2009-11-29

Kurz gefasst: Bildungsstreik

Ein vielsagendes Interview mit Konstantin Wecker







 



Armin Nassehi: Bologna-Reform - Mehr universitären Liberalismus wagen (FAZ)

Die bundesweiten Proteste der Studenten sind durchaus berechtigt, vor allem was die Kritik an den neuen konsekutiven Studiengängen angeht. Vieles von dem, was bei der Umstellung der alten deutschen Diplom- und Magister-Studiengänge geschehen ist, hat nicht zur Verbesserung der Lehre geführt, nicht die Erwartungen nach mehr Flexibilität und Mobilität erfüllt, nicht dazu beigetragen, die Eigenverantwortung der Studenten zu erhöhen und erst recht nicht die Lehrinhalte verbessert. So ist es jetzt en vogue, Solidaritätsadressen an die protestierenden Studenten zu richten und ihnen im Kern recht zu geben.

Aber was sind die Forderungen? Die Studenten pflegen - neben Revolutionsrhetorik und neben der immer noch nicht ausgestorbenen ironischen Kombination von basisdemokratischen Verfahren mit endlosen Geschäftsordnungsdebatten - vor allem die Klage über den neoliberalen Geist der Hochschulreformen. Das ist inzwischen so erwartbar, dass man kaum genau nachdenkt. Den Befund „Neoliberalismus“ schlicht für falsch zu halten, hilft aber auch nicht weiter. Denn er hat nicht einmal das Zeug, falsch zu sein.

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Sebastian Balzter: 500 Euro (FAZ)

Sind 500 Euro aus der eigenen Tasche zu viel für ein Semester Hochschulstudium? Der Protest gegen die Studiengebühren ist unter den Kritikpunkten der Studenten, die in dieser Woche in ganz Deutschland zum Bildungsstreik aufrufen, der schwächste.

Wer ein Studium abschließt, ist im Durchschnitt seltener arbeitslos und deutlich besser bezahlt als die Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt. Eltern, Lehrer und Professoren sollten ihren Kindern, Abiturienten und Erstsemestern diese statistische Wahrheit nicht vorenthalten. Denn sie ist, neben dem hoffentlich ebenfalls vorhandenen Wissensdurst, das beste Argument für eine Immatrikulation - und für eine Beteiligung an den Kosten des Hochschulsystems.

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Michael G. Wagner: Was die brennende Uni löschen wird

Am 22. Oktober wurde von Studierenden unter der Parole “Die Uni brennt” vollkommen überraschend das Audimax der Uni Wien besetzt um gegen die aktuelle Bildungspolitik zu protestieren. Dieser Protest war in keiner Weise organisiert sondern bildetet sich spontan, ausgelöst durch die Unterzeichnung der Leistungsvereinbarung durch das Rektorat der Akademie der Bildenden Künste.

Nun haben Hörsaalbesetzungen als eine Form des politische Aktivismus an den Universitäten eine gewisse Tradition. Was diese Protestbewegung allerdings bemerkenswert macht ist ihre bis jetzt nachhaltig dezentrale Organisation unter Zuhilfenahme von Social Media wie Twitter oder Facebook (nachzulesen etwa bei Jana Herwig, Phillip Sonderegger oder Luca Hammer). Insbesondere der Video Live Stream aus dem Audimax ist mit regelmäßig 2000-3000 Zusehern zu einem der tragenden Elemente dieser Bewegung geworden. Protest wurde zum Protest 2.0.

Vor einigen Tagen stellte Jürgen Koprax die Frage “Warum brennt die Uni eigentlich so gut”. Die Antwort hat meiner Meinung nach mit der Effizienz von Netzwerken zu tun. James Surowiecky hat diese Effizienz in seinem Buch “The Wisdom of Crowds” sehr gut dargelegt. Ausgehend von einfachen Beispielen kommt Surowiecky zum Schluss, dass dezentral organisierte Gruppen unter gewissen Voraussetzungen mit höherer Wahrscheinlichkeit bessere Entscheidungen treffen können als es hierarchische Systeme oder einzelne Individuen in der Lage sind.

Eine der zentralen Voraussetzungen für den Erfolg dieser “Crowd-Intelligenz” ist dabei die Diversität der Gruppe bzw. des Netzwerks. In gewisser Weise benötigt es eine relativ lose Verbindungsstruktur von Personen, die zwar eine informierte Meinung bilden können, selbst aber keine ExpertInnen sein müssen. Dies ist genau der Punkt bei dem Soziale Medien ansetzen. Ihre Eigenschaft lose Bindungen in sozialen Netzwerken zu unterstützen erscheint hier also als einer der Erfolgsfaktoren für Bewegung der brennenden Uni.

Leider ist dies ist auch gleichzeitig der Punkt, an dem die Bewegung meiner Meinung nach schlussendlich scheitern wird.

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