2009-10-28

Fremde Federn | Yair Lapid: Juden sind anders (I)

[caption id="" align="alignnone" width="557" caption="Ritualmordvorwürfe gestern und heute: Hier eine Ausgabe des Stürmers aus dem Jahr 1934."]Ritualmordvorwürfe gestern und heute: Hier eine Ausgabe des Stürmers aus dem Jahr 1934.[/caption]

Der schwedische Journalist Bostrom hasst nicht nur Juden, sondern er meint auch, dass wir anders sind

Ich soll Donald Bostrom auf der kommenden Dimona-Medien-Konvention interviewen. Aber vielleicht soll ich auf die Bühne gehen und ihn in die Fresse hauen?


Bostrom ist der schwedische Journalist, der in seinem berüchtigten Artikel die israelische Armee des Organraubs an Palästinensern beschuldigte. Wir beschäftigen uns hier natürlich mit einem Ritualmordvorwurf der übelsten Sorte. Bostrom, der nie solche Körper gesehen hatte und keinen Beweis für seine Geschichte abgeben konnte - abgesehen von ein paar wilden Gerüchten auf palästinensischer Seite, argumentiert, dass die Angelegenheit noch immer geprüft werden müsse.

In dem Moment, in der die Geschichte entsteht, sagt er, dass es die Aufgabe der Presse sei, diese zu veröffentlichen. Und nun habe ich mit der unangenehme Pflicht Bostrom zu erklären, dass er nicht versteht, wie die Presse während des Krieges funktioniert.

Nach Bostroms Meinungsfreiheit bedeutet es, dass, wenn jemand lügt, der Journalist die Wahrheit nicht überprüfen soll, sondern, diese Lüge in einer "ausgewogenen Weise" (das heißt, neben der schwachen Leugnung, etwas, dass niemand überzeugt) veröffentlichen soll. Journalisten wie Bostrom lügen nie. Sie berichten nur die Wahrheit über das, was sie von Lügnern erzählt bekommen.

Die Geschichte, die Bostrom veröffentlichte - wenn Sie für einen Moment versuchen sich abzukühlen und objektiv zu lesen - ergibt sich aus Mangel an Verständnis: Israel, nach seinem Gesetz, sendet jeden durch IDF-Feuer verletzte Personen zu einer Obduktion. Lächerlich, das ist Teil unseres Versuchs, die Wahrheit zu suchen. Wenn die Bostroms der Welt anrufen, wollen wir ihnen präzise Antworten geben: Wer hat ihn umgebracht? Unter welchen Umständen? Wann?

Allerdings sahen die Palästinenser die Stellen, die Nähte und und ">Markierungen auf den Körpern und verstanden ihre Bedeutung nicht. Warum ist es notwendig, eine Obduktion durchzuführen?, fragten sie sich. Er wurde von einer Kugel getroffen und starb. Also fingen sie an, wilde Gerüchte in Umlauf zu bringen und die Hamas "PR-Abteilung“ verkaufte die Geschichte den globalen Medien und Bostrom kaufte ihnen die Geschichte ab.
Denn von Goldstone zu Bostrom wurde der Staat Israel immer wieder auf die gleiche Weise geschlagen: Die Palästinenser lügen. Sie erkannten, viel früher als wir, dass der Krieg nicht nur auf den Straßen von Gaza, sondern auch auf Millionen von TV-Bildschirme stattfindet. Aus ihrer Sicht, wenn wir Phosphorbomben verwenden dürfen, dürfen sie Lügen verwenden. Dies ist die klassische Waffe der Schwachen: Billig, effektiv, ohne Risiko - und lass es uns ruhig zugeben: schmerzhaft.

Ist Bostrom also ein ein Antisemit? Natürlich ist er. Weiß er, dass er ein Antisemit ist? Das ist eine andere Geschichte. Ich neige zu der Annahme, dass, wenn wir ihm an einen Lügendetektor anschließen und ihn fragen würden, ob er Juden hasst, würde die Nadeln keinen Ausschlag geben. Denn er hasst uns nicht, sondern er denkt, dass wir anders sind.

Es ist schwer ihn zu tadeln. Denn die Vorstellung, dass wir anders sind, kam von uns selbst. Wenn Sie sich für 2000 Jahre anders kleiden, in einen anderen Gott glauben, verschiedene Feiertage feiern und zudem darauf bestehen und allen erzählen, dass Sie ganz anders als sie seien, würden sie letztlich Ihnen glauben schenken.
Das Problem ist, dass dies ein zweischneidiges Schwert ist. Wenn wir sagen, wir sind anders, meinen wir in der Tat, dasswir besser sind. Es ist sehr schön, aber die menschliche Natur funktioniert nicht so.

Menschen neigen immer dazu, Menschen die ähnlich sind, zu bevorzugen, und was noch  schlimmer ist, sie sind immer bereit über Andere Dinge zu glauben, die sie über sich selbst glauben würden. Sie sind verschieden, diese Juden, und alles ist mit ihnen möglich. Sie können so intelligent sein, dass sie sogar das Geheimnis des Ribosoms herausgefunden haben, haben und sie können so kaltherzig sein, dass sie einen Hedge-Fonds angelegt haben und 50 Milliarden Dollar gestohlen haben, und sie können so grausam sein, dass sie Organe ernten. Man kann nie wissen, was in ihren Köpfen vorgeht.

Und das Peinlichste daran ist, dass sie uns mit dem Lügner gleichgesetzt haben.

Yair Lapid (1963- ) ist ein israelischer Journalist, Autor und Lapid und TV-Talkmaster. Er ist der Sohn des Politikers Josef (Tomy) Lapid und der Autorin Shulamit Lapid. Er ist mit der Journalistin Lihi Lapid verheiratet, die er während seines Reservedienstes in der israelischen Armee kennen lernte.

Teil 2 des Artikels erscheint in einer Woche an gleicher Stelle. Das Original erschien in der israelischen Tageszeitung Jediot Aharonot. Übersetzung von Lukas Lehmann.