2008-07-28

SWEET MUD - Im Himmel gefangen

In den 70er Jahren galt der Kibbuz in Israel immer noch als idealistisches sozialistisches Vorzeigeprojekt. In der Gemeinschaftssiedlung sollte sich jeder in jeder erdenklichen Lage helfen, man teilte sein Hab und Gut mit den Kibbuzmitgliedern, arbeitete auf dem Feld und bildete sich in den angebotenen Workshops weiter. Doch das idyllische Gemeinschaftsleben hatte auch seine Schattenseiten, so wie es der israelische Regisseur Dror Shaul in seinem neusten Film Sweet Mud - im Himmel gefangen zeigt.

“Freiheit liegt direkt hinter einem Stacheldrahtzaun, sexuelle Freiheit entpuppt sich als Machtmissbrauch und moralische Erziehung als Gewalt.”

Das muss auch der zwölfjährige Dvir (Tomer Steinhof) erfahren, die Haupt- und Identifikationsfigur des Films. Ein Jahr vor seiner Bar Mizvah, dem jüdischen Aufnahmeritus in die jüdische Gemeinde, wird er mit den Problemen im Kibbuz, in der religiösen Gemeinschaft und in seiner eigenen Familie konfrontiert. Vor allem seine Mutter Miri (Ronit Yudkevitch) braucht nun all seine Aufmerksamkeit. Seit dem Verlust ihres Mannes plagen sie unübersehbare psychische Probleme. Woran, wie und warum Dvirs Vater starb ist bis dahin unbekannt.

Währenddessen versucht Dvir seine Mutter mit ihrer Jugendliebe Stephan (Henri Garcin) wieder zu verkuppeln. Doch der Judo-Weltmeister von damals ist nun ein alter grauer Mann geworden. Und nicht nur das soll Dvirs Versuch im Weg stehen. Stephan ist in der Kibbuzgemeinschaft unerwünscht und muss alsbald die Siedlung wieder verlassen. Miri steht nun vor der Wahl mit ihm zu gehen oder allein im Kibbuz zurückzubleiben, an dem Ort, den sie so sehr liebt.

Sweet Mud ist ein berührender und zugleich zu tiefst tragischer Film. Während am Anfang noch die Illusion des Kibbuz mit den realen Verfehlungen in der Genossenschaft zerschlagen wird, konzentriert sich der zweite Teil vor allem auf die psychische Krankheit Miris. Man könnte sich fragen, wer denn zuerst eine Therapie bräuchte: der Kibbuz und deren Anwohner oder die zerbrochene Mutter Dvirs. Die Antwort wird mit dem Heranreifen des Jungen im Laufe des Filmes immer deutlicher und am Ende aufgedeckt. Doch bis zum Filmstart am 7. August müssen wir uns noch gedulden. Die Vorfreude auf den Film selbst wird dies allerdings nicht schmälern.