2009-06-01

Ruprecht – Studentenzeitung wird zum Schlachtfeld antiisraelischer und antisemitischer Hetze

ruprecht

Ruprecht, die Studentenzeitung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, sollte eigentlich ein Forum sein für angehende deutsche Wissenschaftler. Doch was schon des öfteren auffiel ist die Unsachlichkeit, Einseitigkeit und Hetze in Sachen Nahostkonflikt. Wo Qualität und journalistische Sensibilität, Sorgfaltspflicht und Genauigkeit in der Recherche verlangt wird, stellen sich einige studentische Möchtegernjournalisten hin und verfassen Abenteuergeschichten aus Israel, den “besetzten Gebieten”, à la Rupert Neudeck.

So geschehen auch in der Ausgabe vom Dezember 2008. Lena Abushi schreibt in ihrem Beitrag “Palästina – ein unfreies Land. Unterwegs im Westjordanland zwischen Festsaal und Checkpoints” über ihre Erlebnisse während der Hochzeit ihres Cousins. Doch schon zu Beginn tauchen die ersten naiven Schilderungen von ihrer Ankunft am Tel Aviver Flughafen auf:
Ich lande in Tel Aviv. Meine ersten Gedanken sind: „Wie lange dauert die Prozedur am Flughafen diesmal?“ Bei der Ausweiskontrolle mustert mich der Zollbeamte kritisch. Was ich hier mache, wohin ich gehe uennd [sic!] warum, will er wissen. Ich werde abgeführt, weitere vier Stunden befragt und durchsucht. Erst dann darf ich den Flughafen wieder verlassen.

Allein die Tatsache, dass ein Zollbeamter nicht unbedingt Personenkontrollen am Flughafen durchführt, sondern primär den Warenverkehr kontrolliert und erforderliche Steuern e stressig sind, gibt es immer noch die Alternative über Jordanien einzuduren zuinnimmt, spricht für die Logik hinter dem Absatz. Zudem kann man davon ausgehen, dass Lena schon vorher wusste, was ihr bevorsteht, wenn sie nach Israel reist, um ihre Familie anschließend in den palästinensischen Gebieten zu besuchen. Das Auswärtige Amt und die Fluggesellschaften bieten genug Informationen über Land und die bevorstehenden Sicherheitsvorkehrungen. Und wem diese Prozeduren zu stressig sind, hat immer noch die Möglichkeit über Jordanien in die Westbank einzureisen, so wie es die meisten Palästinenser tun. Doch das wollte die Autorin anscheinend absichtlich nicht.

Pallywood-Legenden


Und so fährt Lena mit ihren eurozentrischen und teils antisemitischen Abenteuergeschichten aus Israel fort und kommt zu gleich auf den Punkt ihrer eigenen "Erfahrungen": “Reisen in Palästina ist schwierig. Die Westbank ist von der israelischen Armee besetzt und mit sogenannten Checkpoints durchzogen. Laut den Einwohnern wird dabei mitunter ab und zu mal jemand ohne Grund erschossen.”

Auf beispiellose Weise finden sich in diesem Satz gleich zwei typische Motive der Pallywood-Legenden wieder: Zum einen die These vom besetzten Westjordanland und zum anderen der mittelalterliche Ritualmordvorwurf. Denn aus Lenas Sicht scheint es Altag in den "besetzten Gebieten" zu sein, dass nicht nur die Westbank durch Israel eingemauert und kontrolliert wird, sondern das die gleichen israelischen Soldaten auch noch rein aus Spaß arme und wehrlose Palästinenser umbringen - rein aus Langeweile oder Hass auf die Araber.

Aber genau hier liegt der wunde Punkt der Geschichte: Lenas Behauptungen beruhen auf Stereotypen, Legenden und Geschichten höheren Sagens, die sie anscheinend nicht belegen kann. Denn weder wird die Mehrheit der Palästinenser in der Westbank von Israel militärisch kontrolliert und verwaltet, noch wird im Text überhaupt auf die innerpalästinensischen Regierungs- und Verwaltungsstrukturen eingegangen, die die Vetternwirtschaft, die Korruption und die Verbrechen der eigenen palästinensischen Regierungen in Ramallah und Gaza aufzeigen. Eine innerpalästinensische Sicht ist von der Reporterin auch nicht gewollt, denn das passt nicht ins Feindbild des 'gewalttätigen jüdischen Besatzers'.

