2009-03-06

Jüdische Palästinenser des vorstaatlichen Jischuw haben unwissentlich im Zweiten Weltkrieg am Einmarsch der Alliierten in Italien mit geholfen

[caption id="" align="alignnone" width="362" caption="Übersetzung: Lasst die weiblichen Rekruten im Kriegsfeld zusammen kommen. Tretet in die Armee ein!"]Zionist Congress: Thousands of young women enlisted and were accepted into the British forces, serving in many units, mainly in Egypt and in the land of Israel. [/caption]

Esther Herlitz kann sich noch gut an das geheimnisvolle Gebäude erinnern, in das sie von ihrem Kommandanten der Britischen Armee 1943 stationiert wurde. Als junge Stabsunteroffizierin der vorstaatlichen Freiwilligeneinheit der britischen Truppen während des Zweiten Weltkriegs war sie eine von etwa 40.000 Jugendlichen aus den jüdischen Siedlungen in Palästina, die zusätzlich aus rund 4000 Soldaten des Auxiliary Territorial Service, der Frauenzweig der britischen Armee, bestand. "In Kairo und Umgebung gab es Tausende von weiblichen Soldaten aus Palästina - Hunderte von Quartiermeisterinnen und Fahrerinnen. Die Offiziere waren Briten und die Truppen stammten aus Eretz Israel", erzählt die 87-jährige Herlitz.

Die Frauen des Jischuw waren stolz auf die Teilnahme im Kampf gegen die Nazionalsozialisten, vor allem da sie so nah an der Schlacht von El Alamein waren, in der die Nazivorherrschaft in Nord-Afrika zurückgeschlagen wurde. Herlitz war in Kairo stationiert, in der Kompanie 525. Aber die Moral in der Mannschaft war gering, und die Frauen waren am Rand der Meuterei. Anstatt im Kairoer Militärkrankenhaus zu arbeiten, wie die meisten ihrer Freunde, wurden die 30 Probandinnen unter dem Kommando von Herlitz mit einer merkwürdigen Arbeit beauftragt, die sie nicht verstanden: Sie mussten Stanz-Löcher in Karten stanzen ohne ersichtlichen Grund. "Als ich zur Anlage gelangte, sah ich die Soldaten in Kairo in einigen dunklen Kellern sitzen. Es war heiß und unangenehm", sagt sie.

Die jüdischen Soldaten wussten nicht, dass sie Teil eines der geheimsten Projekte der britischen Armee waren: die Datenverarbeitung durch eine frühe Version des heutigen Computers, der zur Planung der alliierten Invasion Europas eingesetzt wurde. "Der Keller hatte ein geheimes Zimmer, in dem nur die britischen Soldaten Zutritt hatten. Innen drin gab es eine große Maschine, die die Soldaten nicht berühren durften", erinnert sich Herlitz.

Eine der Soldatinnen war Hanna Meron, später ein Star des israelischen Theaters. "Ich trat der britischen Armee bei und arbeitete als Sachbearbeiterin in Ägypten. In einer Einsatzphase wurden ein paar Mädchen ausgewählt und nach Kairo gebracht. Ich denke wir wurden gewählt, weil wir intelligent genug waren und Englisch konnten", erinnert sich Meron. "Es war im Keller, eine Art Festung, und dort stand eine riesige Maschine mit Karten, die wir stanzen mussten. Es war harte Arbeit, und wir waren zu Tode gelangweilt."

Zur Verbesserung der Moral sandte Herlitz ihre Soldaten zu ihrer eigenen geheimen Mission, um festzustellen, was die Maschine war. „Die Briten hielten die Maschine sehr geheim", sagt sie. "Ich gab ihnen eine Herausforderung: Finden Sie heraus, was Sie tun. Die Mädchen benutzten die Maschinen nun mit völlig unbeschreibbaren Karten. Im Nachhinein wurde klar, das dies wahrscheinlich das erste Mal war, dass ein Computer für die Logistik verwendet wurde." Die britische Armee hatte nur ein paar dieser frühen Computer, die für die kritischsten Einsatzfelder des Krieges verwendet wurden.

