2008-06-08

Kann ein Jude schwarz sein? Über ein amerikanisches Identitätsproblem

Es ist schwer als Jude in einer christlichen Mehrheitsgesellschaft zu leben. Schwerer ist es, wenn man zudem noch Afroamerikanerin ist und das Umfeld dich nicht als Jüdin akzeptieren will. Wirkliche Juden sind doch schließlich weiß, tragen einen schwarzen Pelzmantel, einen Schtreimel und die Frauen einen langen Rock und ein Kopftuch, so zumindest denkt ihr Umfeld - und das nicht nur in Amerika.

Lacey Schwartz (31) ist erfolgreiche Anwältin und Filmemacherin. Ihr neuster Dokumentarfilm erzählt die Geschichte eines Mädchens, welches sich mit 18 Jahren auf den Weg macht, um ihre eigene Identität herauszufinden. Die Tatsache, dass ihre Eltern beide weiß sind und sie schwarz machte sie stutzig. Als sie sich nun an der Universität einschreiben wollte, bekommt sie ein Formular, auf dem sie angeben muss, welcher Ethnie sie angehöre. Zwei Boxen standen zur Auswahl: “Weiß” oder “Schwarz”. Das verunsicherte Mädchen fügt einfach ein Bild von sich an das Bewerbungsschreiben und schickt es dann an die Universität zurück.

Das Mädchen, welches zwischen zwei Stühlen steht, zwischen “schwarz” und “weiß”, Jüdin und Nicht-Jüdin, ist Lacey Schwartz selbst.

Der Fakt, dass die meisten Amerikaner eben keine klare ethnische Identität haben, gehört mit zum großen amerikanischen Dilemma. Ihr Film “Outside the Box” ist ihr Beitrag dieses Dilemma in den USA anzusprechen. Mithelfen könnte dabei ein besonders prominenter Mann: ihr Freund, der Präsidentschaftskandidat Barack Obama, der selbst aus einer Mischlingsfamilie stammt.

Auch das Dilemma der schwarzen Juden, die laut einem Haaretz-Bericht nun schon seit über 100 Jahren exisitieren und sogar eigene Gemeinden haben, wie in Israel oder in Chicago, stehen mit der Problematik ihrer eigenen Identität vor neuen Herausforderungen. Vor allem zum orthodoxen Judentum gehörige oder konvertierte Afroamerikaner scheinen ihr Anliegen auf Akzeptanz leichter in den orthodoxen Gemeinden durchsetzen zu können, als diejenigen, die nach der Orthodoxie und Halakha nicht als Jüdisch eingestuft werden können.

Ihnen möchte Lacey Schwartz besonders Aufmerksamkeit verleihen. Ihr Leben und ihr Erfolg, genauso wie der politische Erfolg Barack Obamas, könnten Beispiel geben für diejenigen, die immer noch am Rande der Gesellschaft und der jüdischen Gemeinden stehen, weder in die Kategorie “Schwarz” noch “Weiß” passen und nur eins wollen: Ihre eigene Identität ohne Einschränkungen, Diskriminierungen und Vorurteilen leben.