Im darauffolgenden Abschnitt verweist Lena auf eine besondere Ausweispflicht, die es in anderen Nicht-EU-Staaten angeblich im Kontrast zu Israel nicht geben würde: „Es besteht überall Ausweispflicht. Schon bald entferne ich mich nicht mehr als 20 Meter von meinem Ausweis. 'Es kommt auf die Stimmung des Soldaten an', erklärt ein palästinensischer Lehrer. 'Wenn er gut gelaunt ist, kann man schnell weiterfahren, wenn nicht, schon mal fünf Stunden warten.' Palästinenser dürfen nur mit einer Ausnahmegenehmigung auf die israelische Seite. Ein Israeli dagegen darf sich frei bewegen, was jedoch aus Angst vor terroristischen Angriffen nur wenige tun.”

Was die Autorin allerdings nicht erwähnt ist, dass das Tragen des Personalausweises auch in Deutschland Pflicht ist und bei jedem Auslandsaufendhalt das Tragen eines Reisepasses im ganzen Ausland vorgeschrieben ist. Beim Nichttragen des Passes während einer Kontrolle, kann es somit sehr gut möglich sein, dass eine Geld- oder Gefängnisstrafe folgen kann. Dies ist nicht nur in Israel der Fall.

“Schwer bewaffnete Soldaten und Touristen prägen das Stadtbild”


Wer dachte, dass diese Horrormeldungen schon genug wären, hat sich geirrt. Denn im folgenden Absatz begibt sich unsere Antiheldin nach Jerusalem, der nach ihren Worten “meistumkämpften Stadt des Nahen Ostens”. Diese stehe “komplett unter israelischer Verwaltung.” Und nun kommt's: “Den Palästinensern gilt sie ebenso wie den Israelis als heilige Stadt. Nach Mekka und Medina ist sie die drittheiligste Stadt des Islam.”

Was ist problematisch an diesem Passus? Zum einen suggeriert die Autorin, dass es zwei Besitzansprüche auf Jerusalem gäbe. Zum einen von israelischer Seite aus, die die Stadt komplett besetzt hätte, und zum anderen von Seiten der Palästinenser, der Muslime, da Jerusalem für den Islam die drittheiligste Stadt wäre. Das Gleichsetzen des Judentums mit Israel und des Islams mit den Palästinensern zeigt das Unwissen der Autorin über die beiden nebeneinander lebenden Gesellschaften. Der Staat Israel identifiziert sich zwar als jüdischer Staat, möchte allerdings auch Demokratie sein, die auch für Moslems, Christen, Juden und andere Religionsgemeinschaften gleichberechtigt Heimat, Schutz und Gleichberechtigung bieten möchte. Die palästinensische Gesellschaft ist auch nicht nur auf den Islam begrenzt. Trotz der schwindenen Mitgliederzahl, befinden sich in den Palästinensergebieten immer noch eine glaubenstarke christliche Minderheit, die sich gleichfalls als Palästinenser versteht, wie ihre muslimischen Mitbürger.

Das zweite gravierendere Problem, welches ich sehe, ist die Einbeziehung der Religion in den Nahostkonflikt. So versucht die Autorin durch das Erwähnen der Stadt Jerusalem als heilige Stadt den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht nur als “Kampf der Religionen” darzustellen, sondern versucht den politischen Charakter des Konflikts unter den Tisch zu kehren, was zu kurz gegriffen ist und eine völlige Unterschätzung des starken politischen Einflusses auf die Region darstellt. Das Judentum wird zudem in antisemitischer Tradition als Kollektiv gesehen und mit dem Staat Israel gleichgesetzt.

Auf den Passus folgt Lenas Plädoyer für die Entwaffnung Israels: “Ich wundere mich über Touristen, die mit ihren Kindern auf den Schultern an bewaffneten Soldaten vorbei trotten. Sie scheinen blind ihren Urlaub zu genießen.” Blind scheint auch die Autorin selbst zu sein, die sich ohne zu zögern selbst widerspricht, in dem sie ein paar Absätze zuvor von einer terroristischen Bedrohung der Israelis aus der Westbank spricht, nun aber naiv und selbst gehässig die Entwaffnung der Israelis fordert, den Terroristen somit einen Freischein für die Vernichtung des Judenstaates bietet und nach dem Muster früherer vormoderner europäischer Gesellschafts- und Länderstrukturen argumentiert, in denen Juden zwar unter dem direkten Schutz des Königs oder Kaisers standen, allerdings hierfür kräftig zur Kasse gebeten wurden und immer wieder neu mit jedem neuen Schutzbrief sich ihr Recht auf Existenz in der Gesellschaft erkämpfen mussten.

