2009-01-25

Medienschau: Gaza, Immigration, Antisemitismus und Juden in der DDR

Nach drei Wochen Bomben und Raketenbeschuss ist der Konflikt in Gaza vorüber. Nun arbeitet die internationale Staatengemeinschaft zusammen mit den Nachbarländern Israels und Gazas an einem endgültigen Frieden in der Region. Dass die erhofften Friedenstauben vieler Europäer dennoch nicht aus den Trümmern aufsteigen, zeigt ein Artikel der “Middle East Strategy at Harvard”.
There seems to be a general sense that the Gaza war is over. The shooting has stopped, at least for the most part, at least for now. The pundits, not excluding this one, are lining up to declaim. But in some respects all this is a bit premature; the outcome is not yet totally clear. This is not over yet.
Consider the perspective of the simple central question: has Israel achieved the aims for which its campaign was presumably waged? There is the obvious problem that these aims were stated in various and even conflicting ways, but leave that aside for the moment. What would an interim assessment say about what Israel has gained or not gained?


Aus vier verschiedenen Problemfeldern - 1) dem Raketenbeschuss aus Gaza, 2) der Unterbindung von Waffen- und Raketenschmuggel in Tunneln unter der ägyptisch-palästinensischen Grenze, 3) der Schwächung der Hamas und 4) dem Sturz der Hamas - ergibt sich ein facettenreiches Bild der Lage, welches aufgrund seiner Komplexität noch keine genaue Beurteilung und Vorausschau auf zukünftige Entwicklungen in der Region erlaubt. Allerdings hsndelt es sich um Themen, mit denen sich nun Politiker und Diplomaten gleichermaßen beschäftigen werden, um für alle Konfliktparteien eine zufriedenstellende Basis für weitere Annäherungen zu schaffen.

Eines steht fest: Ein Schwarzweißsicht wie es die Medien oder der Mainstream unserer Gesellschaft meist handhabenh, ist Basis eines zumeist  verschwommenen, sehr vereinfachten und eingeschränkten Bildes der Region. Vonnöten ist, dass diese Gruppierungen ihre Scheuklappen  ablegen und sich für die Komplexität des ganzen Nahen Ostens und seiner Konfliktfelder öffnen, diese verstehen und deren Verhältnis zueinander in einem neuen Zusammenhang bringen.

BBC-Doppelspiel
Kein westlicher Sender hat sich so für die palästinensische Sache eingesetzt, wie die britische BBC. Schon seit Jahren berichtet sie nachweisbar einseitig und unverhältnismäßig. Ihr Stil reicht von verfälschten Aussagen, naiver Schwarzweißsicht bis hin zur puren Propaganda. Dies wurde nicht nur in denin den vorrangengangenen Konflikten deutlich, sondern auch im letzten Gazakonflikt (näheres hierzu in einem gesonderten Beitrag. Eine Kostprobe gibt’s bei Castollux).

Nun scheint allerdings das Doppelspiel der BBC aufgeflogen zu sein: Das „Disasters Emergency Committee“, eine  Dachorganisation britischer NGO’s, hat anlässlich der humanitären Katastrophe in Gaza Werbesendungen produziert, die über das Fernsehen die Zuschauer zum Spenden aufrufen sollen. Was nichts Verwerfliches zu sein scheint -zuwider. Und so beschloss der Sender, die Spendenaufrufe nicht in sein Werbeprogramm aufzunehmen. Grund ist die Angst der BBC, dass das Zeigen des Beitrags das Ansehen der BBC beschädigen könnte. Außerdem wäre es nicht sicher, ob die humanitäre Hilfe auch wirklich die Betroffenen erreichen würde.
The national broadcaster said it had rejected the ad because showing it might harm the BBC’s reputation for impartiality and because it could not be sure humanitarian aid would reach the needy in the devastated territory.”

Die Verhaltensweise der BBC ist meines Erachtens mehr als peinlich und zeigt wiederum, mit welchen Mitteln das britische Sensationsfernsehen Journalismus betreibt: Zum einen wirbt die BBC für ein zerzaustes Israelbild, sorgt sich offenkundig um die Palästinenser, aber in seiner Verlegenheit zuckt der Sender zurück und lehnt jede Hilfe für die Opfer im Gazastreifen ab. Es gleicht einem Doppelspiel, welches an die britische Mandatszeit in Palästina erinnert: Man benutze beide Seiten, um sich am Ende - ohne sich die eigenen Finger schmutzig  zu machen - schnellstens aus dem Staub zu machen. Was aus diesem Doppelspiel wurde, können wir heute hautnah im Fernsehen erleben. Wer da wohl von wem abgeschaut hat....?


