2008-08-10

“Visit Palestine”: Kurzgeschichte eines Gebietsnamens



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Visit Palestine

Palästina ist im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt tagtäglich in aller Munde. Allerdings war der Name selbst für viele hundert Jahre nicht mehr für das heutige Gebiet um Israel, Westbank und Gaza benutzt worden. Darüber hinaus beschreibt Palästina ein Gebiet, welches sich in der Geschchte an Größe und Grenzen immer wieder verändert hat. Es ist ein schwammiger Begriff, der bis heute von Fundamentalisten, auf christlicher, jüdischer und muslimischer Seite, immer wieder missbraucht wird.

Die erste Erwähnung des Begriffes “Palästina” geht auf die Zeit der römischen Besatzung des Reiches Juda mit seiner Hauptstadt Jerusalem zurück. Im Jahr 61 v. Chr. nahmen diese Juda und Jerusalem ein und teilten das Gebiet in die Bereiche Judea, Galilea, Perea und einem kleinen transjordanischen Teil ein. Judea war dabei das große zentrale Gebiet um Jerusalem. Nach christlicher Überlieferung wurde Jesus in dieser frührömischen Zeit in Bethlehem, Judea, geboren.

Um 70 n.Chr. und 132 n.Chr. schlugen die Römer jüdische Aufstände, die sich gegen das brutale antijüdische Regime richteten, nieder. 135 n.Chr. warfen die Römer als Reaktion auf den erfolglosen Bar Kochba Aufstand alle Juden aus Jerusalem heraus und verbaten den jüdischen Kultus. Aus Trotz nannten die Römer das ganze Gebiet nun Palästina, dessen Begriff zum einen auf die Philister zurückgreift, den Todfeinden des biblischen Volkes Israel, und auf Herodot, der das südliche Syrien “Philistine Syriae” oder “Palaistine Syria” nannte.

Muslimisch arabische Herrschaft/Kalifate

Während des 7.Jhd.n.Chr. marschierten muslimisch arabische Truppen nördlich von Arabien in den Nahen Osten ein und eroberten nun auch das vormals römisch beherrschte Gebiet Palästina. Jerusalem wurde ungefähr 636 n.Chr. durch Kalif Omar erobert, der seinen Schutz den Einwohnern der Stadt garantierte. Bis ins 19. Jhd. herrschten Muslime über diese Region und erlaubten es Juden und Christen ihre Religion beizubehalten. Trotz dessen gab es vermehrt Übertritte zum Islam.

1071 eroberten die türkischen Seldschuken das Gebiet. Allerdings hielt ihre Herrschaft nur 30 Jahre an. Sie wurden schnell durch die ägyptischen Fatimiden ersetzt, die mit Hilfe der christlichen Kreuzfahrer um 1098 Jerusalem, Jaffa und weitere Gebiete erobern konnten. Allerdings brachen die Kreuzritter ihre Allianz mit den Seldschuken, nahmen das Gebiet um 1099 in ihre Hand und metzelten Juden und Muslime nieder, die sich ihnen widersetzten. Darüber hinaus verbaten sie Juden in Jerusalem zu leben und die Stadt zu betreten.

1187 eroberte Saladin Jerusalem und schloss als Ausgleich mit den Kreuzrittern Verträge, die ihnen ein kleines Gebiet an der Küste zusprach. Allerdings wurden diese Verträge von den Europäern immer wieder gebrochen, um Jerusalem erfolglos neu zu erobern. 1291 schlugen die Muslime zurück, eroberten Akko und zerstörten die restlichen Siedlungen und Farmen am Küstenabschnitt. Dies sollte für weitere Jahrhunderte zu großer Armut in diesem Küstenabschnitt führen.

Mitte des 12. Jhd. eroberten die Mameluken, ursprüngliche Soldatensklaven der Araber in Ägypten, das Gebiet und errichteten ein Großreich, welches zeitweise auch das Gebiet Palästina einschloss. Nun waren es vor allem arabisch sprechende Muslime, die das frühere Palästina bewohnten. Seit dem 13. Jhd. kamen allerdings vermehrt verfolgte Juden aus Andalusien und anderen Mittelmeerstaaten in das Gebiet und siedelten in Jerusalem und anderen Teilen des Landes. Das ottomanische Reich sollte 1517 die Mamelukken besiegen. Das Gebiet wurde so nun Teil des ottomanischen Reiches. Der osmanische Sultan lud nun flüchtende Juden ein, die der spanischen Inquisition entkommen sind, sich im “türkischen” Reich anzusiedeln, welches auch einige Städte in “Palästina” inbegriff.

1798 fiel Napoleon in das Land ein. Der Krieg mit ihm und die schlechte Verwaltung der ägyptischen und ottomanischen Herrscher führte dazu, dass die Bevölkerung Palästinas rapide absank. Revolten “palästinensischer” Araber gegen Ägypter und Ottomanen könnten zu einer ersten Stärkung eines “palästinensischen” Nationalgefühls geführt haben. Die Öffnung des ottomanischen Reiches für Ausländer führte im Laufe der Zeit zu einer Rückkehr von Sicherheit und Ordnung im Reich. So wurden auch die ersten proto-zionistischen und zionistischen Ansiedlungen von den Ottomanen erlaubt. 1880 lebten ca. 24000 Juden in “Palästina”, deren Gesammtbevölkerung damals bei ca. 400000 lag. Doch gab es auch immer wieder Beschränkungen von gegen jüdische Siedlungen und Landkäufe von oben. Darüber hinaus wurden Muslime aus anderen Teilen des Reiches, wie Tscherkessen und Bosnier, dazu eingeladen sich in “Palästina” niederzulassen.

1917 eroberten die Briten das Land, welches nun nach hunderten von Jahren wieder Palästina genannt wurde und in dem den Juden ein Mandat zur Errichtung einer jüdischen Heimstätte zugebilligt wurde. 1947 übergaben die Briten ihr Mandat den Vereinten Nationen, die das Land Palästina nun durch die Wahl vor der UN-Vollversammlung vom 29. November 1947 in einen jüdischen und arabischen Staat teilte.

Die Reaktion der Araber auf die Gründung Israels war Krieg, der am 15. Mai 1948 ausbrach und im Endeffekt den Staat Isral zerstören sollte. Die Israelis gewannen den Krieg. Über 650000 bis 725000 palästinensische Araber flüchteten oder wurden vertrieben und Israel expandierte sein Gebiet um 20 Prozent. Eine kleine Anzahl von Juden im Rest des Gebietes wurde im gleichen Zeitraum umgebracht oder flüchteten nach Israel. Nur ca. 140000 Araber blieben in dem Gebiet, welches nun zum Gebiet Israel gehörte. Das restliche Gebiet, welches einen arabischen Staat bilden sollte wurde durch Ägypten und Jordanien besetzt. Gaza wurde ägyptisch und Jordanien, welches das restliche Gebiet nun “Westbank” umbenannte, gliederte dieses nun in das Königreich Jordanien ein. Jordanien besetzte zudem illegal Ostjerusalem, welches eigentlich zur internationalen Zone Jerusalem laut UN-Plan gehören sollte.

Im 1967er Sechstagekrieg eroberte Israel die Westbank und später Ostjerusalem, eine Annexion, die gleich der jordanischen und ägyptischen von keinen anderen Staaten anerkannt wurde. Die Palästinenser unter Arafat strebten seit dem Zeitpunkt für einen eigenen Palästinenserstaat.

Den vollständigen Beitrag zur Regionalgeschichte Palästinas können Sie auf der Webseite der “Encyclopedia of the Middle East” nachlesen.