2009-10-31

Fremde Federn | Eitan Haber: Rabins viele Nachfolger



Mittlerweile haben fast alle zionistischen Parteien die Lehre Yitzhak Rabins angenommen

Hier ist die Wahrheit, und es gibt keine andere: Von dem Tag an dem drei Schüsse in den Rücken von Premierminister Yitzhak Rabin abgeschossen wurden, hat Israel sich in fast allen Bereichen verschlechtert.

Sie wollen Fakten? Here you go: Das Wirtschaftswachstum in der Mitte der 1990er Jahre stand während der Tage Rabins bei 6% pro Jahr. Was war es seitdem und was ist es heutzutage? Über 80 Könige, Präsidenten und Ministerpräsidenten kamen damals nach Israel für offizielle Besuche. Wie viele sind seither gekommen und wie viele kommen in diesen Tagen?

Über 200 multinationale Unternehmen (ja, wie McDonald's) traten dem israelischen Markt zu dieser Zeit bei. Wie viele tun es heute? Der israelische Ministerpräsident besuchte Länder, die für Dutzende Jahre sich weigerten solche Besuche zu unterstützen. Dutzende von Staaten anerkannten Israel und eröffneten hier Botschaften.

Israel, erstaunlich genug, eröffnete in sieben arabischen Staaten (Tunesien, Marokko, Oman, Jordanien, Mauretanien, Katar und Dubai) Botschaften. Die Arbeitslosigkeit ging drastisch nach unten. Das Bildungs-Budget wurde verdoppelt. Neue Autobahnen wurden gepflastert, die Bauarbeiten am Cross-Israel Highway sind in Gang gekommen, und so auch der Bau des neuen Ben-Gurion International Airport. Was wollten wir mehr?

Dennoch würden einige Leute sagen, dass die Mission des verächtlichen Mörders, sein Gedächtnis sei verflucht, gelungen ist. Tatsache ist, dass der Friedensprozess mit den Palästinensern und anderen arabischen Staaten ins Stocken getreten ist, zu sterben droht, und am Rande seinen letzten Atemzug zu machen.

Hat der Mörder also gesiegt? Das ist Unsinn. Was früher fast ausschließlich Lehre von Yitzhak Rabin (in Partnerschaft mit dem mutigen Shimon Peres) war, ist die Hymne fast aller geworden, einschließlich der Likud. Wörter wie "palästinensischer Staat", die Rabin zögerte öffentlich zu äußern (und in der Tat nie äußerte), haben sich als Mantra von Ariel Sharon, Ehud Olmert, Tzipi Livni, und jetzt, begrüßen sie ihn mit lautem Applaus, Benjamin Netanyahu wiederholt.

Uns fehlt der gute alte Kapitän

Nur zur Erinnerung: Dies ist der gleiche Netanjahu, der zu jener Zeit Rabin scharf kritisierte. Sharon und Olmert haben bereits öffentlich erklärt, dass sie damals falsch handelten. Netanjahu wird dies in der Zukunft sagen. Wir müssen hier folgendes in Betracht ziehen: Es ist nicht leicht, eine abgenutzten Lehre, die man sich seit der Kindheit auf den Leib geschrieben hat, zu ändern.

In der Tat haben fast alle zionistischen Parteien die Grundlagen der Vereinbarung im Grundsatz in Oslo unterzeichnet - jede Partei auf ihre Weise. Yitzhak Rabin kann in der Tat in Frieden ruhen - er hat Nachfolger.

Einige werden sagen, dass die Gefahr der Evakuierung von Judäa, Samaria und den Golan-Höhen weg sei - so sollte auch der verächtliche Mörder zufrieden sein. Also war er siegreich? Bullshit! In seiner Lebzeit wird er sehen, dass eine riesige Evakuierungsoperation nur möglich sein wird im Zuge seiner verabscheuungswürdigen Tat.

Yitzhak Rabin hat zumindest in privaten Gesprächen angedeutet, dass er beabsichtigte für 20-40% der Gebiete Judäa und Samaria zu kämpfen und einen großen Teil der Siedlungen weiter unterhalten wolle. Heute, angesichts von Obama, Putin und Ahmadinedschad, lass uns sehen wie seine Nachfolger zu kämpfen versuchen. Barak kämpfte für 3%. Olmert für ca. 2-3% des Territoriums.

Vierzehn Jahre sind vergangen. Erinnerungen sind unscharf geworden. Yitzhak Rabins Gestalt ist in den Hintergrund gerückt. Seine großen Taten werden Bestandteil des täglichen Lebens (z. B. die installierten Lichter des Jerusalem-Tel Aviv Highways). In der Zwischenzeit wurden seine weniger erfolgreichen Handlungen, und es gab einige von ihnen, an prominenter Stelle platziert,die von seinen Rivalen genannt und als gescheitert präsentiert wurden.

In der Zwischenzeit haben die törichten Menschen, die die falschen Geschichten von der "Verschwörung" im Zusammenhang mit der Ermordung nachplapperten, sich weiter mit viele andere Narren an Bord eines Schiffes zusammengeschlossen, das durch das stürmische Meer segelt.

An Bord dieses Schiffes ist alles was übrig bleibt die Sehnsucht nach dem guten alten Kapitän - Yitzhak Rabin.

Zuerst veröffentlicht in Englisch auf Jediot Aharonot. Übersetzung erfolgte durch Lukas Lehmann.







Heute Abend* wird Premierminister Yitzhak Rabin wie schon die Jahre zuvor in einer öffentlichen Kundgebung und bewegenden Trauerstunde auf dem Kikar Rabin vor dem Tel Aviver Rathaus gedacht.

*Die Veranstaltung wurde auf Grund von starkem Regen um eine Woche verschoben und wird heute stattfinden.