2008-06-03

Was ist “politically incorrect”? (II)

Viel Resonanz bekam ich aufmeinen Artikel über die “politische Inkorrektheit” von Deutschlands Nummer-Eins-Blog“politically incorrect”, der auf Grund seiner einseitigen Darstellung des Islams bekannt wurde und nun durch seine Kooperation mit einem ehemaligen Terroristen aus dem als “illegal” geächteten “Kach”-Lager Rabbi Meir Kahanes für Schlagzeilen sorgt. Für meine kritische Haltung bekam ich zum einen Zuspruch, aber auch Gegenstimmen. Diese versuchten mir vor allem die Gefahr, die von den Muslimen ausgehe, klar zu machen und sparten hierbei auch nicht mit Verbalattacken. Ein aus dem englischsprachigen Raum stammender Unterstützer der “Jewish Task Force” nutzte sogleich die Gelegenheit, um die Ideologie eines Großisraels, seine Wut auf die “linke” Israelische Regierung und die Verteufelung der Muslime zu rechtfertigen.

Meine Kritik am Blog “politically incorrect” bestand vor allem in dessen einseitiger Dämonisierung des Islams und in der neuen Werbekooperation der Herre-Jünger mit den terroristischen Hintermännern, der in Europa, Israel und den USA verbotenen Bewegung Rabbi Meir Kahanes. Diese hier zu Lande fast unbekannte Bewegung und ihre Nachfolger streben ein hartes Vorgehen (hier ist auch Terror inbegriffen) gegen alles Muslimische an und betreibt eine Politik, die gegen den Friedensprozess der Israelis mit den Palästinensern ist. So werden sogar konservative Hardliner in Israels Politik wie Bibi Netanjahu oder Ariel Sharon als “Linke” abgestempelt, die mit ihrer Politik das Ende Israels einleiten würden. Polizeiuntersuchungenschließen eine Verbindung der Organisation mit Jigal Amir, dem Mörder des 1995 erschossenen israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Rabin, nicht aus.

Ideologisch gesehen kann man sich über die Darstellung auf “politically incorrect” streiten. Zum einen setzt sie sich für ein positives Bild Israels und der USA ein und wollen mit teils extremen Beispielen aus der arabischen Welt die Gefahr des islamistischen Terrorismus und Extremismus für die westliche Welt wach halten, zum anderen aber steht dieser Blog gegen alle Vernunft für ein eindimensionales Bild des Islams ein, der verantwortlich sei für Ehrenmorde, Enthauptungen, Auspeitschungen, Diffamierung der Frau und den Terrorismus selbst. Diese Beschuldigungen suggerieren eine Kollektivschuld einer Religion und islamischer Glaubensanhänger für die Verbrechen einer islamistischen Minderheit. Die politische Dimension des von dem Politologen Bassam Tibi geprägten Begriffs “Islamismus” wird hier absichtlich außer Acht gelassen.

PIs Werbepartner entlarvt







Inwieweit die PI mit Zynismus arbeitet und popularisieren will zeigt auch die jüngste sehr umstrittene Werbeaktion des Blogs. Am linken oberen Rand wird ein Banner gezeigt, welches auf Hebräisch den Betrachter vorgaukelt, dass eben auch die Palästinenser in einer Reihe mit Extremisten und dem Hitlerfreund Haj Amin el Husseini stehen und nun eine neue “Shoah” über die Juden bringen wollen. Zwar ist die offene Sympathie für den Nationalsozialismus in der arabischen Welt nicht umstritten, allerdings verfolgt dieses Werbebanner wieder einmal mit kollektiven Schuldzuweisungen eine eigene Politik, nämlich der der verbotenen Bewegung Rabbi Meir Kahanes, hier in Persona vertreten durch die “Jewish Task Force” und deren Anführer Victor Vancier.

Victor Vancier [alias Chaim Ben Pessach], PIs neueste Errungenschaft, stellt sich selbst gern als “Erretter zahlreicher Juden aus sowjetischer Gefangenschaft” dar und als Mitstreiter im “Kampf gegen die Islamisierung des Westens”. Geboren wurde er am 25. Dezember 1956. Mit gerade einmal 14 Jahren trat er laut Wikipedia und laut eigenen Anhängern der unter Rabbi Meir Kahane gegründeten und in den USA ansässigen “Jewish Defence League” bei (mehr darüber inmeinem letzten Artikel). Im September 1978 wurde Ben Pessach deren nationaler Leiter. Noch im gleichen Jahr musste er dieses Amt aber abtreten, da er für die Bombardierung ägyptischer Institutionen, die er als Maßnahme zum Stopp des israelischen Rückzugs aus dem Sinai als legitim ansah, ins Gefängnis kam.

