2009-10-03

Fremde Federn: Yanki Tauber - Die große Sukka

[caption id="" align="alignnone" width="543" caption="Kinder bauen eine Sukka zum Laubhüttenfest in Kibbuz Gan Shmuel (1970-1980)"][/caption]

Jüdisches Leben ist ein Kalender von Objekten: das Schofar klingt zu Rosch Haschana, die Laubhütte wird zu Sukkot gebaut, das Öl oder Kerzen werden am Chanukkaabend angezündet, zu Pessach werden Mazza gegessen, und so weiter und so weiter.

Objekte müssen eine bestimmte Größe haben. Ein 3-Zoll-Stuhl ist kein Stuhl (Sie können nicht darauf sitzen), noch ist dies ein 30-Fuß-Stuhl. Deshalb ist die Halacha (der Gesetzeskodex, der die jüdische Lebensweise definiert) voll von Spezifikationen - die Mindestmenge von Mazza, die zu Pessach gegessen werden darf, oder die maximale Höhe des Chanukkaleuchters. Damit ein Gegenstand ein Gegenstand sein kann, darf es nicht zu klein und nicht zu groß sein.

Die Laubhütte wird als "temporäre Wohnung" bezeichnet, die für die Dauer des siebentägigen Sukkotfests die Heimat der Juden wird. Die Laubhütte hat deshalb eine minimale Höhe von unter zehn tefachim (ca. 40 Zoll), ist somit keine "Wohnung", sondern ein Hohlraum. Noch kann sie zu hoch sein, denn wenn seine Decke mehr als 20 amot (ca. 30 Fuß) über dem Boden ist, so ist die Laubhütte zu massiv, um als vorübergehende Wohnung bezeichnet zu werden. In den Gesetzen der Tora ist auch die minimale Länge und Breite, die Mindestanzahl der Wände der Laubhütte, die das Maximum an Raum für Lücken in den Wänden unter und über den Mauern erlaubt, festgelegt. Und so geht es weiter - bestimmte Teile des Talmudtraktats Sukka und die entsprechenden Kapitel des Kodex des jüdischen Gesetzes lesen sich eher wie ein Handbuch eines Baumeisters als ein religiöser Text.

Alle diese Spezifikationen haben einer Ausnahme: Es gibt keine Begrenzung der Länge und Breite einer Laubhütte. Sie können eine Laubhütte von der Größe einer Stadt oder eines Kontinents bauen- sie wäre immer noch eine koschere Laubhütte.

Dieses Gesetz entbehrt sich allem, was wir über Objekte und Wohnungen gesagt haben. Aber der Talmud leitet es aus einem Thoravers ab und der Lubawitscher Rebbe erläutert ihre zentrale Bedeutung für das Thema des Festes Sukkot, welchem die Laubhütte dient.

Der Vers (Leviticus 23:42) lautet wie folgt: "In Laubhütten sollt ihr wohnen sieben Tage. Alle Einheimischen in Israel sollen an Sukkot wohnen." In diesem Vers wird das hebräische Wort Sukkot, die die Mehrzahl von Sukka (die Laubhütte) wird hier ohne den Buchstaben Wav geschrieben, was bedeutet, dass das Wort auch als sukkat ("die Laubhütte [von]") gelesen werden kann. So kann der Vers auch bedeuten (unter dem Torasystem der vielschichtigen Exegese), dass "alle Bürger Israels in der Laubhütte wohnen sollen." Der Talmud erklärt: die Tora soll bedeuten, dass "es gut ist, daß das ganze Volk Israel in einer Laubhütte wohnen soll."

Jeder der Festivals ist ein "Termin in der Zeit", der seine besondere spirituelle Qualität zum jüdischen Lebenszyklus hinzufügt: die Freiheit zu Pessach, die Weisheit zu Schawuot, und so weiter. Die Qualität, die Sukkot vermittelt, ist die Einheit. Die Interdependenz und Einheit als Volk kommt durch die vier Arten (des Lulav) an Sukkot zum Ausdruck - und durch die Laubhütte, die jeden Juden - jede Art von Juden und jeden einzelnen Juden - in seinen Mauern umfasst.

So ist es in der Tat "passend, dass das ganze Volk Israel in einer einzigen Laubhütte wohnt." Die große Sukka - die Laubhütte groß genug, um alle Juden in einem Haus zusammen zu führen - kann keine Verletzung der Bestimmung des Begriffs "Laubhütte" sein, denn sie ist tatsächlich der passendste Ausdruck.

Wir bauen natürlich Sukkot in deutlich kleineren Größen. Endliche Wesen wie wir sind begrenzt in Zeit, Ressourcen und Fähigkeiten. Aber in welcher Größe wir auch die Laubhütte bauen, müssen wir dafür sorgen, dass sie im Wesentlichen eine "große Laubhütte" sein sollte - ein willkommes zu Hause für jeden einzelnen unserer Brüder.

Zuerst veröffentlicht auf Chabbad.org und aus dem Englischen übersetzt durch Lukas Lehmann.