2009-01-29

Inside Hamas

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Noch niemals war sie so im Blickwinkel von Politik und Medien wie seit der Übernahme des Gazastreifens 2007 und den daraus resultierenden Verfolgungen von Palästinensern, den Schüssen auf EU-Grenzwächter und den Raketenbeschüssen auf Südisrael: Die Hamas. Von Israel wird sie als Terrororganisation verteufelt, von den Palästinensern teils als Wohltätigkeitsorganisation gelobt, die Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen für Notdürftige zur Verfügung stellt und für die Fatah ist sie ein weiterer palästinensischer Blutsfeind, der eigene Leute entführt und umbringen tut. In der Bevölkerung Europas und den USA scheint die Hamas allerdings als Widerstandsbewegung oder gleich als „die Palästinenser“ gleichgesetzt zu sein. Auf eine differenzierte Sicht der Organisation in ihrem Umfeld wird meist nicht eingegangen, allein um dem „palästinensisch-israelischen Konflikt“ ganz wortwörtlich aufrecht zuhalten.

Verwunderung tritt erst dann auf, wenn Berichte aus dem Gazastreifen auftauchen, die das idealisierte Bild des heldenhaften Hamaskämpfers in Teile zerbrechen lässt. Das Schicksal von Haidar Ghanem (46) aus der Stadt Rafah ist nur ein Beispiel von vielen, die von der westlichen Öffentlichkeit unbeachtet bleiben. Der für die israelische Friedensorganisation „Bezelem“ arbeitende Palästinenser betrieb ein Pressebüro im Gazastreifen, von dem aus er „Bezelem“ mit neusten Situationsberichten auf dem neusten Stand brachte, wie auch die Arbeit von „Bezelem“ ausführte.Im Jahr 2002 wurde er von der palästinensischen Autonomiebehörde zum Tode verurteilt, da er angeblich mit Israel kooperieren würde und für den israelischen Inlandsgeheimdienst „Shin Bet“ spioniert hätte und daraus resultierend auch Milizen der Fatah ums Leben gekommen seien.

Seit dem sitzt der Genannte nun schon im Gefängnis in Gaza. Die Ausführung des Urteils ist seit 2002 auch noch nicht verhängt worden. Allerdings meldete sich nun die Palästinensische Autonomiebehörde zu Wort und bezichtigt ausgerechnet die Hamas der Ermordung und Exekution von Fatah-Anhängern während des Gazakrieges der letzten Wochen. Scheinbar unbemerkt wurde auch Haidar Ghanem dabei exekutiert. Wie viel weitere Fatah-Anhänger im Gewirr des Krieges umgebracht wurden ist nicht weiter bekannt. Allerdings lassen sich Rückschlüsse auf die kriminellen Taktiken der Hamas ziehen, die ein kritisches und sehr differenziertes Licht auf die Organisation wirft, die eben nicht ausschließlich sozial arbeitet, sondern mit sehr umstrittenen Methoden das palästinensische Volk unterdrückt und tyrannisiert.

Eine einzigartige Innenperspektive gestattet auch der Dokumentarfilm „Inside Hamas“. Der Film von David Rosenberg für Channel 4 zeigt das Leben der Palästinenser kurz vor und nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen. Tägliche Knüppelschläge, Schießereien, Waffenlager in Moscheen oder Feierlichkeiten für Selbstmordattentäter scheinen das vorher säkulare Leben ersetzt zu haben. Darüber hinaus scheint jede Kritik an der Führung und ihren fundamentalistischen Ansichten unterdrückt zu sein. Nur hinter verschlossenen Türen scheint man gewillt zu sein Auszusprechen, was jeder Einwohner denkt: Selbstmordattentate und Raketenbeschuss auf Israel haben die Situation in Gaza nicht verändert und werden sie auch nicht verändern.


Inside Hamas auch auf Arte:
Freitag, 6. Februar 2009 um 09.55 Uhr
Wiederholungen:
Keine Wiederholungen
Inside Hamas
(Grossbritannien, 2008, 60mn)
ARTE
Regie: Rodrigo Vazquez
Produzent: Mark Chamberlain