Nach seiner Freilassung im Jahr 1983 sollte die Terrorkarriere des “Rehabilitierten” Ben Pessach noch nicht zu Ende sein. 1984, mit seiner Wiederernennung als Leiter der kahanistischen JDL, widmete er sich nun ganz dem Ziel russische Juden aus der Sowjetunion zu “befreien”. Diese Aktionen liefen nicht nur gewaltlos ab: Ben Pessach verübte zahlreiche Bombenanschläge gegen sowjetische Einrichtungen in New York und stürmte eine sowjetische Balletaufführung im Lincoln Center mit Tränengas. 1987 wurde er für insgesamt sechs nachgewiesene Bombenanschlägezu zehn Jahren Haft verurteilt, von denen er nur fünfeinhalb Jahre absaß.

Nach seiner Entlassung gründete Chaim Ben Pessach die Jewish Task Force, den heutigen Werbepartner der “politically incorrect”. Mit Spendensammlungen für rechtsextreme Gruppierungen in Israel und mit Auftritten in den Medien versucht die Organisation heute ihre schmutzige Vergangenheit sauber zu waschen. Die Ideologie der Bewegung blieb allerdings unverändert. Für seine offene Unterstützung für Rabbi Meir Kahane wurde Ben Pessach schon vor Jahren die Einreise nach Israel verwehrt. Im Jahr 1996 versuchte Ben Pessach trotzdem sein Glück, wurde aber sogleich von israelischen Beamten am Flughafen Ben Gurion in “Haft” (administrative detention) genommen und am Folgetag wieder in die USA abgeschoben.

Das Strafregister des Chaim Ben Pessach ist lang und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die PI die “rassistischen” und pseudoreligiösen Pläne der JTF in einem hebräischen Banner auf ihrer Seite verstecken will. Klammheimlich scheint man nun ehemaligen Terroristen und Anhängern einer rassistischen und terroristischen Ideologie in Deutschland eine eigene Plattform zu bieten, die ganz zufällig die gleichen Ideale und Ziele hat wie die PI, nämlich den Islam zu verteufeln und angeblich auf der Seite Israels und der USA zu stehen. Was dies allerdings heißen mag scheint nun mit der Unterstützung einer kahanistischen Vereinigung entgültig offen zu liegen.

Der neue “braune Sumpf” und Pessachs Selbstinszenierung

Interessante Parallelen öffnen sich nun auch, wenn man sich die lesenswerten Blogeinträge vonBernd Dahlenburg und Dietmar Näher einmal näher anschaut: Dahlenburg beschreibt in seinem lesenswerten Beitrag die Formierung eines neuen rechten Flügels, die sich in vermeintlicher Islamkritik hüllen, aber in Wirklichkeit eben alles Fremde im Land meinen.
Diese “neuen Stolznationalen” versuchen uns – bar jeglicher Vernunft - einzureden, ‘dass Deutschland und Europa von zig-Millionen Muslimen ‘überrannt’ oder ‘überschwemmt’ werden würde (bekannte Termini, kennen wir doch, oder?); neuerdings sind generell Ausländer gemeint, weil das Islam-Sujet für holzschnittartige Beschreibungen ausgereizt zu sein scheint - und sie berufen sich auf Auguren, die uns weismachen wollen, wie Europa doch endlich zu einem ‘rechten’ Kontinent mutieren soll, statt sich auf demokratische Werte und deren innewohnende Kräfte zu besinnen. (…)

Sie deklarieren linke und liberale Islamkritiker als ‘Berufsjuden’ (sic!), und so geht’s weiter in der nach unten offenen - bisher noch verbalen - Schwachsinns- und Gewaltspirale.” (…)

Manche Blogbetreiber formulieren es etwas vornehmer: Sie raunen von ethnischen und genetischen Defiziten der Afrikaner und dem Rest der Welt, um so die (t)eutsche Überlegenheit herauszukehren. Sie fordern in fast unüberbietbarer Scheinheiligkeit die Hassprediger in den Foren zur “Zurückhaltung” auf, indem sie ihnen versprechen, dass ein gesellschaftlicher Wandel eintritt, der ihre Mordgelüste irgendwann befriedigen wird, wenn alles “treudeutsch” abgewickelt sein wird. Sie sprechen niederste Instinkte an, wenn sie in den Foren politische Gegner sophisticated zum “physischen Abschuss” freigeben und sie lehnen sich genüsslich zurück, wenn die Klicks auf ihrer Webseite zunehmen, obwohl sie genau wissen, dass sie ein “Mord(s)geschäft” betreiben, das sich über kurz oder lang (vielleicht für sie) auszahlen wird. Sie betreiben Blogs, die sich “israelfreundlich” gerieren (Hahaha!), aber jeder halbwegs schlaue Mensch erkennt, dass hinter diesen Blogs Antisemiten stecken, die nur so lange still halten, bis ihrer “rechten Sache” zum Durchbruch verholfen ist.”

Um eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Islam scheint es den selbsternannten “Islamkritierkn” allerdings nicht zu gehen. Vielmehr würden diese neuen Rechten nichts anderes als Ausländerfeindlichkeit betreiben. Dies sei Gift für unsere Gesellschaft, oder wie es Dahlenburg ausdrückt: “Diese ‘Pro’s’ sind nichts Positives für unsere Gesellschaft. Sie sind etwas pervers Negatives (…). Sie sind primitiv und von gestern.

