2009-03-09

Wer tötete Mohammed Al-Dura?

Murales in Orgosolo, Sardegna

Es war wohl eines der schockierensten Ereignisse innerhalb der letzten Jahre des Nahostkonflikts. Der Tod des 12-jährigen Mohammed al-Dura am 30. September 2000, der gemeinsam mit seinem Vater hinter einem Betonfass in der Nähe der israelischen Siedlung Nezarim im Gazastreifen Sicherheit vor dem Beschuss durch israelische Soldaten suchte und von diesen angeblich getötet wurde, bewegte nicht nur die westliche Welt, sondern führte mit dem Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem Tempelberg zwei Tage zuvor zum Ausbruch der Zweiten Intifada – so die offizielle Version der Geschehnisse.

Doch genauso wie diese die Ankündigung der Intifada zwei Tage vor dem Scharonbesuch verschleiert, muss auch im Al-Dura-Fall ein kritischer Blick hinter dem Mythos des getöteten Kindes gewagt werden, denn was wirklich am Samstagmittag um 14 Uhr, am jüdischen Neujahrsfest Rosch Ha-Schanna geschehen ist, wissen wir auch von dem Bericht des französischen Nachrichtensenders France 2 nicht.

Nichts desto trotz möchte ich in diesem Beitrag versuchen an Hand der verschiedenen Aussagen, die zum einen die palästinensische Seite unterstützen und zum anderen die israelische Armee entlasten, ein Gesamtbild des aktuellen Standes der seit 2000 laufenden Ermittlungen liefern. Zu Beginn werde ich deshalb die wichtigsten Akteure und Ermittler des Falles vorstellen und ihre Position anreißen, und zum anderen am Schluss des Artikels eine Videogalerie anbieten, die nicht nur die Originalsequenzen des von France 2 gedrehten Materials zeigt, sondern auch weitere zum Thema passende Dokumentationen und Interviews.

Menschen, Thesen und Argumente für oder gegen den Fall Al-Dura


Talal Abu Rahma


Talal Abu Rahma ist der palästinensische Kameramann, der für France 2 arbeitet und die Geschehnisse an der Nezarim-Kreuzung filmte. Abu Rahma beschuldigt die israelischen Soldaten, die sich in einem Kontrollposten in der Nähe des Schauplatzes aufhielten, Mohammed und Jamal Al Dura für 45 Minuten beschossen zu haben, von denen er 27 Minuten filmte. Am 3. Oktober 2000 bestätigte er seine Aussage nochmals unter Eid gegenüber dem palästinensischen Zentrum für Menschenrechte (PCHR). In seiner schriftlichen Zeugenaussage hielt er fest, dass er ungefähr 27 Minuten damit verbrachte, einen Vorfall zu filmen, der 45 Minuten andauerte und der den Tod Mohammed Al-Duras und seinen von israelischen Kugeln schwer verletzten Vater Jamal Al-Dura zeigt: "I can confirm that the child was intentionally and in cold blood shot dead and his father injured by the Israeli army."

Vier Jahre später, am 22. Oktober 2004, während einer Vorführung des Videomaterials in den Büros von France 2, entdeckten die unabhängigen Journalisten Luc Rosenzweig, Denis Jeambar und Daniel Leconte, dass Abu Rahmas Behauptung falsch war. Zurselben Zeit wurde ihnen von Didier Epelbaum, dem Berater des französischen Senders, erklärt, dass Abu Rahma seine Zeugenaussage zurückgenommen hätte. Trotzdem gibt es bis heute keine öffentliche Erklärung oder irgendwelche offiziellen Indizien, dass Abu Rahma tatsächlich seine Aussagen zurücknahm. Zudem ist seine Zeugenaussage immer noch auf der PCHR-Webseite frei zugänglich. In der Tat bestreitet France 2-Kommunikationsleiterin Christine Delavennat, dass Abu Rahma jemals seine Aussagen widerrufen hätte und machte klar, dass laut Abu Rahma diese Behauptungen ihm zu Unrecht zugeschrieben wurden. Auf der anderen Seite bestreitet Raji Sunami, Anwalt des palästinensischen Zentrums für Menschenrechte, der bei der Zeugenaussage und der Unterzeichnung der eidesstattlichen Erklärung Abu Rahmas anwesend war, dass dieser seine Aussagen zu einem späteren Zeitpunkt zurückgenommen habe.

