2008-05-26

60 Jahre Israel: Eine Nation und ihre Musik



[caption id="" align="alignnone" width="556" caption="Die Volkssängerin Esther Ofarim:  eine Israelin, die auch in Deutschland große Erfolge feierte"]

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Die beste Brücke zwischen Nationen und Kulturen ist die Literatur. “Wenn man ein anderes Volk kennen lernen möchte, dann sollte man den Zeitungen den Rücken kehren und die Literatur lesen, denn nur via Literatur erhält man tiefgehende Kenntnis über verschiedene Völker und ihre Zivilisation. Wenn man sich ein Ticket kauft und in ein anderes Land fährt oder fliegt, dann sieht man dort nur die Museen, die historischen Plätze und die Sehenswürdigkeiten, vielleicht auch ein bisschen Landschaft, und dann fährt man zurück. Aber wenn man einen Roman liest, dann wird man in die Wohnzimmer dieser Menschen eingeladen, in ihre Kinderzimmer. Selbst in die Schlafzimmer dringt man vor. Die beste Art und Weise, eine Intimität zwischen verschiedenen Kulturen herzustellen, besteht darin, die Literatur zu lesen.”

Musik kennt keine Hürden


Was der israelische Schriftsteller Amos Oz in einem Interview mit der “Welt” auf die Literatur bezog, kann so gut auch für die Musik gelten. Musik kennt keine Hürden, sie überschreitet Ländergrenzen und kann verschiedenste Menschen verbinden. Text und Rhythmus eines Liedes können viel über die Geschichte, Haltung und die Menschen eines Landes selbst sagen. So ist dies in Deutschland, Lateinamerika, Afrika und im Nahen Osten.

60 Jahre Israel soll Anlass genug sein, um das Land, welches fast täglich von den Medien zerrissen, gelobt und getadelt wird, aus der Sicht der Musik des Landes zu beleuchten. Musikvideos des jeweiligen Zeitabschnitts und Musikstils sollen unsere Reise quer durch die Musiklandschaft des Jubilars ein wenig anschaulicher machen.

Israelische Volksmusik

Zu den ersten Liedern, die noch vor der Staatsgründung entstanden und gesungen wurden, gehören die israelischen Volkslieder, die so genannten “Lieder des schönen Landes Israel”. Wie die meisten Volkslieder waren sie bestimmt eine so genannte “Volksseele” wieder zu erwecken. Musik war hier, wie auch die Kultur als Ganzes, ausschlaggebend für die Selbstdefinition der neu entstehenden jüdischen Nation.

Die israelische Volksmusik variiert von Kinderliedern, Lieder, die europäische Volksweisen mit hebräischen Texten kombinieren, Militärmusik oder Liedern, die von Dichtern wie Naomi Shemer und Chaim Nachman Bialik geschrieben wurden. Diese Lieder beziehen sich oft auf zionistische Vorstellungen und handeln vom Aufbau des neuen israelischen Staates. Einige Lieder spiegeln linke oder rechte politische Einstellungen, andere sind z.B. Liebeslieder oder Wiegenlieder. Teilweise kommt auch der Sozialismus als Thema vor, was sich auf Erfahrungen vieler Juden in der Diaspora zurückführen lässt. Patriotische Lieder sind ebenfalls verbreitet; sie wurden meist während der Kriege, in die Israel involviert war, verfasst.

Naomi Shemer: Der Eukalyptus-Hain







Naomi Shemer wurde 1930 im Kibbutz Kvutzat Kinneret geboren. Sie ist eine der wichtigsten israelischen Liederschreiber. Ihr bekanntestes Lied ist “Jeruschalajm schel Sahaw“, welches sie 1967 schrieb und im Zuge des Sechstagekrieges und der Einnahme der Klagemauer und des jüdischen Viertels eine besondere Stellung bis heute in der israelischen Gesellschaft erlangte. Aber es sind unzählige Lieder, die von der “First Lady des israelischen Lieds” geschrieben und zu Klassikern wurden. Fast alle Lieder von Naomi Shemer erzählen von der Landschaft oder den Städten Israels und den Wurzeln des jüdischen Volkes in Eretz Israel. So auch “Churschat haEukalyptus”, das sie 1963 für ein Jubiläum des Kibbutz Kinneret schrieb.

