2009-07-19

Fremde Federn | Joel Meltzer: Gute Zionisten, Schlechte Zionisten

Joel Meltzer wundert sich, warum einige Israelis Gemeinden, die nach 1967 errichtet wurden, als illegitim ansehen



[caption id="" align="alignnone" width="553" caption="Ma'ale Adumim, in der unmittelbaren Umgebung von Jerusalem, ist Israels drittgrößte Siedlung mit ca. 30.000 Einwohnern. Sie wurde 1975 gegründet und gilt für viele als illegal. "]Maale Adumim, in der unmittelbaren Umgebung von Jerusalem, ist Israels drittgrößte Siedlung mit ca. 30.000 Einwohnern. Sie wurde 1975 gegründet und gilt für viele als illegal. [/caption]



Eines der ungeschriebenen Gesetze des Krieges ist, dass die Gewinnerseite tun darf was es will, nachdem die Feindseligkeiten eingestellt wurden. Dieses Gesetz ist noch relevanter, wenn sich herausstellen sollte, dass die Siegerseite weder den Krieg initiierte oder nicht wollen, dass der Krieg ausbricht.

So stellen wir fest, dass Israel nach seinem Sieg im Unabhängigkeitskrieg 1948 den Sieg nutzte, um seine Hoheitsgebiete zu erweitern. Für mehrere Jahre nach diesem Krieg, entstanden neue Gemeinden auf der Karte wie Ashdod 1956, Karmiel 1964, Dimona 1955 und Arad 1962 (um nur einige zu nennen).

Dann fast 20 Jahre später und mit der Aussicht auf einen arabischen Angriff, wurde Israel gezwungen einen neuen Krieg im Jahr 1967 zu kämpfen, der wie der Krieg im Jahre 1948 zum entscheidenden Sieg für Israel führte. Noch einmal, wie nach seinem Sieg 1948, nutzte Israel diesen Sieg aus für eine Kampagne zur Ausweitung seines Hoheitsgebiets. Wieder entstanden neue Gemeinschaften wie Kiryat Arba 1972, Kedumim 1975, Karnei Shomron 1977 und Efrat 1983 (um nur einige zu nennen).

Dies ist jedoch der Punkt, wo die Gemeinsamkeiten aufhören. Aus irgendeinem Grund werden die Gemeinden, die nach 1948 gegründet wurden, schon immer als legitim von der israelischen Öffentlichkeit angesehen, während die Gemeinden, die nach 1967 geschaffen wurden, nie ganz das gleiche Maß an Legitimität in den Augen einiger Teile der israelischen Öffentlichkeit erlangten und in der Tat als unrechtmäßig von einigen hier in Israel bezeichnet werden.

Araber machen keine Unterschiede
Das Argument, dass diese Gemeinden in der Mitte oder in der Nähe von großen arabischen Bevölkerungszentren oder auf "arabischen Ländereien" errichtet wurden, hat nicht viel zu sagen, zumal das Gleiche auch für viele "legitime" Gemeinden nach 1948 und auch von einigen Gemeinden vor dem Jahr 1948 gilt. Wenn dies der Fall ist, was ist dann der Grund für diese unterschiedliche Behandlung der post-1967er Gemeinden von den Gemeinden von vor 1967?

Es scheint, dass die einzig logische Antwort ist, dass die früheren Gemeinden von den "Guten Zionisten" (Ben Gurion und Freunde) gegründet wurden, während sich viele der letztgenannten Gemeinden nach 1967 durch eine andere Art von Zionismus gegründet wurden. Diese hegt die Ansicht, dass die Besiedlung von Eretz Yisrael eine Mitzvah (ein religiöses Gebot/ Pflicht) sei, und weist die Inspiration und Motivation für diese Ideale direkt aus dem Judentum ab. Dies ist die einzige plausible Antwort auf die Frage, warum diese zweite Gruppe und ihre erbauten Gemeinden durch von Zionisten stigmatisiert und als illegitim bezeichnet wurden.

Was allerdings viele hier in Israel ignorieren oder sich weigern zu verstehen ist die Tatsache, dass in den Augen der Araber alle von den Gemeinden (vor 1948, nach 1948, nach 1967) illegitim sind. Sie machen nicht solche trivialen Unterscheidungen. Nur wir die dummen Juden machen solche Unterscheidungen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch in der israelischen Tageszeitung Jediot Aharonot am 15.07.2009 veröffentlicht. Übersetzung erfolgte durch Lukas Lehmann.