Charles Enderlin


Charles Enderlin ist französischer Jude mit israelischem Pass, seit 1991 Redaktionsleiter des France-2-Büros in Jerusalem und für eine Zeit lang Vizepräsident der Association of Foreign Press Correspondents in Jerusalem. In Frankreich gilt er als unangezeifeltes Urgestein der Nahostberichterstattung. Enderlin war für die Autorisierung und Ausstrahlung des AL-Dura-Beitrages verantwortlich und verlieh diesem seine Stimme. Allerdings war Enderlin zum Zeitpunkt des Geschehens in Ramallah in der Westbank und nicht, wie man vermuten könnte, vor Ort in Gaza.

Der gleiche Enderlin, der nur das Videomaterial Abu Rahmas kennt, behauptete nun in seinem berühmt gewordenen Beitrag vom 30. September, dass die Kugeln, die angeblich den 12-Jährigen Jungen töteten und seinen Vater verletzten, aus Richtung des israelischen Kontrollpunktes kamen, obwohl dies bei nachträglichen Untersuchungen des Videomaterials nicht eindeutig belegbar ist.
"3 pm... everything has turned over near the Netzarim settlement in the Gaza Strip...here Jamal and his son Mohammed are the targets of gunshots that have come from the Israeli position.... A new burst of gunfire, Mohammed is dead and his father seriously wounded.“

Der angebliche Tod des Jungen und die schweren Verletzungen des Vaters sind auf dem Videomaterial nicht oder nur andeutungsweise zu sehen, was den Verdacht erhärtete, dass die Thesen des Büroleiters Enderlin und seines Kameramanns Abu Rahma nicht stimmen können. Zudem kamen Zweifel über die Echtheit des Videos selbst auf, was, wenn man sich den ungekürzten Beitrag anschaut, verständlich ist.

Enderlin wehrte sich gegen die Zweifel an der offiziellen Version der Geschehnisse und beteuerte, dass das Videomaterial authentisch sei, dass Mohammed al-Dura von den Israelis erschossen wurde und seine Kritiker - er bezeichnet sie als „rechtsextreme Gruppen“ - eine Kampagne gegen seine Person gestartet hätten, um seinen Ruf als Journalist zu zerstören. Das Fehlen von Ausschnitten, die eindeutig die Verletzungen beider Personen und den Tod des Jungen hätten beweisen können, begründet Enderlin hingegen mit der ethischen Verpflichtung des Senders, solche Szenen den Zuschauen nicht zuzumuten, weshalb diese auch herausgeschnitten worden seien.

Luc Rosenzweig


Luc Rosenzweig ist ehemaliger Journalist der französischen Tageszeitung Libération und ehemaliger Chefredakteur von Du Monde. Heute ist er als Schriftsteller tätig. Rosenzweig war einer der ersten Journalisten, die am 22. Oktober 2004 das komplette Videomaterial mit der Szene des angeblichen Todes von Mohammed al-Dura zu Gesicht kamen. Er hegte schon damals Zweifel an der Echtheit des Materials und warf Charles Enderlin und Talal Abu Rahma vor, wiederholt gelogen zu haben, um die Wahrheit, das vermutlich gefälschte oder gestellte Video, zu verheimlichen.
Charles Enderlin has lied about the Al Dura case multiple times. He lied when he stated that he cut the images of the child’s agony because it was unbearable. "These images do not exist, as I can certify having viewed on October 22, 2004 the raw footage provided by Enderlin under the orders of the network. Could it be that these images exist but remain hidden? It is highly improbable because in this case, Charles Enderlin and France 2 would not have failed to show them in order to silence those people who...have pointed out this anomaly...