1983 erhielt Naomi Shemer den Israel Preis, “für die wunderbare Verknüpfung zwischen Text und Melodie, und für die Art und Weise, in welcher sie den Gefühlen des Volkes Ausdruck verleihen”, wie es in der Begründung hieß. Naomi Shemer starb 2004 nach schwerer Krankheit.

Shoshana Damari: Zum Licht der Erinnerungen







Shoshana Damari (1923 - February 142006) wurde in Dhamar, Jemen, geboren. Während dem britischen Mandat wanderte sie nach Palästina mit ihren Eltern im Jahre 1924 ein. Sie ließen sich in der Stadt Rishon Lezion nieder. Schon in sehr jungem Alter sang Shoshana mit ihrer Mutter und als sie 14 war, hatte sie ihre ersten Auftritte im Radio. Sie studierte Gesang und Schauspiel in den Shulamit Studios in Tel Aviv, wo sie Shlomo Busami, den Studio-Manager, traf, der später ihr persönlicher Manager wurde. Sie heiraten kurz danach im Jahre 1939, als sie erst 16 Jahre war. Im selben Jahr brachte Damari ebenfalls ihr erstes Solo-Album heraus.

Sie war vor allem in der Zeit vor und nach der Gründung des Staates Israel bekannt und wurde von vielen als “Königin des israelischen Lied” betrachtet. Ihre erste Platte erschien 1948. Sie war auch für ihre Popularität unter den israelischen Soldaten bekannt, für die sie häufig über mehrere Jahrzehnte auftrat.

In der Mitte der 1980er Jahre konnte Damari zusammen mit Boaz Sharabi in einem Duett ihre zeitweilig schwächelnde Karriere wieder aufpäppeln. 1988 erhielt sie die höchste Auszeichnung in Israel, den Israel-Preis, für ihre Beiträge zur Vokalmusik. Im Jahr 2005, im Alter von 82, nahm sie zwei Tracks für das Album Mimaamakim des Idan Raichel Projects auf und beteiligte sich an einigen ihrer Live-Auftritte. Sie starb 2006 in Tel Aviv nach einem kurzen Kampf mit einer Lungenentzündung.

Esther Ofarim: Trinkt, Herde!







Esther Ofarim wurde als Esther Zaied 1941 in Safed, Galiläa geboren. Schnell wurde sie als Sängerin bekannt: Zunächst trat sie alleine auf, nach ihrer Heirat mit Abraham Reichstadt (Abi Ofarim) formten sie ein Duo unter dem Künstlernamen Esther & Abi Ofarim und erlangten nun auch internationale Berühmtheit.

Viele Fans sahen in ihnen das Gesangsduo der 60er Jahre. Nach der Trennung von Abi im Jahre1969 (Scheidung im November 1970) startete Esther erneut ihre Solo-Gesangskarriere. Abi verlegte sich auf Musik-Produktion. Esther singt auf EnglischHebräischDeutschFranzösisch, auf Ladino und in einer Reihe alter europäisch-jüdischer Dialekte.

Sie versuchte sich kurzzeitig als Schauspielerin. Sie hatte 1970 eine Minirolle im Dreiteiler 11 Uhr 20, in dem sie ein Lied sang, arg chargierend in einer kurzen Szene fünf Sätze von sich gab und dann erdrosselt in einer Hotel-Lobby lag. Bereits 1963 hatte sie eine Minirolle in Exodus. Ende der 70er Jahre wurde es etwas stiller um Esther. Sie folgte ihrem Lebensgefährten Philipp von Sell nach New York. Etwa 1983 kam der gemeinsame Sohn David zu Welt.

Weitere Vertreter: