2008-06-04

Weniger ist oftmals mehr...

Our Children's Future is our Nation's Future

Über frühkindliche Bildung kann man sich bekanntlich streiten: Das Bild der staatlichen Kitas sei geprägt von mangelhafter Ausbildung des Personals, dem miserablen Betreuungsschlüssel und den damit verbundenen Defiziten in der frühkindlichen Förderung, so heißt es nur allzu oft in der Öffentlichkeit.

Über die Frage allerdings “Wie viel (Über-)Bildung braucht unser Land?”, konnte sich jeder Zuschauer der Talkshow-Premiere von Markus Lanz im ZDF am gestrigen Abend selbst ein Bild machen: Zu Gast waren neben Verona Pooth und Hinterbliebene des ICE-Unglücks von Eschede auch das Gründerpaar des privaten Kita-Projektes “Little Giants” (kleine Genies), die weniger mit sachlicher Unterhaltung, als mit aggressivem Verhalten scheinbar auf sich aufmerksam machen wollten.

Bei dem als “Elitekindergarten” vorgestellten Projekt wird so einiges für knapp 500 bis 700 Euro im Monat (Preis: Kindergarten Stuttgart excl. Jahresgebühr 120 Euro) geboten: Neben Ausflügen, Musik- und Kunst-AGs, wird hier vor allem auf bilinguale Erziehung Wert gelegt. Darüber hinaus gibt es aber auch Lehreinheiten, die das mathematische Denken fördern sollen, aber auch schulisch den Kindern Wissen über Naturwissenschaft und Sachkunde vermitteln sollen. Lanz zu Folge würde dies unter anderem auch das Zerlegen von Organen bedeuten, um “auf Wunsch der Kinder den eigenen Körper besser kennen zu lernen” (Aussage der Gründerin).

Zu viel Ehrgeiz der Eltern?

Mit kritischen Blicken verfolgte derweil Talkshow-Psychologe Michael Thiel das Gespräch und gab anschließend zu Bedenken, dass es nicht doch zu viel Ergeiz sei, den die Eltern dem Kind abverlangen? Lanz legte derweil noch eins drauf und kritisierte das Elitedenken der Kita-Betreiber. Er bevorzuge es lieber, dass Kinder im Freien spielen würden und eben nicht jeder Abitur machen müsse - schließlich war “Harrison Ford [auch mal] Zimmermann.”

Thiels ernüchterndes Resümee des Abends schloss das Gespräch mit den Kita-Begründern ab: “Weniger ist oft mehr”. Dem schließe ich mich an.