2009-01-10

Bildung 2.0 – Wie der Student von Morgen arbeitet und studiert

press and students at 1st fudan university homosexual studies course
Creative Commons License photo credit: kafka4prez

Viel wurde in der letzten Zeit über Bildung und Bildungsreforn gesprochen. Der Pisatest zeigte dabei, dass auch Deutschland in einer Bildungsmisere steckt. Experten wie Don Tapscott, Autor der Bestseller Wikinomics und Growing Up Digital, rufen deshalb offen für eine Reform des globalen Bildungswesens auf: „Memorization is a waste of time when Google is only a a few clicks away.“ Tapscott, von vielen als der Kommentator des heutigen Internetzeitalters angesehen, sieht das Ende des Lernens durch EInprägen von Informationen. Viel wichtiger sei es den Schülern und Studenten bei zu bringen kreativ zu denken und das Wissen, was uns zur Verfügung steht, besser zu nutzen.


Auswendig lernen ist Zeitverschwendung

In Zeiten von Google, Wikipedia und weiteren Onlinebibliotheken ist Auswendiglernen nicht unbedingt mehr nötig. Der Times sagte Tapscott: "Teachers are no longer the fountain of knowledge; the internet is. (…) Kids should learn about history to understand the world and why things are the way they are. But they don't need to know all the dates. It is enough that they know about the Battle of Hastings, without having to memorize that it was in 1066. They can look that up and position it in history with a click on Google." So Tapscott weiter.

Lernmethoden sind wie auch immer für Tapscott keine Sache der Unbildung. Bei Kindern stellte er in Untersuchungen fest, dass diese ihr Wissen mehrere male immer wieder neu aufbauen. Einprägen von Fakten und Zahlen wäre für diese eine reine Zeitverschwendung. Für die ältere Generation ist Tapscotts These sicher schockierend. Für sie ist das Wissen von Fakten und Jahreszahlen immer noch wichtigster Bestandteil ihres Lebens. Natürlich sollte man das exakte Jahr eines wichtigen Ereignisses wissen. Oder reicht es doch nur aus ein Grundwissen zu haben, um ein besseres Verständnis über einen Sachverhalt zu bekommen und dessen Bedeutung?

Unser vernetztes Gehirn

Für die heutige Studentengeneration ist multitasking Vorraussetzung für ein gutes Studium und ein erfolgreiches Berufsleben. Sie leben ihre digitale Erfahrung aus, sie schreiben im Internet, surfen, hören Musik und aktualisieren ihr Facebook-Profil. Diese Informationsflut und ihre Auswirkung auf unser Gehirn ist heute ein vieldiskutiertes Thema unter Bildungswissenschaftlern. Werden wir verwirrt oder hat sich unser Gehirn an die einströmenden Reize angepasst?
Ein neues Buch, "iBrain: Surviving the Technological Alteration of the Modern Mind", stellt die These auf, dass unser Ausgesetztsein vor dem Internet Auswirkungen auf unser Gehirn hat und auf dessen neuronale Wege.

Wiring up our brains like this makes us adept at filtering information, making snap decisions, and fielding the incoming digital debris, but sustained concentration, reading body language, and making offline friends are skills that are fading away.

Wenn sich unser Gehirn in der Tat immer wieder neu vernetzt, wäre es nicht sinnvoll, dass die Art, wie wir lehren und lernen sollten auch in der Weise verändert wird, dass es uns erlaubt ist, unser Wissen immer wieder neu anzueignen, anstatt es auswendig zu lernen? Leider gibt es nicht allzu viele Menschen, die glauben, dass dies der richtige Weg ist. Die meisten Pädagogen, wie Richard Cairns, Schulleiter des Brighton College, einer der britischen Eliteschulen, der Meinung, dass Grundkenntnisse unerlässlich seien.
"Es ist wichtig, dass Kinder Fakten lernen. Wenn Sie sich kein Wissen in den Köpfen einprägen, ist es nicht so leicht, in Diskussionen mitzureden oder fundierte Entscheidungen zu treffen", sagt er.


Universität 2.0

In „Travels in the Heart of the Forest”stellt Kurt Spellmeyer die These auf, dass das Web 2.0 eine neue Herausforderung auch für die Geisteswissenschaften wären:
If knowledge is 'produced,' as we academics like to think, and if it therefore lends itself to production by different people for different ends, then we might ask why the university has failed to produce forms of knowledge affirming the non-specialists' capacity to act. (233)

Akademiker würden dieser Grundhaltung allerdings nicht nachgehen. Oft reservieren sie sich das letzte Wort in Fachdiskussionen, um Laien, die die Mehrheit der Gesellschaft bilden, stumm zu schalten. Sie würden sich nicht nur das Wissensmonopol an sich reissnen, sondern würden sich selbst als Klasse von Experten vom Rest der Gesellschaft ausschließen. Das Web 2.0 als öffentliche Gesellschaftsplattform würde für sie eine Gefahr darstellen.

Spellmann möchte dies allerdings nicht hinnehmen und kritisiert dieses Monopoldenken der Lehrer und Akademiker. Anstatt der Öffentlichkeit Wissen und Wissenswerkzeuge vorzuenthalten und sich als eigene Bildungsklasse anbzugrenzen, sollten Lehrer und Akademiker ihren Schülern, Studenten und der Gesellschaft lieber die Werkzeuge und das Rüstzeug geben, damit auch sie die gleichen Möglichkeiten der Wissensbeschaffung haben, wie sie selbst. Das Web 2.0 könne in dieser Problemfrage helfen, in dem es als öffentliche Wissensplattform für jeden zugänglich ist und genutzt wird, sowie als Ressource für Bildung und Weiterbildung genutzt wird.

Weiterführende Links:

• Weblogs in Higher Education < http://mchron.net/site/edublog.php?id=P3235 >
• New Book Examines Your Brain on Technology < http://www.psfk.com/2008/10/new-book-examines-your-brain-on-technology.html >
• Linda Stone's Thoughts on Attention and Specifically, Continuous Partial Attention < http://continuouspartialattention.jot.com/WikiHome# >
• iBrain: Surviving the Technological Alteration of the Modern Mind < http://www.harpercollins.com/books/9780061340338/iBrain/index.aspx >
• Google generation has no need for rote learning <http://www.timesonline.co.uk/tol/life_and_style/education/article5270092.ece >