Was Dahlenburg nur andeuten wollte, und dies nicht spezifisch für die “politically incorrect” beschrieb, ergänzt nun Dietmar Nähers Blogeintrag auf der “Politisch korrekt” und deckt die offene Sympathie der “politically incorrect” mit rechtsextremen Kadern aus NPD und DVU auf. In seinem Beitrag bezieht sich Näher auf einen PI-Eintrag vom November 2007. In “Antifa-Terror gegen Moscheekritiker” wird der Berliner Rechtsextremist Detlef Britt als Islamkritiker beschrieben, der von linken Extremisten der Antifa für seine kritische Haltung zum Islam bedroht wird. Näher beurteilt diese Verharmlosung sehr kritisch und schreibt dazu:
“Interessant ist in diesem Zusammenhang (…), wen PI da zur Verteidigung von Britt heranzieht. Dabei handelt es sich um den schon in den neunziger Jahren vom Verfassungsschutz als rechtsextremisch eingestuften Verein Die Deutschen Konservativen. Dessen Vorsitzender Joachim Siegerist - ein wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass mehrfach vorbestraftes ehemaliges CDU-Mitglied - fiel in der Vergangenheit häufig durch die Verbreitung rechtsradikaler und antisemitischer Propaganda auf. Israel erklärte Siegerist unerwünschten Person, dem deshalb die Einreise ins Land verweigert wird.”

In diesem verdächtig anrüchigen Klima wird nun auch dem Ex-Terroristen Ben Pessach eine Bühne gegeben. Und so zieht der Gründer der JTF in seiner deutschen Blogprämiere gleich gegen alles “Linke” und “Islamophobe” und sucht sich keinen anderen zum Opfer als den renommierten Journalisten und Herausgeber des Bildblogs Stefan Niggemeier, der in seinem Blogeintrag die dubiose Werbekampagne der PI kritisch unter die Lupe nahm. Was dabei herauskam war eine selbst inszenierte Schönfärberei der Kahanisten und des Ex-Terroristen ben Pessach selbst:


  1. Die JTF ist eine legale Organisation in den Vereinigten Staaten und Israel. (…)

  2. Niggemeier beschuldigt die JTF fälschlich, eine Terror-Organisation zu sein. Die Wahrheit ist, dass die JTF eine anti-terroristische Organisation ist, die die Gefahren des islamischen Terrorismus aufdeckt. Es ist Niggemeier, der den Terrorismus unterstützt, indem er jeden angreift, der es wagt, die Wahrheit über den muslimischen Terror auszusprechen.

  3. Niggemeier klagt die JTF fälschlich des Rassismus an. JTF ist die ultimativ anti-rassistische Organisation, die gegen den berüchtigsten Rassismus in der Geschichte - den Antisemitismus - kämpft. Ist es nicht andererseits rassistischer Judenhass, wenn man wie Niggemeier jene Muslime in Schutz nimmt, die versuchen, das kleine Israel zu zerstören und einen weiteren Holocaust an fünf Millionen israelischen Juden zu begehen? Diese Muslime sind die Erben des Vermächtnisses des dritten Reiches. Jeder, der diese in Schutz nimmt, fördert einen neuen Holocaust an dem jüdischen Volk. Der Antisemitismus der modernen Linken ist die hässlichste Form des Rassismus, die der Menschheit bekannt ist.

  4. Niggemeier greift mich persönlich dafür an, dass ich eine Kampagne geführt habe, um das sowjetische Judentum zu befreien. In den achtziger Jahren beschädigte ich sowjetisches Diplomateneigentum mit der Absicht, weltweite Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, dass sowjetische Juden hinter dem Eisernen Vorhang gefangen gehalten wurden, unterdrückt und ungerecht behandelt. Niemand wurde getötet oder verletzt während meiner Aktionen und ich hatte nie die Absicht zu verletzen oder zu töten. Ich verbrachte fünfeinhalb Jahre im Gefängnis wegen der Beschädigung sowjetischen Eigentums. Was ich getan habe, nennt Niggemeier Terrorismus, aber er verdammt nicht die muslimische PLO und Fatah, die brutal Tausende von unschuldigen Männern, Frauen und Kinder ermordete und bis zum heutigen Tag damit fortfährt, Morde zu begehen.



In seiner Selbstdarstellung versucht Ben Pessach den PI-Lesern eine reine Weste zu liefern. Zwar erwähnt er seine eigene Terrorvergangenheit, verharmlost diese aber, indem er behauptet, dass seine Terroranschläge niemanden töten sollten und getötet haben. Die tödlichen Bombenanschläge auf sowjetische und ägyptische Ziele, die Bombe vor dem Gebäude der israelischen “Peace Now”-Friedensbewegung, die er und die JDL zu verantworten haben, verschweigt er allerdings unter dem Deckmantel des Terrors palästinensischer Terrororganisationen. Die zynische Demagogie geht auch weiter, als er sich selbst und seine Organisation als antirassistisch einstuft. Aber genau als solche wird die Ideologie seines geistigen Vaters offiziell in den USAIsrael und der EU betrachtet. Ob dies auch der PI bewusst ist?