2009-04-29

Fremde Federn: Tränen und Freude | Jerusalem Post

[caption id="" align="aligncenter" width="396" caption="Originalphoto: Robert Capa, Tel Aviv, 1948 "]Originalphoto: Robert Capa, Tel Aviv, 1948 [/caption]

Wenn Sie dieses Land einmal verstehen wollen, begleiten Sie uns doch einmal während der 48 Stunden zwischen Jom Ha-Zikaron, dem Gedenktag für die gefallenen israelischen Soldaten und den Opfern von Terror und Gewalt, und dem Jom Ha-Azmaut, dem israelischen Unabhängigkeitstag.

Es gibt einen Witz, der besagt, dass die meisten jüdischen Feiertagen sich wie folgt zusammenfassen lassen: "Sie versuchten uns zu töten, sie waren nicht erfolgreich, lasst uns  essen." Yom Ha-Zikaron und Yom Ha-Azmaut sind anders. Die Realität ist eher so wie: "Sie versuchen uns immer noch zu töten. Wir werden nicht zulassen, dass sie gewinnen. Lasst uns essen."

Die Feierlichkeiten zum Jom Ha-Zikaron begannen gestern auf dem Ammunition Hill in Jerusalem, wo eine der blutigsten Schlachten des 1967er Sechstagekrieg geführt wurde. Die befestigte jordanische Polizeistation, die auf dem Hügel stand, musste überwunden werden, um den Weg zum Mount Scopus, dem Campus der Hebräischen Universität und der Altstadt frei zu machen. Sechsunddreißig Männer gaben ihr Leben zur Erfüllung dieser Mission.

Um 8 Uhr letzte Nacht, eine Sirene ertönte während den Gedenkveranstaltungen im ganzen Land. Fernsehen und Rundfunk übertrugen die Zeremonie vom Vorplatz der Klagemauer. Unsere Emotionen berührend, zeigten die Kameras die Entzündung der Gedenkflamme, unsere Flagge auf Halbmast und die Ehrengarde - mit der beleuchteten Mauer im Hintergrund.

Als unser verstreutes Volk die Rückkehr in dieses Land in den 1880er Jahren begann, wer hätte ihnen vorausgesagt, dass der Höhepunkt der Heimkehr für Millionen von ihnen zu spät käme? Wer darüber hinaus hätte wissen können, dass der 1948er Unabhängigkeitskrieg [nur einer von vielen Kriegen gewesen, die uns noch erwarten sollten]?

Eine weitere Sirene wird unser Herz heute Morgen um 11 Uhr durchboren in Erinnerung an die 22.570 Männer und Frauen - der Verteidigungstreitkräfte, der Polizei, der Geheimdienste und den jüdischen Untergrundkämpfern - die für die Verteidigung unserer nationalen Erneuerung [von 1860, als die Juden bereits hier versuchen, ihr Leben außerhalb der alten Stadtmauern zu beginnen, bis zur Operation gegossenes Blei in diesem Jahr] ihr Leben gaben.

Was hat sich doch alles in 61 Jahren verändert. Iran, einmal freundlich gesinnt, ist jetzt ein unerbittlicher Feind, der im Wetttreit zur Erbauung der Atombombe steht und mit unserer Vernichtung droht. Ägypten und Jordanien habenin der Vergangenheit gegen uns Krieg geführt; jetzt gibt es Frieden.

Aber der trügerische Frieden ist derjenige, der uns 61 Jahre lang ablehnte. Die palästinensischen Araber nennen unsere Verwirklichung der Selbstbestimmung hingegen ihre Katastrophe - nakba. In seinem letzten Buch, One State, Two States: Resolving the Israel/Palestine Conflict, schreibt der [israelische] Historiker Benny Morris: "Put simply, the Palestinian Arab nationalist movement, from inception, and ever since, has consistently regarded Palestine as innately, completely, inalienably, and legitimately 'Arab' and Muslim and has aspired to establish in it a sovereign state under its rule covering all of the country's territory." [Einfach gesagt, die palästinensisch-arabische Nationalbewegung hat von Anfang an, und immer wieder, Palästina als angeboren, komplett, unverkäuflich, und legitim "arabisch" und muslimisch angesehen und strebte an, dieses in einen souveränen Staat unter ihrer Herrschaft, in der ganzen Fläche des Landes, zu bringen.]

Mit anderen Worten, selbst wenn man einen schiefen Blick auf den Konflikt hätte, in dem die "Besatzung", "Siedlungen" und "Ost-Jerusalemer Hauszerstörungen" jede andere Realität blockiert, schlußfolgert Morris, dass, wenn diese brennenden Fragen scheinbar von Zauberhand verschwinden würden, würde Israel immer noch Schuld tragen - für ihr Bestehen.

Dies erklärt, warum im Spätsommer 2008, die Mehrheit der gemäßigste der Palästinenser, Mahmoud Abbas, Ehud Olmerts Angebot zur Schaffung eines palästinensischen Staates auf den Gegenwert von 100 Prozent der West Bank, plus Gazastreifen, verschmähte.

Es erklärt auch, warum die arabische Friedensinitiative 2002 glaubte, nicht nur Israel zwingen zu können, zurück auf die schwer zu verteidigende 1949er Armistice  Line sich zurück zuziehen und uns mit Millionen von palästinensischen "Flüchtlingen" überschwemmen zu können, sondern auch auf der Arabischen Liga die unerschütterliche Verweigerung der Legitimität von Israel als jüdischer Staat zu akzeptieren. Warum? Da dies den Juden eine Verbindung zu diesem Ort zugestehen würde, der der Ankunft der Araber und der Geburt des Islams vorrausging.

Es wäre ein Eingeständnis, daß die Juden das Recht haben, dieses Land zu teilen.

Für viele ist der Übergang von der düsteren Erinnerung eine Erschütterung. Doch es gibt keinen besseren Weg, um die Verbindung zwischen den Tränen der Opfer und die Freuden der Unabhängigkeit zu verdeutlichen.

Und so wischen wir unsere Tränen ab und beginnen die Zählung unsere Segnungen: Im Jahre 1948, begann das Land mit 600.000 Juden, heute sind es 5593000. Seit dem Tag der Unabhängigkeit im vergangenen Jahr sind mehr als 150000 Kinder geboren wurden, mehr als 12.000 Juden machten Alija [und wanderten nach Israel ein].

Halten Sie das Zählen, und Hag Sameah.

Dieser Artikel erschien am Sonntag in der Jerusalem Post unter dem Titel "Tears and Joys". Übersetzung aus dem Englischen: Lukas Lehmann.