2008-07-05

Video dokumentiert Befreiung Ingrid Betancourts

Kolumbien zeigte am vergangenen Freitag das Video der Befreiung von 15 Geiseln aus den Händen der Guerilla-Gruppe FARC, die letzte Woche mit Umarmungen und Lachen erfolgreich durch das kolumbianische Militär beendet wurde. Das 3 ½-minütige Video, welches am Freitag in einer kolumbianischen Militärbasis gezeigt wurde, wurde von kolumbianischen Soldaten gedreht, die nach der Befreiungsaktion am Mittwoch vor die Medien traten.

Das Video selbst beginnt mit der Führung der Geiseln über ein Feld. Sie verneigen ihre Köpfe, während sie Kunststoff-Handschellen angelegt bekommen. Einer der kolumbianischen Geiseln wagt es vor die Kamera zu treten. “Ich bin seit 10 Jahren in Gefangenschaft”, sagte er. “Ich bin Lt. Malagon von der kolumbianischen Armee. Ich bin in Gefangenschaft.” Die Kamera bewegt sich schnell weiter und zeigt nun einen Amerikaner, der seine Handschellen in die Kamera hält.

Danach schwenkt das Bild weiter auf Betancourt.

Sie erscheint entrüstet darüber zu sein, gezwungen zu werden Handschellen zu tragen. “Mein Herz war gebrochen, da ich nicht schon wieder durch einen weiteren Transfer in Gefangenschaft bleiben wollte.”, sagte Betancourt kurz nach ihrer Rettung. Das Band zeigt dann, wie die Geiseln in die Hubschrauber durch zwei bewaffnete FARC Geiselnehmer, alias “Gafas” und “Cesar”, gebracht wurden”, führt Verteidigungsminister Juan Manuel Santos die Präsentation fort.

Die FARC-Mitglieder - die meisten von ihnen waren Frauen - glauben, dass der Gefangenentransfer direkt von FARC-Führer Alfonso Cano befohlen wurde und dass die neun Menschen im Hubschrauber Teil einer internationalen Mission zur Beförderung der Geiseln in ein anderes FARC-Camp waren, sagte Santos. Tatsächlich waren diese aber verdeckte Mitglieder der Befreihungsaktion: ein Arzt, zwei Krankenschwestern und Mitglieder der geheimen Spezialeinheit des kolumbianischen Militärs. Einer von ihnen war ein Mann, der angab Teil einer italienischen Mission zu sein. “Er war so ein guter Schauspieler, dass er ‘Gafas’ überzeugen konnte ihm seinen Revolver zu übergeben”, sagte Santos.

Zu den Darstellern gehörte auch ein angeblicher Australier, eine Art “Crocodile Dundee”, der sogar wie dieser sprach. “Und zudem bestand die Crew noch aus angeblichen Arabern, die aus Kuba stammen - beide mit einem Che Guevara T-Shirt. Der Doktor und die Krankenschwester waren auch im realen Leben in einem Krankenhaus angestellt.” Die Ausbildung der Besatzung schloss wochenlange Schauspielkurse an der Schauspielschule mit ein, so General Mario Montoya, Kommandeur der Armee.

Sie mussten sich dann monatelang in die FARC-Milizen einschleusen, die seit mehr als 40 Jahren einen Krieg gegen den kolumbianischen Staat ausführen, so Gen Freddy Padilla de Leon. Als Teil des Tricks wurde dem FARC-Mitglied “Cesar” eingeredet, dass er Nachrichten über die Übergabe geheim halten sollte, da es viele Saboteure in den Reihen der FARC gäbe, die diese Aktion sabotieren könnten. Natürlich war das aber nur ein Vorwand, um die Kommunikation zwischen ihm und anderen FARC-Mitgliedern zu unterbinden, so Santos.

“Das Videoband enthält nicht den Zeitpunkt, in dem die zwei reallen FARC-Mitglieder an Bord des Hubschraubers in Gewahrsam genommen wurden, da der Kameramann selbst an dieser Aktion beteiligt war,” so Montoya weiter. “Sie haben einfach die Kamera losgelassen, um ihre Arbeit zu erledigen. Erst daraufhin wurden die 15 Geiseln darüber informiert, dass sie jetzt in der Obhut der nationalen Armee sind.

“Der Helicopter begann abzuheben und plötzlich realisierte ich, dass tatsächlich etwas passiert sei”, so Betancourt am Mittwoch. “Suddenly I saw the commander who, during four years, had been at the head of our team, who so many times was so cruel and humiliated me, and I saw him on the floor naked with bound eyes.” “Plötzlich sah ich den Kommandant wieder, der während meiner vier Jahre Geiselhaft an der Spitze unserer FARC-Einheit stand und viele male so grausam zu mir war und mich gedemütigt hatte. Ich sah ihn nun auf dem Boden nackt mit verbundenen Augen liegen.” Erst von diesem Zeitpunkt an realisierte sie die Realität ihrer Befreiung.

Auf dem Video bricht Betancourt nun in einen ekstatischen Schrei aus: “Oh, mein Gott!” Viele Dank, Gott! Vielen Dank, Gott, ich danke dir so sehr! Gott, ich danke dir so sehr! Wir haben nie gedacht, dass dies noch passieren würde!” Während der 1 ½ Stunden zwischen ihre Freilassung und ihrer Ankunft zur Begrüßung, hat Betancourt ihre Frisur dreimal verändert, sagte Montoya.

Die Rolle der USA bei der Geiselbefreihung

Die Vereinigten Staaten haben den Kolumbianern ein paar Geräte zur Verfügung gestellt, die im Notfall ein “SOS” an sie gesendet hätten. Darüber hinaus, so Santos, war ein US-Flugzeug in der Gegend, welches mit geheimdienstlichen Informationen im Notfall weitergeholfen hätte. “Aber sie haben am Schluss in keinster Form an der Mission teilgenommen.”

Die Rettung war unblutig ausgegangen. Sie war ein Trick der alten Schule, statt ein Hightech-Spionagespiel

“Die Mission war ähnlich angelegt wie zwei Missionen, die in diesem Frühjahr durch den venezulanischen Präsidenten Hugo Chavez geführt wurden, deren Ergebnis die Freilassung von Geiseln war”, sagte Montoya. “Auch in diesen Missionen war immer ein Kameramann involviert”, sagte er.

Als die Zeit reif war, benutzten die Ermittler ihre Autorität, die sie in der Zeit innerhalb der Gruppe gewonnen hatten, um die 15 Gefangenen von den drei verschiedenen Orten zu einen zentralen Ort zusammenzuführen, um das Spiel zu starten. “Wir überzeugten die FARC, dass sie sich mit Verbündeten unterhielten”, sagte General Mario Montoya von der kolumbianischen Armee. “Es war allein menschliche Intelligenz.” Als die Geiseln dann vereint waren, ordneten die Agenten einen 90-Meilen-Marsch durch den Dschungel an”, so Montoya weiter.

Solche Verlagerungen wären nicht ungewöhnlich, da die Geiseln oder die Rebellen so in ständiger Bewegung wären, um nicht von den kolumbianischen Militärs entdeckt zu werden.