Vertreibung und Nazivergleich


Die Horrorgeschichten und der Antisemitismus der Autorin geht weiter. “In Nablus müssen meine Tante und ich wieder an einem Checkpoint halten. 'Ist das wirklich deine Tante? Das ist seltsam', sagt der Soldat. 'Geht doch alle nach Deutschland, wir werden euch sowieso alle vertreiben!'” Der Sprung von der Befragung hin zur suggerierten verbalen Attacke des Soldaten mit der Andeutung des in der Geschichtswissenschaft umstrittenen revisionistischen Motivs des angeblichen “Transfers” von Palästinensern aus dem Jischuw und israelischen Staatsgebiets, lässt viele Fragen offen:

  • Wie kam es zu dieser abrupten Verbalattacke? Was veranlasste den Soldaten während einer regulären Passkontrolle, die für Israelis, Touristen und Palästinensern gleichermaßen an Checkpoints durchgeführt wird, zur Androhung des Rauswurfs aus Israel nach Deutschland?

  • Wie war die Atmosphäre während der Kontrolle? Wer sind die Beteiligten? Wie verhielten sich Soldat, Autorin und Anwesende?

  • Wie war der genaue Wortverlauf? Wie sind die Sprachkenntnisse und in welcher Sprache unterhielten sich die Beteiligten? Inwieweit konnten sich alle Beteiligten untereinander verständigen?

  • Woher kommt das Motiv des “Transfers”? Welche Quellen belegen dieses Motiv und was beinhalten diese Quellen im Detail?


Höhepunkt der Märr ist allerdings der indirekte Vergleich der israelischen Politik mit dem Nationalsozialismus. Dies geschieht während der Beschreibung einer unbelegten Hausdurchsuchung in der Nacht zum einen durch die mehrfache Verwendung des Begriffs “Sturmgewehr”, eine aus dem Dritten Reich stammende propagandistische Bezeichnung für das Sturmgewehr 44, und zum anderen durch die Beschreibung der Handlung der israelischen Armee als besonders brutal, willkürlich und rücksichtslos:
Ich schrecke aus dem Schlaf, als meine Cousine neben mir aufgeweckt wird, sie aufspringt und schnell aus dem Zimmer rennt. Ich verdränge ein flaues Gefühl und bleibe aus Faulheit noch liegen. Das Licht geht an und ich höre panisches Winseln: „The Yahood! (arab. für Juden) The Soldiers! They are herel!“ Verwirrt lasse ich mich ans Fenster schieben und sehe zehn bewaffnete Soldaten und ein Militärfahrzeug direkt neben dem Haus stehen. Plötzlich fallen Schüsse. Ich habe Angst. „Was haben die vor?“, denke ich. Niemand weiß es. Es pocht laut an der Tür. Im Schlafanzug laufen wir hektisch die Treppe hinunter und öffnen die Tür.

Dort sind sechs Sturmgewehre auf uns gerichtet. „Hinsetzen! Auf den Boden! Klappe halten! Haltet die Klappe!“, brüllt ein junger Soldat. Mit ihren Gewehren fuchtelnd verlangt die Kampfgruppe nach den Ausweisen. „Wie heißt du? Und du?“ Mein 50-jähriger Onkel Mustafa wird beschimpft und bedroht. Dann verbinden sie dem einzigen jungen Mann der Familie, meinem Cousin Muhammad, die Augen und nehmen ihn mit. Den Rest von uns drängen sie in den Keller, durchsuchen das Haus und verwüsten es dabei. Durch die Kellerfenster beobachten wir, dass die Soldaten auch alle Nachbarhäuser durchsuchen. Zwei Stunden später ist alles vorbei. Wir stehen in einem verwüsteten Haus. Mein Onkel und seine Frau wissen nicht, was mit ihrem Sohn ist.

Landraub und Legitimation von Terror


Wie platt, naiv, unbelegt, stereotyp und schlecht recherchiert der Beitrag der Lena Abushi ist, zeigt sich nicht zu letzt im Schlussteil. Mit einem Satz zieht sie ein Resümee des Nahostkonflikts („Sie nehmen sich einfach, was anderen gehört.“) und zeigt zu gleich, dass sie die Pluralität und Komplexität des Konflikts bis heute nicht verstanden hat. Nicht allein Israel kann als Sündenbock für alle Probleme herhalten, nicht allein Israel wird unilateral Frieden schaffen, sondern hierzu müssen auch die Palästinenser bereit sein. Oder wie es Jacov Locowick in seiner Monographie “Israels Existenzrecht” zu Recht schlussfolgert: Die Palästinenser können keinen Frieden durch Propaganda im Ausland erreichen, sondern nur durch direkte Gespräche mit den Israelis.

