2009-04-21

Der Durban-II-Zirkus

[caption id="" align="alignnone" width="600" caption="Das Nuklear-Monster, Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad, (cc) azrainman, Bestimmte Rechte vorbehalten."][/caption]
Die Tatsache, dass Ahmadinejad selbst in Genf ein Forum bekommen hat, ist beinahe gleichzusetzen mit dem historischen Beispiel, als Hitler, Chamberlain und andere traurige Gestalten auf dem Obersalzberg zusammen kamen, und die Weltöffentlichkeit hatte zugeschaut -; eine Aufwertung des grinsenden Diktators aus Teheran und der klerikal-faschistischen Clique, die ihn steuert.

Wer heute noch nicht begreift, dass die Nichtteilnahme am Genfer Zombiespektakel die einzig richtige Entscheidung war, ist entweder dumm, bösartig oder resistent gegen alle Erfahrungen, die uns die Geschichte gelehrt hat.

Das gilt auch für etliche Kommentatoren der WELT, des Tagesspiegel, des SPIEGEL und viele andere Zeitschriften hierzulande, von den internationalen Nachrichtenagenturen ganz zu schweigen, die mithalfen, diesen Dreck erst anzurühren.

Ich stimme Bernds gestrigem Kommentar nur zu: Während die Mehrheit der deutschen Presse blind, naiv und faktenlos die Absage Deutschlands an der UN-Antirassismuskonferenz "Durban II" verurteilte, hetzt der iranische Präsident und Holocaustleugner A-jad gegen Israel, benennt ihn als den "rassistischsten Staat der Welt", der von den nicht weniger "rassistischen" Europäern und dem "zionistischen Regime" der Vereinigten Staaten ideologisch wie auch materiell unterstützt wird. Der Rassismus in Europa ist für A-jad Auslöser des Holocaust und der Staatsgründung Israels gewesen, und somit Auslöser des imaginierten arabischen Leidens im Nahen Osten.

Der selbstgehässige und rücksichtslose Messias des islamistischen Mullahregimes  und seine gestern applaudierenden Mitstreiter aus anderen arabischen Staaten (vermutlich Syrien, Libanon und Co.) scheinen indes vergessen zu haben, dass sie selbst in den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen und Pogromen der Zeitgeschichte verwickelt sind. Klammern wir die regelmäßigen Raketenbeschüsse auf den zionistischen Judenstaat mal aus, so rückt hier vor allem Darfur in den Mittelpunkt des Betrachters. Mehr als 400.000 Menschen kamen in diesem Konflikt allein seit 2003 ums Leben, 2,5 Millionen mussten flüchten und ihre Heimat, ihr Hab und Gut zurücklassen. Auch die Verfolgung der Bahai im Iran oder die Verleugnung der Pogrome an den Armeniern (1915-1917), bei denen zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen umkamen, wird auf dieser Konferenz ganz sicher nicht behandelt werden und geht ganz sicher auch nicht auf das Konto des verhassten Judenstaats und seiner europäischen und amerikanischen Verbündeten.

Statt dieser verdreckten Ideologie und Doppelmoral Einhalt zu gebieten, gibt man den Holocaustleugnern, Antisemiten, Rassisten und Mördern von heute im schicken Salon eines Genfer Hotels und auf einer "Antirassismuskonferenz" der Vereinten Nationen die Bühne. Man stellt sie ins Rampenlicht, lässt sie offen reden, bietet ihnen durch die Präsenz der Weltpresse eine öffentliche und globale Bühne und macht sie im Endeffekt hoffähig. Das Bild des Zirkus gibt zurecht ein Bild wieder, was nicht nur die Konferenz selbst beschreibt, sondern auch die Reaktion der Politik und Medien in der westlichen Welt. Empört spricht man hier von Fehlern, wenn demokratische Staaten wie Deutschland bei diesem Puppentheater nicht teilnehmen wollen, sich nicht auf das Niveau des iranischen Präsidenten stellen wollen und ihm nicht den Hof machen wollen, nachdem er wie schon in der Vergangenheit den Holocaust als Lüge darstellte und Israel mit der Vernichtung drohte.

Henryk M. Broder fasst in diesem Sinne eigentlich alles kompakt und prägnant auf seinem Blogbeitrag zusammen, was ich und viele andere Kommentatoren in dieser Situation denken und fühlen:
Der Adabei, manchmal auch Mitläufer genannt, macht nichts, er macht nur alles mit, was ihm vorgemacht wird. Wenn man etwas erreichen will, sagt er, “muss man teilnehmen, um Schlimmeres zu verhüten”. So auch Adabei Marianne Heuwagen in ihrem tagesschau-Gastkommentar zu Durban 2. http://www.tagesschau.de/inland/antirassismuskonferenz104.html

Das ist nicht ganz falsch. Wenn die blöden Sozialdemokraten damals massenhaft in die NSDAP eingetreten wären, statt immer nur “Keinen Fussbreit den Faschisten!” zu schreien, hätten sie Schlimmeres verhüten oder wenigstens dafür sorgen können, dass es bei den Abtransporten ein wenig menschlicher zuging. Mit ihrer Verweigerung haben sie die Chance verpasst, Einfluss zu nehmen und sich einzumischen. So wie es Marianne Heuwagen bei HRW tut, indem sie den iranischen Präsidenten als “israelkritisch” bezeichnet. Hui, ist das mutig! Wenn aber ein palästinensischer Arzt, der in Libyen jahrelang im Knast saß und gefoltert wurde, von seinen Erfahrungen berichten möchte, wird ihm auf Antrag der libyschen Delegierten das Wort entzogen. http://www.unwatch.org/site/c.bdKKISNqEmG/b.5109305/k.891C/Confrontation_at_Durban_II.htm?auid=4765508

So gehört es sich. Man soll teilnehmen, aber nicht übertreiben.

Hier nun nochmals die "Highlights" aus A-jads Ansprache gestern Nachmittag auf der Durban-II-Konferenz:







Update: Auch Lila hat sich Gedanken zu Durban II gemacht:
… wie vielen Zuhörern in Europa Ahmedinijad aus der Seele spricht. Das ist ja genau das Zeug, das hier und in anderen Blogs, aber auch in Gesprächen, regelmäßig wieder auftaucht, ausgebreitet von Leuten, die nicht die leiseste Ahnung haben, wie die Gründung Israels wirklich vonstatten ging. Daher kann ich mir vorstellen, daß viele Bürger der europäischen Länder, die nicht an der Konferenz teilnehmen, das für ein Einknicken vor den finsteren Mächten des Zionismus halten, gewissermaßen für einen Beweis, daß Ahmedinijad Recht hat. Da kann man nichts machen, fürchte ich.