Talal Abu Rahma lied multiple times and told German filmmaker Esther Shapira that he did not divulge all the secrets of the affair, implying that he was keeping quiet about other elements that proved the guilt of the Israeli army.["Charles Enderlin, menteur en toutes les langues (info # 010302/5)" analysis by Luc Rosenzweig, Metula News Agency, 3. Februar 2005]

Rosenzweig glaubt zudem, dass Abu Rahma nationalistischer Palästinenser sei und Urheber der Behauptung, dass Al-Dura von Israelis ermordet worden wäre – eine Behauptung, die er aufstellte, um die Intifada noch weiter anzuheizen und die Weltgemeinschaft gegen Israel aufzubringen.
Talal Abu Rahma is one of several dozen Palestinian journalists, photographers and cameramen who work in Gaza for the international media. Over the past 10 years, he has been a regular collaborator with CNN and France 2. The information coming out of Gaza is controlled by these Palestinian contributors to large media outlets, without whom it is impossible to travel through the area. Their physical and financial survival depend on their allegiance to the Palestinian Authority and a number of them, including Talal Abu Rahma, are considered, in addition, militants for the Palestinian national cause... It was necessary to feed popular anger (at the start of the intifada) with violent images which would galvanize the militants and demonstrate Israel as monstrous in the eyes of the entire world. Talal Abu Rahma was the most skillful and luckiest professionally in his construction of one of these ‘patriotic lies’... ["Charles Enderlin, menteur en toutes les langues (info # 010302/5)" analysis by Luc Rosenzweig, Metula News Agency, 3. Februar 2005]

Das ganze Ereignis kann in diesem Zusammenhang nur vorgetäuscht worden sein, eine Art Pallywood-Produktion palästinensischer Medienmacher, die zusammen mit unbekannten politischen Kreisen den Medienkrieg gegen Israel aufgenommen haben – und dies bis heute erfolgreich weiter betreiben, wie die Gewaltausbrüche während und nach dem Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg, der Al-Dura-Fall, das angebliche Massaker in Jenin, oder die neuesten Inszenierungen in Gaza zeigen, in denen unter anderem angeblich das ganze Kabinett aufgrund der israelischen Blockade im Dunkeln mit erleuchteten Kerzen saß, während hinter dem Vorhang eindeutig Tageslicht zu sehen ist.
In the controversial case of Netzarim, it is evident when the rushes are seen that there is a concerted attempt on the part of the photographers and cameramen – all Palestinian – who were present on the ground, to manufacture images of shock, fake wounds, fake ambulance transports – a fact that even the directors of France 2 recognizes. At the Netzarim junction, there operated a small street theatre... ["Charles Enderlin, menteur en toutes les langues (info # 010302/5)" analysis by Luc Rosenzweig, Metula News Agency, 3. Februar 2005]

Rosenzweig stellt nun die Frage auf, ob Enderlin überhaupt seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachgegangen sei und mit seinem voreiligen und unkritischen Handeln, seinen unbelegbaren Behauptungen und Lügen überhaupt noch als „ethischer Journalist“ fungieren könne. Zudem wäre er auch nicht am Ort des Geschehens gewesen, um die Authentizität des Videomaterials und der Ereignisse, v.a. der Behauptung, dass israelische Soldaten den 12 jährigen Jungen erschossen hätten, nachzugehen.
…In his commentary, Charles Enderlin asserts without proof that the bullets came from the Israeli side and explains that the shooting took place at 3 pm whereas the doctors at the Gaza hospital remember that the body of the child arrived between 11 am and 1 pm. This created many lies. [quoted in Le Monde, 19. November 2004]

