinenser verantwortlich zu sein. So soll er 1997 einen ostjerusalemer Taxifahrer und einen palästinensischen Schäfer südlich vom Berg Hebron ermordet haben, zwischen 2006 und 2007 mehrere Bombenanschläge gegen Palästinenser und die israelische Polizei verübt haben, einen 15 jährigen messianischen Juden durch eine Briefbombe schwer verletzt haben und 2008 eine Rohrbombe in der Nähe des Hauses des israelischen Professors Zeew Sternhell zur Explosion gebracht haben.

Was in Israel hohe Beachtung findet, wird in den deutschsprachigen Medien, mit Ausnahme des österreichischen Standart und der Webseite Hagalil, ignoriert und keine Beachtung geschenkt (Vgl.: Suchergebnissse auf Google News). Die Frage nach der Ursache dieser Ignoranz der Medien hierzulande lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass die Nachricht des bösen Siedlers, der von der israelischen Polizei festgenommen wurde, nicht in das eingeschränkte Bild vieler Redakteure über den israelisch-palästinensischen Konflikt passt. Für sie exisiert zu meist die Annahme, dass Palästinenser die Opfer seien und die Israelis automatisch die Täter bzw. in Situationen, in denen sie selbst angegriffen werden, selbst für diese verantwortlich seien (mit der Begründung, dass Israel brutal und rücksichtslos in sui generis gegen Palästinenser vorgehe).

Dass hier sicher sehr viel differenzierter gedacht und berichtet werden sollte (und sicher bei einigen Berichten eine Art unterschwelliger oder teilweise auch offener Antisemitismus bzw. Antizionismus mitschwingt), beweist unter anderem der Fall Teitels. Wenn Verbrechen gegen Palästinenser in Israel und der Westbank geschehen, so muss man von Einzeltaten und Einzeltätern ausgehen, die gegen das bestehende israelische Recht handeln und bei Vollzug von Straftaten vor Gericht gestellt werden - dies betrifft auch israelische Soldaten. Zu meist wird dies allerdings nicht berichtet, um den Eindruck bei den Lesern und Zuschauern zu erwecken, dass der Staat Israel ungerecht sei und die Menschenrechte bzw. internationale Konventionen nicht einhalte - was absoluter Irrsinn ist.

Es bleibt also der bittere Nachgeschmack, dass viele Medienberichte aus der Region eine gewisse politische Agenda haben bzw. durch eine bestimmte Perspektive voreingenommen sind, was nicht nur dazu führt, dass Leser und Zuschauer desinformiert werden, sondern dass teilweise auch antisemitische und antizionistische Vorurteile und Stereotypen entstehen, gefördert bzw. weitergetragen werden. Ob sich einzelne Berichterstatter und Redakteure dessen bewusst sind?