2009-02-19

Ein Leben für ein Leben - Kaniuks "Adam Hundesohn" jetzt im Kino







Es ist wohl eine der spannensten aber auch kontroversesten Geschichten, die je im Zusammenhang mit dem Holocaust geschrieben wurde: Ein jüdischer Clown wird während der Nazizeit in ein Konzentrationslager gebracht und kann sein Leben nur dadurch retten, dass er wortwörtlich als Hund für die Unterhaltung des Lagerkommandanten sorgt. Nach der Befreihung des Lagers kommt Adam nach Israel in ein Heim für Holocaustüberlebende – abgeschnitten von der Öffentlichkeit in der Wüste. Dort trifft er auf zahlreiche gestörte Persönlichkeiten. Mit einem Kind, welches sich selbst Hund ansieht, schließt der ehemalige Hund des Lagerkommandanten Freundschaft.

Als Joram Kaniuk, der israelische Journalist und bekannte Schriftsteller des Landes, Adam Hundesohn schrieb, sind es sieben Jahre her, nach dem der Staat Israel einen weit über die Landesgrenzen hinaus hoch beachtete Prozess gegen den Naziverbrecher Adolf Eichmann führte. Dieser brach das Schweigen Tausender, Überlebender des Holocausts und ihrer Kinder. Während in Deutschland die zweite Generation offen Fragen über die Aktivitäten ihrer Eltern während der Naziherrschaft stellte, schockierten die Erlebnisberichte der Überlebenden die immer noch zionistisch geprägte israelische Gesellschaft. Das Selbstbild des starken und unverwundbaren „Sabre“ begann immer mehr zu brechen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass gerade in dieser spannenden und ereignisreichen Zeit Joram Kaniuk seinen „Adam Hundesohn“ herausbrachte. Auch dieser Roman schockierte die Gesellschaft und sorgte für viel Kritik. Darf man so den Holocaust, die Vernichtung von Sechsmillionen Juden, darstellen? Darf man sich über den Massenmord an den Juden lustig machen, indem man einen Clown, einen als Hund gedehmütigten Juden, als Hauptcharakter der Geschichte auswählt und ihn mit anderen Holocaustüberlebenden als psychisch Kranken weit weg von der Gesellschaft (wieder) in ein „Lager“ wegsperrt? Doch „Adam Hundesohn“ ist sicher mehr als eine dramatische Geschichte über den Holocaust. Er scheint auch eine Selbstschau des Autors zu sein, ein Blick auf seine Erlebnisse während seiner Zeit im Palmach, wie Kaniuk in einem FAZ-Interview von 1997 durchschauen lässt:
"Die Geschichte des Buches, das so etwas wie ein Dialog sein sollte, begann im Jahre 1948, als ich auf einem Schiff arbeitete, das Holcocaust-Flüchtlinge nach Israel brachte. Die größten Überlebenskünstler der Menschheitsgeschichte waren gebrochen, in Lumpen gehüllt, versteckten Goldzähne und goldene Ringe, hatten Dutzende von Uhren unter den Ärmeln, waren brilliant und armselig zugleich, sie änderten mein Leben, weil ich in ihnen demjenigen begegnete, der ich um ein Haar gewesen wäre, und ich fühlte mich schuldig, weil ich nicht wie sie war, sie waren stärker als ich in ihrem Elend, weil sie wußten, wie man Diamanten in dem Rektum von Toten sucht, sie besiegten mich, einen Helden des Unabhängigkeitskrieges."

Kaniuks „Adam Hundesohn“ wurde 2008 von Paul Schrader in einer deutsch-israelischen Koproduktion verfilmt und kommt heute unter den Titel „Ein Leben für ein Leben“ in die deutschen Kinos. Unter den Mitwirkenden sind bekannte Größen wie Jeff Goldblum („Jurassic Park“), Willem Dafoe („Spider-Man 3“), Joachim Król („Der bewegte Mann“), Moritz Bleibtreu („Der Baader Meinhof Komplex“) und Veronica Ferres („Das Superweib“).

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