2009-10-31

Nicht verpassen! Israelische Filme auf Filmfestivals in Deutschland

Ajami






Zusammen schrieben der Palästinenser Scandar Copti und der Israeli Yaron Shani die Alltagsgeschichten dieses beeindruckenden Films. "Zwischen allen Stühlen" erzählt dieser Film fünf Geschichten feindlicher Brüder. Er handelt von Juden und Arabern, Christen und Muslimen, die in Ajami, einem Stadtteil von Jaffa bei Tel Aviv leben. Malek, der illegal in Israel arbeitet, um die Krankenhaus-Kosten für seine Mutter zu finanzieren, gehört ebenso zu "Ajami" wie der jüdische Polizist Dando auf der Suche nach seinem Bruder und der wohlhabende Palästinenser Binj, der von einem glücklichen Leben mit seiner jüdischen Freundin träumt. In der engen Gemeinschaft des Viertels, das symbolisch für die dramatische Situation im Nahen Osten stehen kann, treffen diese unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten aufeinander. So unversöhnlich sich die Protagonisten auch gegenüber stehen, ist dieser Film doch am Ende auch ein Angebot zur Versöhnung in einer Zeit, in der damit niemand mehr damit rechnet. Was dem Film einen besonderen "Touch" gibt. Alle Rollen wurden mit Laiendarstellern aus Jaffa und Tel Aviv besetzt. Ein aufrichtiger, intensiver und sehr authentischer Film. Das fanden auch die Juroren beim Jerusalem Film Festival, wo der Film den Hauptpreis gewann. "Ajami" räumte auch beim "Ophir", dem israelischen Filmpreis, fünf der besonders begehrten Auszeichnungen ab, wurde Bester Film, und für die Beste Regie, das Bestes Drehbuch, den Besten Schnitt und die Beste Originalmusik ausgezeichnet. Und seit kurzem ist der Film auch noch für die 82. Verleihung der Oscars nominiert.

Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Mannheim: 09./12.Nov.

Heidelberg: 07./10./13.Nov.

 



Close to Home






Der Film aus dem Jahr 2006 ist der erste Spielfilm, der sich mit der Rolle der Frauen im israelischen Militär auseinandersetzt. Seit der Staatsgründung besteht Wehrpflicht auch für Frauen. Die Militärzeit gehört zu den grundlegenden Erfahrungen eines jeden jungen Israeli. Anhand zweier unterschiedlicher Rekrutinnen zeigen die beiden Filmemacherinnen Dalia Hager und Vidi Bilu, wie sehr das unterschwellige Gefühl permanenter Bedrohung und die Allgegenwart des Militärs den Alltag in ihrem Land beeinflussen: Die aufmüpfige Smadar und die angepasste Mirit müssen während ihres Militärdienstes zusammen in den Straßen Jerusalems patrouillieren.

Im Auftrag des Staates kontrollieren und überwachen sie  palästinensische Passanten, sind aber in Gedanken hauptsächlich mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt: Verabredungen, Frisörterminen, Schwärmereien. Doch die politische Realität bricht auch in ihren Alltag ein. Beauftragt mit Fragen nationaler Sicherheit, müssen die beiden heranwachsenden Protagonistinnen herausfinden, was verantwortliches Handeln für sie persönlich bedeutet. „Close to Home“ war in zahlreichen Ländern Europas, Asiens, der USA und Südamerikas im Kino zu sehen.

7. November 2009, 19.00 Uhr
Filmvorführung und Gespräch mit Dalia Hager
„Close to Home”, OmU, Spielfilm, ca. 90 min., 2006

 



Lebanon






Der erste Blick in "Lebanon" ruht lange auf einem Sonnenblumenfeld. Manche Pflanzen lassen die Köpfe hängen. Der Film spielt dann aber komplett im Inneren eines israelischen Panzers, der im ersten Libanonkrieg in den 80er Jahren vom Weg abkommt. Ein eindrucksvoller aber auch schnörkelloser Antikriegsfilm, der die klaustrophobische Enge und die Orientierungslosigkeit der Soldaten zum Thema macht, und den renommierten Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig gewann. Mit markerschütterndem Krachen schließt sich der Panzerdeckel über uns, und wir sind mit den vier Besatzungsmitgliedern gefangen in unvergleichlicher Bedrängnis und Orientierungslosigkeit - was wir vom Libanon sehen, ist das, was der Schütze in sein Fadenkreuz bekommt. Krieg in diesem Panzer, das ist irrwitziger Lärm, das sind Schweiß, ölige Wände, Ruß und Rauch. Vor allem aber ist Krieg die Erkenntnis für die vier jungen Männer, keine Wahl zu haben. Krieg ist die Ahnung, in der "Falle" zu sitzen. Nach langer, mörderischer Irrfahrt landet der israelische Panzer wieder zwischen den Sonnenblumen. Regisseur Maoz ist nicht an einer politischen oder moralischen Bewertung des Libanonkriegs Israels gelegen. Er dringt vielmehr zum Wesen des Krieges vor. Und das ist brutale Gewalt und - Entfremdung.

Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Mannheim: 11./14./15.Nov.

Heidelberg: 13./14.Nov.