Diese Weisheit sollte auch Lena Abushi das nächste mal zu Herzen nehmen, wenn sie wiedermal in Versuchung kommt den Giftgriffel in die Hand zu nehmen und einseitige Hetzkampagnen gegen einen Staat betreiben will, der nicht zu Letzt als einziger jüdischer Staat in der Welt wohl in das besondere Augenmerk einiger antisemitischer Protagonisten gefallen ist, die nun wiedermal nach altem Muster versuchen, den Juden die Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu entziehen.

Stattdessen bleibt wohl die finstere Gewissheit, dass die Autorin wohl auch beim nächsten beschwerlichen Umweg über Israel wieder einmal darauf wartet, dass israelische Soldaten ihr Gepäck durchsuchen, sie in eine Kabine führen und untersuchen, ihren Pass bei einer Passkontrolle kontrollieren und deshalb ihr Urlaub in der Westbank kein Schmankerl im Ferienparadies sein wird. Denn hierfür ist sie eben nicht in Europa, in den USA oder in der Karibik, sondern im Nahen Osten.

Reaktion der Studierendenvertretung


Nach diesem problematischen Beitrag über Israel und Palästina im Ruprecht, meldete sich die Studierendenvertretung der Hochschule für Jüdische Studien in einem Leserbrief mit dem Titel "Miserabel recherchiert" zu Wort. Zu Recht und verständlich kritisiert sie einige Hauptprobleme des Beitrags, so die schlechte Recherche, die Gleichsetzung von Juden und Israelis, die unbelegten Zusammenstöße mit der israelischen Armee, die unverständliche Herausstellung von banalen Passkontrollen und Untersuchungen am Flughafen in Tel Aviv und im Land selbst, die nicht nur auf die Autorin oder auf Palästinenser beschränkt sind, sondern auf alle Bevölkerungsteile.

Was als gerechtfertigte Kritik an den einseitigen Beitrag im Ruprecht zu verstehen wäre, stellt sich schlussendlich allerdings in ähnlicher Weise als problematisch dar. Zwei Kritikpunkte möchte ich besonders herausheben: Zum einen die Arroganz mit der der Leserbrief geschrieben wurde und zum anderen die Unwissenheit der Autoren über israelische Geschichte und Staatskunde. Schon im ersten Abschnitt des Schreibens werden beide Punkte deutlich:
Wenn schon in der Überschrift ein juristischer Ausdruck verwendet wird, dann sollte man diesen juristisch korrekt verwenden. Palästina als Land existiert nicht. Es handelt sich um international anerkannt israelisches Staatsgebiet, das unter die autonome Verwaltung der PA (palästinenische Autonomiebehörde) gestellt wurde. Was unmittelbar dazu führt, dass die Westbank auch nicht "besetzt" sein kann. Denn das eigene Staatsgebiet kann man nicht besetzen, das geht nur mit fremdem Staatsgebiet.

Persönlich leuchtet mir beim mehrmaligen Durchlesen der Passage die historische Chronologie und der politische Status Israels als Staat absolut nicht ein. Zum einen wird behauptet dass es Palästina als Land nie gegeben hat, was historisch gesehen eine Falschaussage ist, denn schon zur Römerzeit und später zur britischen Mandatszeit hieß der Landstrich Palästina. Als Staat hat Palästina allerdings tatsächlich nie existiert. Hierzu muss man kein Jurist sein, so wie die Autoren es suggerieren wollen, sondern sollte sich mit der Geschichte des Landstriches auseinandersetzen.

Zum zweiten wird suggeriert, dass “[Palästina - LL] international anerkanntes israelisches Staatsgebiet” sei, welches von der PA verwaltet wird. In welchem Gebiet sich dieses von der PA verwaltete Gebiet befindet wird nicht definiert, sodass die Autoren im Endeffekt sich selbst in die Löwengrube gejagt haben, denn aus der Aussage kann auch die These abgleitet werden, dass das gesammte israelische Staatsgebiet von der PA verwaltet wird und somit ganz Israel unter palästinensischer Kontrolle ist - was völliger Humbug ist.

Historische Chronologie ein Fehltritt


Ein weiterer geschichtlicher Fehltritt ist die Behauptung, dass Gaza und Westbank nach internationalem Gesetz israelisches Staatsgebiet sei. Hier versäumen die Autoren im gleichen Maße wie die Ruprecht-Autorin Belege für ihre Behauptung anzugeben. Nach meinem Wissensstand verhält sich der Status der Westbank und des Gazastreifens anders. Beide gehören laut UN-Teilungsplan von 1947 zum zu errichtenden arabischen Staat. 1948, während des Unabhängigkeitskriegs, annektierte Ägypten Gaza. Jordanien bekam auf Grund des israelisch-jordanischen Waffenstillstandsabkommens von 1947 den westlichen Teil des ehemaligen Transjordaniens zugesprochen. Israel annektierte die Golanhöhen und eroberte Städte in der Negev-Wüste und Eilat.