Denis Jeambar and Daniel Leconte


Denis Jeambar und Daniel Leconte, beide Journalisten und Dokumentarfilmer, waren weitere Mitglieder der Gruppe, die am 22. Oktober 2004 eingeladen wurden, um in den Büros von France 2 zusammen mit Luc Rosenzweig das Rohmaterial, die 27 Minuten des Al-Dura-Beitrags, zu sehen. Sie stellen sich hinter die Thesen von Rosenzweig, indem sie bestätigen, dass es keinerlei Anhaltspunkte im Video gibt, welche auf ein israelisches Verschulden hinter dem Tod von Mohammed Al-Dura schließen lassen. Vielmehr würde die Schussposition der Schützen, der durch die Kugeln entstandene Rauch und die Einschusslöcher in der Wand auf eine Schuld palästinensischer Milizen hinweisen.

Dr. David Jehuda


Dr. Jehuda ist der Chirurg, der Jamal Al Dura, den Vater des 12 Jährigen Mohammed Al-Dura, sechs Jahre zuvor im Krankenhaus Tel-Haschom in Tel Aviv operiert hatte, nachdem Jamal von palästinensischen Milizen mit einer Axt am ganzen Körper verletzt wurde. Als Jamal 2000 nach dem Vorfall an der Nezarim-Kreuzung im Fernsehen der Weltöffentlichkeit seine Narben zeigte, die angeblich von den israelischen Schüssen entstanden sind, erkannte Dr. Jehuda die Narben als die wieder, die aus seinem chirurgischen Eingriff an Hand und Bein herrührten.
[Jamal's scar] is a typical scar resulting from a tendon transplant repair...There is no possiblity in this case for dispute, for a misunderstanding. It is impossible that this [what Jamal displayed on film] is a bullet wound — so long, so thin, so nice (delicate). [Israelischer Kanal 10, 12. Dezember 2007]

Nahum Schahaf


Nahum Schahaf ist ein preisgekrönter israelischer Physiker und Reservist für die „optical intelligence unit“ der israelischen Armee, der seit zwei Jahren selbst Untersuchungen zum Al-Dura-Fall führt und durch ballistische Untersuchungen herausfand, dass die Kugeln, die die Wand und die beiden Personen angeblich trafen, in einem 90-Grad-Winkel in die Betonwand einschlugen. Der israelische Posten befand
sich aber 43 Grad Nordwest. Die schweren Schüsse, die Al-Dura töteten können deshalb laut erstelltem Untersuchungsbericht nicht von den Israelis kommen.

Richard Landes


Richard Landes ist Geschichtsprofessor an der Universität Boston und Direktor und Mitbegründer des Center for Millennial Studies. Im Jahr 2003 traf Landes sich zum ersten Mal mit dem israelischen Physiker Schahaf und bekam das ungeschnittene Videomaterial zu Gesicht. Überzeugt davon, dass die ganze Szene gestellt wurde, produzierte Landes den Dokumentarfilm Pallywood, der sich mit dem Al-Dura-Vorfall befasst.

Esther Schapira


Esther Schapira ist deutsche Filmemacherin und Ressortleiterin für Zeitgeschichte des Hessischen Rundfunks. In ihrer ersten Dokumentation über den Fall Al-Dura „Drei Kugeln und ein totes Kind“ aus dem Jahr 2002 geht sie von der Annahme aus, dass Mohammed Al Dura höchstwahrscheinlich von palästinensischen Schützen ermordet wurde, und nicht wie angenommen, von israelischen Soldaten.

