2009-01-10

UN-Resolution 1860

Die UN, die sich als Weltorganisation dem Frieden und der Zusammenarbeit in der Welt verpflichtet hat, zeigte sich empört über die weitergehenden Kämpfe im Gazastreifen zwischen Israelis und Palästinensern. Zu dem sorgten die Vorfälle in einer UN-Schule und bei einem Hilfstransport vor ein paar Tagen für große Aufregung. Der Täter war schnell und ohne weiteren Untersuchungen gefunden: israel. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass allein Israel in der gestern verabschiedeten Resolution zum Waffenstillstand in Gaza aufgerufen wurde. Die Verursacher des Geschehens, Hamas und weitere islamistische Terrorgruppen, die seit acht Jahren Israel ununterbrochen aus dem Gazastreifen beschossen, wurden mit keinem Wort genannt. Allein eine sehr weit gedehnte Klausel lässt Ansätze in diese Richtung erahnen:
5. The Security Council condemns all violence and hostilities directed against civilians and all acts of terrorist.

Es ist nur zu vermuten, dass für westliche Beobachter der Ruf nach Terror an die Hamas gerichtet ist. Allerdings beschuldigt die arabische Welt Israel in Gaza selbst Terrorismus zu betreiben und sogar einen Holocaust an den Palästinensern zu begehen. Eine weiterer offener Punkt ist die Frage nach dem Verbleib des 2006 entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Auch dieser wird mit keinem Wort in dieser Klausel genannt. Auch eine Lösung für die Schmuggeltunnel an der Ägyptischen Grenze zu Gaza, aus der nicht nur humanitäre Lieferungen nach Gaza geliefert wurden, sondern auch Raketen und Waffen, vermochte die Weltorganisation nur mit einem schwammigen Absatz in der Resolution erwähnen:
6. The Security Council calls upon member states to intensify efforts to provide arrangements and guarantees in Gaza in order to sustain a durable ceasefire and calm, including to prevent illicit trafficking in arms and ammunition and to ensure the sustained reopening of crossing points on the basis of the 2005 Agreement on Movement and Access between the Palestinian Authority; and in this regard, welcomes the Egyptian initative.

Es ist also leicht verständlich, warum beide Parteien ungeachtet weiter kämpfen: Israel sieht die Resolution als einseitig und ungenügend zur Lösung seiner Interessen in der Region, d.h. die Freilassung Gilad Schalits, die Prävention des Waffen- und Raketenschmuggels an der ägyptisch-israelischen Grenze und den Stop jeglicher Raketenangriffe auf Südisrael. Hamas hingegen, die eindeutig die Auslöschung des Judenstaates fordert und sowieso jegliche Friedensvermittlungen in ihrer Charta ablehnt, kämpft weiter, da die Resolution ihrer Endlösung des Nahostkonflikts nicht nachkommt.

Während die internationale Politik wieder mal hochrangig in Nahost versagt und die Medien ihren Beitrag zum Missverständnis der Situation dazugeben, fanden Israelis und Palästinenser ihre eigene Art aufeinander zu zu kommen. Schon seit Jahrzehnten gibt es Workcamps und Friedensdörfer, arbeiten Palästinenser und Israelis Seite an Seite in Israel zusammen. SIe betreiben Politik, debatieren über ihre jeweilige Zukunft, ihre Visionen und Träume. Sie gehen Essen und Feiern miteinander. Sie helfen sich. Und zumindest in der Westbank scheint diese Art von Zusammenarbeit trotz der Intifada und Gegensätze neue Früchte zu tragen:







Wann wird die Welt endlich auch dieses menschliche Gesicht des Konfliktes im Nahen Osten erkennen?