2009-04-12

Kurz gefasst

Schreiben: Wie die Uni uns versaut

Neulich habe ich meine Abschlussarbeit weggeworfen. Romanistik, eine Abhandlung über einen Dichter des 16. Jahrhunderts. Ich zog um, brauchte Platz und war froh, als ich sie los war. Die Arbeit steht für fünf verschenkte Monate und liest sich so, wie ich mich beim Schreiben gefühlt habe. 68 Seiten Langeweile.

Eigentlich bin ich einmal zur Uni gegangen, weil ich gern gelesen und geschrieben habe. Heute weiß ich, dass das naiv war. Im Literaturstudium lernte ich zwar, dass es barbarisch ist, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, dass sich die Struktur der Öffentlichkeit gewandelt hat und Systeme selbstreferenziell sind. Wie man gut schreibt, habe ich jedoch nicht gelernt. Im Gegenteil: Ich habe sogar vergessen, dass ich das überhaupt einmal wollte.
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Vielen meiner Freunde ging es so. Statt klares Deutsch zu schreiben, erlagen wir der »Faszination des Unverständlichen«. Die Formulierung stammt von Wolf Wagner, Professor für Sozialwesen in Erfurt, der in seinem Ratgeber Uni-Angst und Uni-Bluff heute beschreibt, wie die Uni intellektuelle Hochstapler heranzieht. Sie bluffen, weil sie Angst haben, sich zu blamieren, und drücken sich so kompliziert wie möglich aus, weil sie hoffen, dass ihre Leser komplex mit kompliziert verwechseln.

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Fernsehen am Feiertag: Ein Traumsurrogat setzt sich durch

11. April 2009 Am Karfreitag des Jahres 1962 begann mein Fernsehleben. Ernster, erhabener, aber auch furchterregender hätte der Beginn nicht sein können. Zu Gründonnerstag nach einer kleinen Operation aus dem Krankenhaus entlassen, fand ich, keine elf Jahre alt, zu Hause vor, was meine Eltern noch unlängst strikt abgelehnt hatten: einen Fernsehapparat der Marke Loewe-Opta. Ihre an sich beschlossene Fernsehabstinenz – „So ein Kasten kommt mir nicht ins Haus“, pflegte mein Vater gefragt wie ungefragt zu wiederholen – hatte schließlich der Begeisterung für die Eislaufidole Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler nicht standgehalten.

Gerade waren die beiden aufs Neue Europameister im Paarlauf geworden, ihre Kür, schwarzweiß übertragen, bot tagelang Gesprächsstoff für die glücklichen Apparatebesitzer – und schloss alle anderen aus. Mitten im Wirtschaftswunder gab es der Glücklichen gar nicht mehr wenig. Gut fünf Millionen bundesrepublikanischer Haushalte besaßen bereits ihr flimmerndes Statussymbol, aus dem sich täglich zwischen 15 und 23 Uhr ein einziges Programm in die Wohnstuben ergoss: Das Erste der ARD, das sich würdevoll „Deutsches Fernsehen“ nannte. Nun waren auch wir dabei.

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