In ihrer zweiten Dokumentation „Das Kind, der Tod und die Wahrheit“ aus dem Jahr 2009 rückt sie von dieser These allerdings ab und geht davon aus, dass Mohammed Al-Dura noch leben würde. Beweise hierfür hätten Untersuchungen Kurt Kindermanns, Gesichtsgutachter für biometrische Gesichtsvergleiche, erbracht, der die Gesichtszüge Mohammed Al-Duras mit denen des ins Schifa-Krankenhaus am gleichen Tag eingelieferten schwer verwundeten Kindes verglich (welches als Mohammed Al-Dura ausgegeben und beerdigt wurde) und dabei feststellte, dass es sich bei dem Kind an der Nezarim-Kreuzung und dem toten Jungen um zwei verschiedene Personen handele. Dies wird zudem durch die Tatsache bestätigt, dass zur Zeit des Ereignisses das beerdigte Kind schon im Schifa-Krankenhaus eingeliefert worden war. Der wahre Mohammed muss sich also bei der Beerdigung seines umgetauften Altersgenossen an einem ganz anderen Ort aufgehalten haben. Was genau nach den Schüssen geschah, kann allerdings anhand des Videomaterials nicht gesagt werden,

Phillipe Karsenty


Phillipe Karsenty ist Gründer und Leiter des französischen Medien-Watchdogs Media Ratings.Er sah die Videoaufnahmen zu Al-Dura, untersuchte sie und kam zu dem Schluss, dass das Material eine Fälschung sei. Für seine Verdachtsäußerungen gegenüber France 2 wurde Karsenty vom Sender angeklagt und vor Gericht gestellt.

Im Oktober 2006 wurde die Verhandlung zugunsten des französischen Fernsehsenders beendet, allerdings ging Karsenty in Berufung und konnte in der neuen Verhandlung erreichen, dass das komplette Videomaterial von France 2 dem Richter vorgespielt wurde, das nun nicht nur eindeutig die Thesen Karsentys bestätigte, sondern auch zutage brachte, dass Mohammed Al-Dura sich in den Armen des Vaters noch bewegte, die Hände vors Gesicht hielt und somit noch am Leben war und allem Anschein nach noch war, nachdem die Schüsse fielen und er zu Boden sackte. Nach diesen spektakulären Erkenntnissen wurde Karsenty im Mai 2008 erlaubt, das Videomaterial weiterhin als Fälschung zu bezeichnen, was einem Prozessgewinn gegen den staatlichen Fernsehsender France 2 gleich kommt.

Wer tötete Mohammed Al-Dura?


Diese Frage wird wohl nur sehr schwer zu beantworten sein. Wie die am letzten Mittwoch in der ARD ausgestrahlte Dokumentation Esther Schapiras schlussfolgert, gibt es keinen eindeutigen Anhaltspunkt über den Verbleib des 12-jährigen Jungen. Die Erkenntnisse, die auch von anderen Kritikern des Falls Al-Dura gewonnen worden waren, wurden in der Dokumentation wieder aufgegriffen. Auch die letzten 55 Sekunden der unveröffentlichten Al-Dura-Szene wurden nun wieder gezeigt und analysiert. Wirklich neu scheint wohl das Resultat der Gesichtsuntersuchung gewesen zu sein, das vorherige Zweifel am Tod und Verbleib des jungen Palästinensers bestärkte und eindeutig bewies, dass es sich bei den schwerstverletzten Jungen im Schifa-Krankenhaus, der als Mohammed Al-Dura durch die Straßen getragen und beerdigt wurde, nicht um den gleichen Jungen handelte, der sich in den Armen Jamal Al-Duras befand, während Schüsse auf die Beiden fielen.

Aber wo befindet sich Mohammed Al-Dura, der 12 Jährige Junge, der in der ganzen arabischen Welt als Märtyrer und palästinensischer Freiheitsheld verehrt wird, wenn er tatsächlich weder angeschossen wurde noch gestorben ist? Diese Fragestellung wäre neben der Analyse weiterer Indizien wohl der wichtigste Schritt, den Schapira, Landes, Karsenty, Rosenzweig und Co. gehen sollten, um nicht nur den weiteren Verbleib des Jungen herauszufinden, sondern auch der anhaltenden Inszenierung angeblicher Verbrechen Israels gegen die palästinensische Zivilbevölkerung ein Ende zu bereiten - Inszenierungen, die verantwortliche Medienmacher in Europa zum Gespött machen, weil sie naiv und gegen journalistische Etikette dieses Material ausstrahlen. Vor allem aber geht es darum, der hiesigen Bevölkerung endlich zu verdeutlichen, dass nicht alles, was durch die Medien geht, authentisch und richtig sein muss.