1967, während des Sechstagekriegs, erklärte Nasser's Ägpten und Syrien Israel den Krieg. Nachdem Israel Ägypten angriff, erklärte Jordanien, welches in einem Militärbündnis mit Ägypten stand, Israel. Daraufhin konnte Israel mit militärischen Mitteln den Sinai, Gaza und das Westjordanland, zusammen mit der Altstadt Jerusalems, erobern. Dies bedeutete aber immer noch nicht, dass Israel einen Besitzanspruch auf die eroberten Gebiete in Anspruch nehmen wollte. Ganz im Gegenteil. Die Regierung unter der Arbeitspartei sah zu mindest die Rückgabe des größten Teils der eroberten Gebiete an die arabischen Staaten vor.

Doch die negativen Erfahrungen aus der Geschichte, das Aufstreben der Fatah Arafats zur vorherrschenden Partei der 1964 gegründeten PLO und die messianische Erweckungswelle auf Grund der (Rück)eroberung biblischer Stätten, führte dazu, dass Israel Gaza und die Westbank als Verwaltungsgebiete in den eigenen Staat eingliederte, bis die Palästinenser selbstständig genug wären, einen eigenen Palästinenserstaat, so wie 1947 von der UN bestimmt, neben Israel zu errichten.

1993 kam es nach dem Ende der ersten Intifada zu den ersten Hoffnungen auf einen endgültigen Friedensschluss mit den Palästinensern, sodass die Regierung Rabin in den Osloverträgen Teile der Westbank und des Gazastreifens in die Hände der palästinensischen Autonomieregierung Arafats übergab. Ähnlich verhielt sich die Regierung Barak 2000 und die Regierung Sharon 2006. Barak versprach Arafat 90% des 1967 durch Israel besetzten Gebiets als zukünftiges Gebiet eines Palästinenserstaats, sowie ganz Ostjerusalem und die vollständige Verwaltung über den Tempelberg. Arafat lehnte ab.

Aus dieser Erfahrung heraus konnte Baracks Nachfolger Ariel Sharon nur eins tun: Um Frieden mit den Palästinensern zu schließen, hoffte er durch den Bau einer Sicherheitsanlage und durch den kompletten Abzug aus dem Gazastreifen und einigen restlichen Siedlungen in der Westbank 2006 auf eine neue Basis für Friedensverhandlungen mit der neuen Regierung Abbas. Was folgte war Terror und Raketenbeschuss aus Gaza.

Um meine Anfangsthese nochmals aufzugreifen: Die Westbank und Gaza gehören nicht in das international anerkannte Staatsgebiet Israels. Vielmehr wurden sie schon seit 1947 als Teil eines zukünftigen arabisch-palästinensischen Staates vorgesehen, was Israel immer wieder berücksichtigte, indem es spätestens seit 1967 die eroberten Gebiete als temporäre Verwaltungsgebiete betrachtete (Alon-Plan) und seit 1993 erkannte, dass es Zeit sei die Kontrolle über einen Teil des Gebiets an die palästinensische Autonomiebehörde zurückzugeben (Land für Frieden). Der Gazaabzug 2006 ist meines Erachtens ein weiterer Schritt in diesem Prozess, die Kontrolle der besetzten Gebiete wieder vollständig an die Palästinenser zurückzugeben.

Gravierende Mängel auf beiden Seiten


Wissenslücken und Ausgeglichenheit fehlt auf beiden Seiten. Während die sensationslüsternde Autorin des Ruprecht während ihrer Reise in Israel auf Verbrechen und Ungereimtheiten der israelischen Armee und dem Sicherheitsapparat wartete, anscheinend fündig wurde und ihren mit antisemitischen Stereotypen und unbelegten Thesen bestückten Beitrag ablieferte, reagiert die Studierenenvertretung in ihrem Leserbrief mit ähnlichen Methoden: Aroganz und unbelegbaren Thesen über den legitimen Status der Westbank und des Gazastreifens.

Es ist also an beiden Parteien durch mehr Sachlichkeit, mit Fakten und mehr Respekt sich zu begegnen, kontroverse Themen anzusprechen und voneinander zu lernen. Dies ist das Mindeste, was zukünftige Akademiker einer Exelenzuniversität zu Stande bringen sollten, anstatt sich selbst, die Lehre an der Hochschule und Universität und die Wissenschaft an sich in Misskredit zu ziehen.
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