2009-10-28

Kurz gefasst: Lammert, Amnesty International

Bundestagspräsident kritisiert öffentlich-rechtliche Sender







In einer noch nie da gewesenen Deutlichkeit kritisierte der alte und neue Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gestern bei seiner Antrittsrede die ARD und das ZDF. Anstatt ihrer Informationsflicht nachzukommen, die auch vom Staat hoch dotiert werde, würden beide Sender stattdessen mit großer Sturheit auf Unterhaltung setzen. Schon seit einigen Jahren ist festzustellen, dass die Qualität des Fernsehens immer mehr abnimmt und die wirklich wichtigen Informations- und Dokumentationssendungen in den späten Abend oder in die Nacht verschoben werden bzw. man überlässt sogenannten Informationskanälen diese Aufgabe. Die Kritik von ARD und ZDF an Lammert, dass sie die Bundestagssitzung doch auf ihrem gemeinsamen Informationskanal Phoenix gesendet hätten, ist in diesem Sinne nur schwer nachzuvollziehen.

Amnesty International und das angebliche palästinensische Wasserproblem

Wenn Amnesty International Israel wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert, so sind die Medien hierzulande immer recht schnell, wenn es um die Berichterstattung geht. Und so war es auch wieder dieses mal. Grund für die Schelte der Menschenrechtsorganisation sind angebliche Indizien dafür, dass Israel mehr Wasser im Jahr verbrauche als die benachbarten Palästinenser. Dies, so der Bericht, würde sich vor allem durch tagtägliche Restriktionen von israelischer Seite aus bemerkbar machen. So würde Israel die Anzahl des Wassers bestimmen, die Palästinenser von Gemeinschaftsaquiferen (Grundwasserleiter) entnehmen könne, Zisternen zerstören, in der Regenwasser für die Palästinenser gesammelt werden würde, den Palästinensern verbieten neue Brunnen zu bauen und würde Straßen kontrollieren, die für den Wassertransport in der Westbank von Nöten seien.

Dass dieser Bericht nur bedingt objektiv und glaubwürdig ist, zeigen Daten der israelischen Wasserversorgung, die belegen, dass Israel in einem Zeitraum von 40 Jahren seinen Wasserverbrauch dramatisch reduziert hat, während die Palästinenser diesen erhöht hätten. So hätte Israel 1967 noch 508 m³/Person/Jahr verbraucht und 2008 nur noch 149m³, während die Palästinenser 1967 86m³ und 2008 105m³ verbraucht hätten (Quelle). Ein weiterer Faktor kommt hinzu, der von dem Historiker Bernard Wasserstein in seiner Monographie Israel und Palästina, Warum kämpfen sie und wie können sie aufhören? erwähnt wird:
"Vermutlich ist kein anderer Aspekt der israelisch-palästinensischen Beziehungen so überlagert von Fehleinschätzungen, die von allen geteilt werden. So sind zum Beispiel die Niederschläge in einem großen Teil Palästinas keineswegs gering im Vergleich mit den meisten europäischen Ländern (in Jerusalem ist die Niederschlagsmenge mit rund 600mm höher als in London, Paris, Berlin oder Warschau)."

Aus Wasserstein: Israel und Palästina, 2003, S.77.

Man muss sich wirklich fragen, warum diese verzerrte Behauptung in den Medien wie ein Mantra immer wieder runtergebetet wird? Ist es Realität oder nur eine Form der Übertreibung, um die vermeintliche Besonderheit dieser Region in der Welt hervorzuheben?