Nach Dr. Aviezri Fraenkel vom Weizmann-Institut, ein Pionier der Computernutzung in Israel, gab es Basismodelle des Computers verschiedenster Art schon im 19. Jahrhundert. Später, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, wurden elektronische Rechner gebaut, die Karten mit Löcher verwendeten. Es gab ein paar Computerentwicklungsprojekte während des Zweiten Weltkrieges. Sie dienten zu meist militärischen Zwecken, wie der Berechnung der Flugbahn ballistischer Raketen. Später wurden sie für den Geheimdienst benutzt, wie z. B. zur Decodierung." "Sie erzählten uns nicht darüber zu sprechen. Aber wir taten es trotzdem, auch wenn wir noch nicht mal wussten, worüber wir nicht sprechen sollten", sagt Meron. "Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern, wann es uns klar wurde, dass wir etwas sehr wichtiges taten." Nach ein paar Untersuchungen, wurde das Geheimnis gelöst: Die Maschine verarbeitete Lieferungssendungen zur Planung der Invasion Siziliens im Juli 1943 - das war einer der größten und wichtigsten Operationen des Krieges. "Das war das Geheimnis", sagt Herlitz.

Nach erfolgreichem Abschluss der nordafrikanischen Kampagne, planten die Alliierten die nächste Stufe: die Invasion von Italien. Die 150000 Mann starke Invasionsarmee, bestand aus etwa 14.000 Fahrzeugen und 600 Panzern. Die involvierten Truppen begannen die Planung auf ein nie da gewesenes Maß hochzuschrauben. "Sie erkannten, die Zahlen, die sie in die Karten stanzten waren die Sendungen: Panzer, Kanonen, Munition, Kampf Rationen. Natürlich waren die Informationen über die Invasion von Sizilien streng geheim. Sie wussten noch nicht mal, wann sie genau beginnen würde." Nach der Gründung des Staates Israel, trat Herlitz dem Auswärtigen Dienst bei und war Mapai Knesset-Mitglied. Heute ist sie Vorsitzende des internationalen Harfe-Wettbewerbs in Israel. Sie schrieb letzte Woche.einen Brief über den Computer zu Haaretz.

Nach Herlitz, wussten die Frauen nicht vom Erfolg der Invasion von Sizilien. "In der Armee wissen sie nichts, nur was um sie herum passiert", sagt sie. "Als die Frauen verstanden, dass sie etwas Wichtiges tun, beruhigten sie sich sofort und die Stimmung verbesserte sich. Danach setzten die Frauen ihre Arbeit fort, aber ich wurde wieder nach Israel zurückgeschickt – zur Offiziersausbildung."

Haben die britischen Offiziere gewusst, dass das Geheimnis der Maschine aufflog? "Bis heute weiß ich dies nicht", sagt Herlitz. "Es gibt viel wichtigere Dinge, die wir nicht wissen, ob diese von der britischen Armee herausgefunden wurden. Wir diente zwei Herren: Dem König und der jüdischen Siedlung. Es gab einen Code: Jeder, der sagte:" Grüße aus Shlomit "war heimlich Mitglied der vorstaatlichen paramilitärischen Haganah (*jüdische Untergrundorganisation unter Leitung von David Ben Gurion, Anm. L.L.). Jeder, der sagte: "Herzliche Grüße von Shlomit" ging zur Ausbildung an der Waffe. Ich weiß noch nicht, wann die britischen Offiziere wussten, dass wir sie für die Haganah-Ausbildung benutzten. Gott sei Dank gab es Dinge, die sie nicht wussten."

Der obere Artikel ist eine Übersetzung eines Beitrags von Ofri Ilani in der Haaretz mit dem Titel "Pre-state Israelis unwittingly helped plan Allies' WWII invasion of Italy". Der Inhalt des Beitrags mag zwar nicht sehr flüssig lesbar sein, da ich in der Übersetzung nah am englischen Text bleiben wollte, trotzdem verrät der Inhalt recht viel über die Arbeit der jüdischen Palästinenser in der britischen Armee, ihre Stellung in dieser, die sie sogar zu Arbeiten an Geheimprojekten zulaß. und ihr Mitverdienst im Zweiten Weltkrieg - nicht nur in der Verteidigung ihres Landes vor den Einheiten Rommels, sondern auch in ihrem späteren Kampf für ihre jüdischen Mitbrüder und Schwestern, die sich in Wäldern versteckten oder in Ghettos und Todeslagern um ihr Überleben kämpften. Das Titelfoto entstammt einer Sammlung von Photos, Postern, Briefmarken und Zeichnungen und Gemälden, die Stephanie Comfort zusammen gestellt hat.