2008-05-17

Walzer mit Bashir

Es gibt kaum einen Film, der besser zur aktuellen Lage passt als dieser: “Walzer mit Bashir” ist darüber hinaus etwas ganz Neues, ein animierter Dokumentarfilm. So etwas gab es wirklich noch nie. Zu verdanken haben wir dieses neue Filmgenre dem israelischen Regisseur Ari Folman, der in seinem Film das Massaker in Sabra und Shatila 1982 dokumentieren möchte.

Folman war selbst als Soldat der israelischen Armee dabei, als diese 1982 in den Libanon einmarschierte. Er selbst war Augenzeuge, als seine Truppen zusahen, wie christliche Milizen Rache nahmen an der Ermordung ihres Führers, dem bis heute verehrten Nationalheiligen, Bashir Gemayel.

In “Walzer mit Bashir”, einer der nominierten Filme des diesjährigen Filmfestivals in Canne, wird ein Soldat Augenzeuge bei der Ermordung einer Familie durch Militante. Der Film beschreibt auch ein Telefongespräch eines Reporters mit dem damaligen Verteidigungsminister Ariel Sharon über Gerüchte, er hätte etwas von dem Massaker gehört. Sharon, der 1983 nach einer Untersuchung seinen Posten räumte, hatte laut der Untersuchung indirekt Schuld an dem Massaker.

“Walzer mit Bashir” wurde auf verschiedenen Szenen animierter Rekonstruktionen von realen Interviews aufgebaut, die Folman mit seinen Freunden und ehemaligen Soldatenkollegen aufnahm. Folmans Ziel ist es über diese Interviews und dem Film seine Rolle im damaligen Krieg wiederzufinden.

Folmans Film zeigt viele Szenen des Kampfes während des ersten Libanonkriegs, in dem viele getötet wurden und viele Halluzinationen und Träume zerplatzten. Die letzten 50 Sekunden des Filmes konfrontieren den Zuschauer allerdings mit realen Aufnahmen, Nachrichtenbildern aus der Zeit, aus Sabra und Shatila, kurz nach dem Massaker.

“Ich wollte Sie als Zuschauer nicht aus dem Kino raus gehen und denken lassen: Ja, dies war wirklich ein toller Animationsfilm”, sagte Folman Reportern. “Diese Dinge sind geschehen… tausende Menschen, Kinder, Frauen, Alte wurden getötet. Um den Film in das richtige Licht zu setzen, waren genau diese letzen 50 Sekunden für mich ausschlaggebend. ”


Parallelen mit dem Holocaust?

Für einen Überraschungseffekt sorgte allerdings die umstrittene Darstellung eines Psychologen, der Parallelen zwischen dem Massaker in Sabra und Shatila mit dem Holocaust sieht.

“Die Antwort (zum Massaker) in Israel war in meinen Augen sehr groß. Als die ersten Photos des Massakers veröffentlicht wurden, hat man sofort diese Parallelen gezogen. Für uns Juden war es eine direkte Verbindung zu unserer jüdischen Geschichte.”, so Folman.


Folmans Film soll laut seinen Aussagen, nicht wie man denken könnte, ein Antikriegsfilm sein, weder ein politischer Film, sondern eher ein persönliches Zeugnis, seine eigene Suche nach seiner Vergangenheit und seinen Erinnerungen.

“Soldaten sind immer Spielbälle im Krieg, Spielbälle von Politikern, die mit ihnen spielen.”, so Folman.