2009-11-04

Fremde Federn | Yair Lapid: Ignorante Antisemiten (II)

[caption id="" align="alignnone" width="717" caption="Ein typisch antisemitischer Vergleich: Israel ist der moderne Hitler"]Ein typisch antisemitischer Vergleich: Israel ist der moderne Hitler[/caption]

Neue Antisemiten können uns nicht von den Arabern auseinander halten, denn sie sind uninteressiert an Fakten

Wir bevorzugen es Menschen zu klassifizieren, weil es so bequemer ist. Was ist der Unterschied zwischen Schweden und Norweger zum Beispiel? Einige meiner besten Freunde sind blond, aber es ist schwer zu sagen, wer wer ist.

Und wer hier in der Nähe kann Japaner und Koreaner auseinanderhalten? Die Hutu und Tutsi? Die Bolivianer und Paraguayer? Alle diese Völker waren in Kriege verwickelt, die viel grausamer als die zwischen uns und den Palästinensern waren- Kriege, die Millionen von Menschenleben kosteten und für viele Jahre gedauert haben.
Insgesamt wurden 7.000 Palästinenser in den 62 Jahren des israelisch-palästinensischen Konflikt getötet. Dies entspricht einen Tag im Chaco Bolivien Valley oder zwei Stunden im blutigen Ruanda, aber genaus sowie wir sie nicht unterscheiden können, können sie uns nicht auseinanderhalten.

Vom kühlen Stockholm, in einer Welt von 1.000 TV-Kanälen, sehen wir alle gleich aus: dunkelhäutig, verschwitzt und aufeinander schießend. Die Geschichte Bostroms, die seiner Ansicht nach geht es nicht um Juden und Araber, sondern um einen schrecklichen Ort, wo jeder sich wie ein Tier verhält.
Sein Antisemitismus stammt nicht von Vorurteilen, sondern von Unwissenheit.

Die neuen Antisemiten entbinden sich von der Erforschung der Tatsachen. Für sie sind wir nicht mehr als eine "Geschichte". Sie sagen es nicht, weil sie davon überzeugt sind, dass sie wahr ist, sondern, weil sie nicht verstehen, dass es keinen einzigen wahren Weg in der Welt gibt. Sie sagen selbst, dass dies "vielleicht" an einem Ort passierte, wo es kein „vielleicht“ gibt. Sie sagen, dass "es möglich ist" in einem Ort, wo es diese Möglichkeit gar nicht gibt.

Sie schreiben nicht die neue Version der Protokolle der Weisen von Zion, sie meinen nur, dass es ihre journalistische Pflicht sei, sie zu lesen und dann zu veröffentlichen.

Bostrom weist die Möglichkeit nicht zurück, dass wir Nazi-ähnliche-Verbrechen tun, weil er nicht versteht, dass Israel eine aufgeklärte westliche Demokratie ist, die um seine Existenz im wilden Nahen Osten kämpft. Er verfehlt die jüdische Moral von der Moral des radikalen Islam zu unterscheiden, er kann den Unterschied zwischen unserer rechtsstaatlichen Ordnung und der Rechtsstaatlichkeit unserer Feinde des Hasses nicht sagen, er kann den Unterschied zwischen einem Staat, der das Winograd-Komitee gegründet hatte und sein Handeln ständig selbst untersucht, und einer Terrorgruppe, die nichts ablehnt und für sich das Recht nimmt zu lügen ohne Unterlass, um unser Bild in der Welt zu verfälschen, nicht sehen.

Ich behaupte nicht, dass jeder Augenblick israelischen Handelns in den Gebieten angemessen oder gerechtfertigt ist. Ich dachte und schrieb es in Echtzeit, dass die Tötung von Kindern im Gaza-Streifen während der Operation „gegossenes Blei“ eine unmoralische und möglicherweise unverzeihliche Tat war. Es gibt jedoch einen Unterschied - einen großen von grundlegender Bedeutung, unwiderlegbaren Unterschied - zwischen tragischen Fehlern, die während des Krieges passierten, und der Bosheit des radikalen Islams.
Am Ende des Tages können wir die Unterschiede zwischen uns in zwei einfachen Sätzen zusammenfassen: Wir können sie von der Erde ausradieren, aber wir werden es nie tun. Sie können und nicht alle töten, doch hätten sie die Möglichkeit, würden sie es ohne zu überlegen tun.

Also, was werde ich zu Bostrom sagen? Ich werde ihm sagen, dass er ein Antisemit ist.

Yair Lapid (1963- ) ist ein israelischer Journalist, Autor und TV-Talkmaster. Er ist der Sohn des Politikers Josef (Tomy) Lapid und der Autorin Shulamit Lapid. Er ist mit det Journalistin Lihi Lapid verheiratet, die er während seines Reservedienstes in der israelischen Armee kennen lernte.

Teil 1 des Artikels erschien vor einer Woche an gleicher Stelle. Das Original erschien in der israelischen Tageszeitung Jediot Aharonot. Übersetzung von Lukas Lehmann.