2009-11-30

Falscher Lösungsansatz




Die Schweiz hat abgestimmt und sorgt für Empörung, aber auch für Zuspruch. Mehr als 57% der Stimmberechtigten sprachen sich gestern für das Minarettverbot aus und machten deutlich, dass die bisweilen verharmloste Islam- oder Muslimfrage ein ernst zu nehmendes Problem darstellt und nicht wie bisher unter dem Deckmantel einer Multikulti-Kultur versteckt werden kann.

Die Sorge der Schweizer bezieht sich nicht unbedingt auf das Minarett allein, sondern auf die anscheinend gefühlte Islamisierung des Landes durch 300.000 Muslime. Nur zum Vergleich: In der Schweiz lebten allein im Jahr 2006 7.507.300 Staatsangehörige.

Die als Problem angesehene Unterwanderung der Schweiz durch den Islam ist beim Vergleich der Zahlen doch offensichtlich krotesk und reiner Opportunismus, so wie dieses Problem auch in Deutschland durch Webseiten wie Politically Incorrect immer wieder nur populistisch und völlig losgelöst von empirischen Tatsachen besprochen wird.

Das Minarettverbot, wie auch das Kopftuchverbot, können zwar äußerlich und visuell den Anschein erwecken, dass der Islam wieder auf dem Rückzug zu sein scheint, so wie es die Befürworter solcher Verbote zum Ziel haben, können aber das Problem an sich von innen nicht lösen.

Die Integrationsschwierigkeiten von Migranten, und dies bezieht sich nicht nur auf Muslime, werden mit solchen Forderungen nicht gelöst werden. Auch das Problem des Islamismus kann durch eine Gleichsetzung aller Muslime mit dem Islamismus nicht beseitigt werden. Vielmehr werden sie verstärkt.

Hierzu braucht es vernünftigere Ansätze, die über die reine Multikulti-Debatte bzw. dem Ausschluss sozialer Randgruppen anhand ihres Aussehens oder ihrer Religion hinausgehen. Meines Erachtens ist der Ansatz des Politologen Bassam Tibi eine europäische Leitkultur einzuführen so eine, die auch in der Öffentlichkeit vernünftig und offen diskutiert werden kann, soweit sie dazu bereit ist.


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