Juden in der DDR
Doppelmoral spielte auch in der Politik der DDR eine große Rolle, wie Vera Lengsfeld, DDR-Bürgerrechtlerin und spätere Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/ Die Grünen und der CDU, in ihrem Vortrag “Juden in der DDR- Ein Vortrag an der Universität Haifa” anspricht. Lengsfeld thematisiert darin hauptsächlich das zwiespältige Verhältnis der Genossen zu den Juden im eigenen Staat. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, dass kurz nach der Staatsgründung der DDR, die Staatsführung unter Ulbricht die Überlebenden des Holocaust aus Deutschland und Osteuropa, noch herzlich willkommen hieß. Doch kurz darauf - und vor allem während des Sechstagekriegs 1968 - änderte sich dies grundlegend. vom sozialistisch-antifaschistischen Staat bröckelte. Nun waren es nicht nur die „Nazis“ und „Faschisten“ hinterm Schutzwall, sondern die eigenen Juden, die auf Grund der gegenwärtigen israelischen Politik gegenüber den Palästinensern als faschistisch und kapitalistisch galten. Zu jener Zeit feierten auch typisch antisemitische und antizionistische Stereotype fröhliche Urstände. Leidtragende waren die Juden, die so ganz und gar nicht mehr in das ideologisierte und beschränkte Geschichtsbild der DDR passten.
Was den „Antifaschismus“ angeht, so verhinderte vor allem die nachdrückliche Weigerung der Partei-, und Staatsführung der DDR, eine Mitverantwortung für die Verbrechen der Nazizeit anzuerkennen, eine differenzierte und selbst kritische Beschäftigung der nachwachsenden Generationen mit den Verbrechen des NS-Regimes. Der verordnete Antifaschismus in der DDR und seine unseligen Folgen, die er bis heute hat, sind nicht Gegenstand dieses Vortrages und können nur benannt, nicht näher untersucht werden. Was den Antisemitismus angeht, hat es ihn in der DDR in offener Form nicht gegeben, weil es an Juden fehlte, gegen den er sich richten konnte. Es gab aber sehr wohl verdeckten Antisemitismus in Form einer militanten, als Antizionismus getarnten Israelfeindlichkeit der Partei-, und Staatsführung.

Werte versus Herkunft
Migrantenviertel, Kopftuchstreit, Zweiklassengesellschaft und der schiefe Blick auf der Fußgängerzone - all dies scheinen Phänomene zu sein, die unser europäisches Verhältnis zu Neuankömmlingen und unsere Sicht auf sie bestimmen. Zu diesem zwiespältigen und sensiblen Thema wartet die amerikanische Schriftstellerin Naomi Wolf in der Welt mit einen Vergleich auf, der das europäische und amerikanische Integrationsmodell einander gegenüberstellt und vor allem die Europäer in die Pflicht nimmt, die, statt mittels gemeinsamer Werte Integration zu fördern und zu betreiben,  auf die Herkunft legen und mit dem „Multikultimodell“ eine Zweiklassengesellschaft fördern, in der die angeblichen Ureuropäer besser gestellt werden als die Neuankömmlinge:
Tatsächlich werden im Amerika die Eigenschaften verehrt, die Menschen dazu bringen, Einwanderer zu werden – Entschlusskraft, Ehrgeiz, Risikobereitschaft. Einwanderer sieht man als Menschen an, die auf einer Reise der andauernden Neuerfindung sind, angetrieben vom Willen, über ihre Herkunftsländer hinaus zuwachsen. Dagegen waren Einwanderer in Westeuropa willkommen, um Hilfsarbeiten zu erledigen, was die Einheimischen dazu verführte, sie und ihre Kinder als Schicht von Bediensteten anzusehen, die unfähig seien, in die weitere Gesellschaft aufgenommen zu werden, geschweige denn diese eines Tages zu leiten. Zudem muss Europa anders als Amerika mit dem schlechten Gewissen leben, durch die bloße Anwesenheit der Einwanderer an seine Geschichte des Kolonialismus erinnert zu werden.

Naomi Wolf - Einwanderung – Einwanderung – Europa kann von den USA lernen