Diese Aufklärung bedarf es aber auch in der israelischen Bevölkerung und vor allem in israelischen Regierungskreisen, die aus diplomatischen Gründen sich immer noch scheuen, solche Inszenierungen als solche zu bezeichnen und an den Pranger zu stellen. Die IDF hatte so in diesem Fall schon Untersuchungen angestellt, aus Angst vor diplomatischen Schwierigkeiten aber auf eine Veröffentlichung verzichtet. Hier unterstütze ich Phillipe Karsenty, der in einem Vortrag das hochsensible Verhalten Israels als sehr problematisch bezeichnet, da es das Ausmaß solcher Fälschungen in der Haltung der Welt zu Israel und dem Judentum verkennt und zu vielen Todesopfern führte - 5000 Palästinenser und 1000 Israelis allein während der zweiten Intifada. Zudem unterstützte der Fall Al-Dura die antisemitische Stimmung gegen den jüdischen Staat, da er als “Beweis“ für angebliche Ritualmorde der Israelis (und Juden) diente. Israel muss deshalb seine Haltung verändern, effektivere Aufklärungsarbeit leisten und die dunklen Flecken des gegen ihn geführten Medienkrieges stärker ins Licht rücken.

Dieser Beitrag beruht zum großen Teil auf einem englischsprachigen Hintergrundbericht des Medien-Watchdogs CAMERA. Alle weiteren Angaben können Sie dem Literaturverzeichnis und den Videobeiträgen entnehmen. Großen Dank gilt auch Bernd Dahlenburg, der sich bereit erklärte, diesen Artikel Korrektur zu lesen.


Literatur


• Dahlenburg, Bernd 2009. Castollux: Der Fall Al Dura - Vom Sockel gestürzte Ikone. URL: http://castollux.blogspot.com/2008/05/der-fall-al-dura-vom-sockel-gestrzte.html [Stand 2009-03-05]
• FAZ Electronic Media GmbH 2009. Gefälschte Fernsehbilder: Lebt Mohammed al-Dura? [Stand 2009-03-05]. URL: http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~E34A59A3E924D451783BDDAAE96AA7453~ATpl~Ecommon~Scontent.html [Stand 2009-03-05]
• Hollander, Ricki & Ini, Gilead. CAMERA: BACKGROUNDER: Mohammed Al Dura: Anatomy of a French Media Scandal. URL: http://www.camera.org/index.asp?x_article=855&x_context=3#play [Stand 2009-03-05]
• Honest Reporting 2009. The al-Dura Controversy [Stand 2009-03-05]. URL: http://www.honestreporting.com/a/alDuraResources.asp [Stand 2009-03-05]
• Palestinian Centre for Human Rights 2007. Statement under oath by a photographer of France 2 Television [Stand 2009-03-05]: The killing of the child Mohammed al-Durrah by Israeli Occupying Forces was intentional and happened in cold blood. URL: http://www.pchrgaza.org/special/tv2.htm [Stand 2009-03-05]
• Sachse, Katrin 2008. "Mohammed al-Dura lebt": Ein Wissenschaftler will die Welt davon überzeugen, dass sie einer Täuschung aufgesessen ist. Focus (2008), 23. Aufl. URL: http://www.a-dura.com/common/attachment.php?d=i2i&a=303405 [Stand 2009-03-06]
• Thiel, Thomas. Im Gespräch: Esther Schapira: Was geschah mit Mohammed al-Dura? URL: http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~E522A31B482904CC285E3B2DAA55275F3


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