2008-07-28

Politically Incorrect: beleidigt und desorientiert

Dass der Spiegel nicht gerade Gutes über den größten Blog Deutschlands zu berichten hat ist spätestens seit dem sehr aufschlussreichen Bericht über die Onlinedemagogen von Politically Incorrect erwiesen. Nun setzte die letzte Auflage des Magazins noch einen drauf und stellte deren angekratzten Webauftritt mit in die Reihen derer, die der Spiegel als so genannte “Betablogs” definiert. So berichtet der Spiegel:
“Wirklich schlimm ist Politically Incorrect, eine Plattform Islamophober, deren Empörung sich nur zu gern mit Ressentiments und Hass mischt. Die Autoren der Texte sind anonym, nach kritischen Berichten in der Presse ist die Seite mittlerweile ins Ausland umgezogen, wo die Betreiber nicht mehr so leicht zu erreichen sind. Solcher Schlamm vermiest der Blogger-Szene den Ruf gründlich.”

Doch bekanntermaßen lässt der Gegenschlag von “PI” nicht lange warten. Und so bezeichnet der Betablog in einem Beitrag von letzter Woche, der während Barack Obamas Stippvisite in Deutschland erschien, die Spiegelmitarbeiter als Betajournalisten:
“In den Redaktionsstuben des Qualitätsmediums Spiegel hat man den Boden der Realität und der Demokratie jetzt endgültig verlassen. Folgerichtig entscheiden nicht die Stimmen der amerikanischen Bürger, wer nächster Präsident ihres Landes wird, sondern die Sympathie der Europäer für den Mann mit dem aufgesetzten Hollywood-Grinsen.”

Politically Incorrect scheint aber auch vor Internetriesen wie Google nicht halt zu machen.

Google, die auch die Nachrichtenplattform “Google News” betreiben hatten Politically Incorrect für längere Zeit in ihrem index gehalten, machten allerdings im Herbst 2007 auf Grund der Negativberichte über den Blog eine Kehrtwende und löschten Deutschlands größten Blog wieder aus dem Index. Enttäuscht von dieser Aktion schmollen sie seitdem über den Verlust ihres prominenten Platzes auf “Google News”.

Mit fragwürdigen Mitteln ging PI nun letzte Woche auch gegen Google ins Gefecht. In dem Artikel “Tel Aviv schon ausgelöscht” beschuldigt der “proisraelische” Blog zumindest visuell dem Vernichtungswahn des Irans in die Hände zu spielen und Israel von der Landkarte zu radieren. Gemeint ist nichts anderes als Googles Kartendienst “Google Maps”:
“Auf der deutschen Seite von Google-Maps ist Israel so ein Niemandsland. Fast könnte man meinen, die nuklearen Vernichtungsideen der iranischen Irren seien schon Wirklichkeit geworden. Tel Aviv, Jerusalem, Haifa - existieren nicht mehr. (…) Das Innere Israels: Ausgelöscht wie nach einem iranischen Atomschlag.”

Die Horrorgeschichten von PI scheinen allerdings bei näherem Hinschauen Grund zum Schmunzeln zu bieten: Beim Besuch auf Google Maps Deutschland und der Suche nach Tel Aviv gibt Google entgegen der Meinung von PI nach ein paar Sekunden Wartezeit die Lage Tel Avivs sammt Bildmaterial aus Googles Webalben aus. Auf eine Nichtexistenz der israelischen Mittelmeermetropole scheint also nicht hinzudeuten.

In einer Sache hat PI allerdings Recht: Die Karte Israels scheint tatsächlich im Vergleich zu seinen Nachbarn recht leer auszusehen. Eine Google-Suche kann aber auch hierüber Aufschluss geben: Die Blogger Robert J. Avrech und Charles Levinson beleuchten in ihren Blogeinträgen Google Maps go Dark on Israel und Google Earth zooms in on Israel military sites die Gründe für dieses merkwürdige Verhalten von Google.
Well, we are glad to report that when the jihadists reference Israel, em excuse me, the Zionist entity, on their computers, they will come up blank.

We assume the ACLU will sue Google for, er, not providing Muslims with freedom of information to kill Jews.

Charles Levinson geht in seinem Zitat aus der israelsichen Zeitungsseite Ynet noch mehr ins Detail:
Sensitive installations, Air Force bases with their planes and helicopters, missile bases and even the nuclear reactor in Dimona have never been photographed better. A recent Google Earth update shows satellite pictures that make it possible to see clear, sharp pictures of military and civilian targets all across Israel.

Up until recently, the satellite pictures of Israel on Google Earth had a particularly low resolution: every pixel was equal to 10-20 meters. Now, the satellite maps of Israel show great parts of the country with a resolution close to two meters per pixel.

Als besonders prekäres Beispiel nennt Levinson die Satelitenfotos der israelischen Luftwaffenbasis “Uvda”. Jeder Spion und Terrorist könne kinderleicht die Koordinaten der streng geheimen Lage der Basis über Googles Kartenaterial ausfindig machen, um so im schlimmsten Fall Militär- und Terroranschläge über das Internet zu planen.
RedKing: Found this airfield in southern Israel while looking for the Shizafon armor training center. Thought at first it was Ovda AB, but that’s clearly visible about 23 miles to the south. Looks like they’re packing a few squadrons of A-4s. Any ideas?

Spitfire_mkv: Ouvda (Uvda) Airbase (Canaf 10). New airbase built for the IDF/AF by the USA, opened 1981. Replacement for Etzion AB. Located north west of Eilat, in the southern Negev region, near the Jordanian border. ICAO code: LLOV. Location coordinates: N29 56.2 E034 56.5, elevation: 1492 ft (455 m). Consists of two parallel runways (both 020/200 degrees) of lengths 8530 ft (2600 m) and 9843 ft (3000 m) respectively. Civil operations ceased when Akaba International in Jordan began to serve Elat. The civil apron was at the far end of the shorter runway, while the miltary area was alongside the longer runway. Currently home to 137, 143, 145 and 202 squadrons.

Während PI seine proisraelische “Pseudoschlacht” gegen Google weiter schlägt, hat sich Google nach Berichten Robert J. Avrechs zusammen mit der israelischen Armee zusammen gesetzt, um das bekannte Sicherheitsproblem zu lösen. Scheinbar einigten sich beide Seiten darauf, dass es kein Kartenmaterial für Israel mehr geben wird, zumindest nicht über “Google Maps”. Die Städte sind allerdings trotzdem noch über die Suche auffindbar. Ob auch die PI-Leser über diesen Fakt aufgeklärt sind?