2009-03-04

Kurz gefasst!

Schätze unter Trümmern


Köln - Noch ist der Schaden nicht auszumachen, doch er wird in jedem Fall immens sein. Neun Menschen wurden am Dienstagabend noch vermisst. In jedem Fall sind durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs wertvolle Kulturschätze vernichtet worden: In dem Gebäude waren Dokumente aus über tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte untergebracht, darunter 65 000 Urkunden, 104 000 Karten und eine halbe Million Fotos. Auch der Nachlass des Schriftstellers Heinrich Böll liegt möglicherweise unter den Trümmern begraben.

Noch bevor das ganze Ausmaß des Unglücks bekannt war, wurde in Köln am Dienstag über die Ursachen spekuliert. Und ein Verdacht rückte dabei schnell in den Vordergrund. Hat der Bau der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn den Schaden verursacht? Das erste Indiz: Eine Baustelle der U-Bahn befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadtarchivs.

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Über mögliche Ursachen des Unglücks berichtet der Kölner Stadtanzeiger:
Ein Zusammenhang mit dem nahe gelegenen U-Bahn-Bau wird derweil immer wahrscheinlicher. Der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff, sagte, in der benachbarten Baugrube für die U-Bahn-Erweiterung sei eine Öffnung entstanden. In diese Öffnung sei Erde nachgerutscht und dadurch sei dem Historischem Archiv praktisch der Boden entzogen worden und das Gebäude sei nach vorne in die Grube gekippt.

Augenzeugen berichten im Gespräch mit ksta.de, dass am Dienstag, etwa eine Stunde vor dem Einsturz, noch Baggerarbeiten vor dem Stadtarchiv an der Baustelle stattgefunden haben. "Ich fuhr gegen 12:45 Uhr am Stadtarchiv vorüber. Ich bin stehen geblieben, weil ich mich darüber gewundert habe, dass da noch ein Bagger steht und Erde aus der doch eigentlich fertig ausbetonierten Grube herausholt", sagt ein 56 Jahre alter Zeuge, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte. "Das kam mir vor, als wäre ein Haus fertig gebaut und danach würde da jemand das Dach abnehmen und mit dem Bagger nochmal Erde aus dem Keller rausholen. Das muss doch Erschütterungen ausgelöst haben."

Peter Maar, der sowohl am Montag als auch am Dienstag zwischen zwölf und ein Uhr mittags am Stadtarchiv vorüberfuhr, beobachtete übereinstimmend einen Seilzugbagger, der volle Schaufeln "mit faustgroßen Steinen" aus der Baugrube holte und auf einen Lastwagen schüttete, der halb auf der Grubenabdeckung, halb auf dem Bürgersteig stand. "Das hat mich gewundert. Wo doch die Arbeiten an dieser Stelle schon abgeschlossen waren." Auf einem Luftbild von der Unglücksstelle entdeckte Maar nun auch den halb verschütteten gelben Bagger mit schwarzem Ausleger, der fast senkrecht aus den Trümmern ragt.

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Über die Bedeutung des Stadtarchivs für Deutschland, Europa und die Welt berichtet Welt Online:
Das größte Stadtarchiv nördlich der Alpen – so wurde das Historische Archiv von Köln bisher genannt. Köln war im Mittelalter die größte Stadt Deutschlands und eine der größten Europas, entsprechend überragend waren die Schätze des Archivs. Sie reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück, das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 922. Ratsprotokolle und Urkunden dokumentieren die Politik der Handelsmetropole, die oft Auswirkungen auf das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte.

“Das ist ein erstrangiges europäisches Rechtsdenkmal, das gibt es nicht noch einmal in der Welt , sagte der ehemalige Abteilungsleiter Eberhard Illner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Denken Sie an die Hanseurkunden, die französische Verwaltung, die Handschriftensammlungen der Kölner Klöster und Stifte, an Albertus Magnus, die Tristan-und-Isolde-Handschrift, die gesamte Überlieferung der Stadt Köln ist komplett vernichtet!„ Die Bestände seien nur vergleichbar mit denen des Pariser Nationalarchivs oder anderen weltweit führenden Institutionen.

Das Archivgebäude, ein bunkerartiger Zweckbau aus dem Jahr 1971, beherbergte Originaldokumente aus mehr als tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte. Unter den Dokumenten sind Testamente, kaiserliche Privilegien und rund 65.000 Urkunden.

Auch 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate und rund eine halbe Million Fotos liegen nun unter den Trümmern. Bestand des Archivs waren auch zahlreiche Nachlässe und Unterlagen bedeutender Persönlichkeiten, darunter Jan von Werth, Gottfried Böhm und Ferdinand Franz Wallraf. Das Jacques-Offenbach-Archiv war das größte der Welt. Besonders herausragend war der Nachlass des in Köln geborenen Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll (1917-1985).

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Unter Null – Günter Wallraff berichtet von seinen zwei monatigen Erfahrungen als Obdachloser in Köln


Im Winter 2008/2009 hat sich Günter Wallraff unter Menschen begeben, die alles verloren haben: Ihren Beruf, ihr Geld, ihre Bleibe, ihre Familie. Für seine Reportage "Unter null" im ZEITmagazin hat er am eigenen Leibe erfahren, wie Obdachlose in Deutschland leben. Er verbrachte die kältesten Tagen des Winters auf der Straße, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad - und erfuhr dabei erstaunlich viel Wärme von seinen Leidensgenossen.

Mit ZEIT ONLINE sprach Wallraff über seine Erfahrungen: "Viele haben sich auf der Straße ihre Ersatzfamilie geschaffen." Ein Obdachloser habe ihm seine Schlafstelle über einem Heizungsschacht angeboten und ihm einen Teil seines erbettelten Geldes abgegeben. "In diesem Moment war mir wirklich zum Heulen zumute."

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Gefahr Iran: Abbas fordert Ende der Einmischung


RAMALLAH - Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat den Iran aufgefordert, sich nicht länger in die innerpalästinensischen Angelegenheiten einzumischen. Der Iran habe alles getan, um die Kluft zwischen den Palästinensern zu verstärken, sagte Abbas am Mittwoch während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Ramallah. "Wir fordern sie auf, die Einmischung in unsere Angelegenheiten zu beenden, weil sie nur den Streit vertiefen."

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TV-Tipp: Mohammad Al-Dura: Mythos oder lebende Legende


GAZA / FRANKFURT (inn) - Er wurde zur Ikone für das Leid des palästinensischen Volkes: Mohammed al-Dura. Am 30. September 2000 starb der palästinensische Junge in den Armen seines Vaters, getroffen von den Kugeln israelischer Soldaten - angeblich. Nachdem ein französisches Gericht bereits letztes Jahr festgestellt hatte, dass es sich bei den Aufnahmen wohl um eine Fälschung handelt, ist jetzt ein weiterer Hinweis aufgetaucht, der den Tod des Jungen widerlegt.

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Näheres heute Abend, 23:15 Uhr in der ARD