2008-04-17

Sa Dingding: Eine Chinesin singt tibetisch



Sie ist mongolische Nomadin und singt tibetisch. Auch ihre Videoclips spielen oft im Land der Rebellen, so wie die Tibeter nicht nur jetzt von den Chinesen gesehen werden. Sie bricht Tabus. Vielleicht macht genau dies sie zum Superstar in ihrem Heimatland China? Ihr neues Album „Alive“, welches seit Juni 2007 auch auf dem westlichen Markt erhältlich ist, feiert nun auch in Europa Erfolge.

Sa Dingding verbindet östliche und westliche Musik in einer kraftvollen und anspruchsvoll Weise. Das Lied „Alive“ besteht aus chinesischer Volksmusik und westlicher Elektromusik, überlegt mit ihrer kräftigen Stimme.

Als Produkt des modernen China hat Sa Dingding schon früh ein starkes Interesse für die Religionen der Minderheiten des Landes entwickelt. Ein besonderes Augenmerk hat sie auf dem Buddhismus gerichtet. Dies spiegelt ihr neues Album „Alive“ wider, auf dem sie Lieder in den alten Sprachen Sanskrit und Tibetisch singt. Sie spielt verschiedenste chinesische Instrumente, choreographiert selbst und hat sogar ihre eigne Sprache entwickelt, in der neue Wörter durch die Kraft der Musik geformt werden.

Als Kind einer mongolischen Mutter und eines chinesischen Vaters in der Mongolei geboren, hat sie schon sehr früh eine Faszination für die ethnische Musik von Minderheiten entwickelt. Mit 18 Jahren hat sie ihr erstes Debütalbum veröffentlicht. Ihr Interesse in Buddhismus, Dyana Yoga und Sanskrit haben ihre musikalischen Grenzen gesprengt.

Botschafterin und Brückenbauer

„Meiner Meinung nach ist die tibetische Kultur ein sehr wichtiger Teil der chinesischen Kultur“, erklärt Sa Dingding. Freiheit für Tibet scheint ihr fremd zu sein. Vielmehr ginge es ihr als chinesische Sängerin um das Bauen kultureller Brücken zwischen Ost und West, zwischen den zahlreichen Kleinkulturen, die die aktuelle Politik des kommunistischen China nur noch wie ein Flickenteppich zusammenhalten kann.

Das Medieninteresse an dem chinesischen Exportschlager ist groß. Allein innerhalb von wenigen Tagen gab sie in London mehr als 40 Interviews. Und zur Krönung darf sie nun auch noch ihre erste große internationale Auszeichnung mit nach Hause nehmen – dem MTV World Music Award. Die Botschafterin aus dem Reich der Mitte ist in Europa angekommen.

„Ich möchte, dass mehr Leute meine Musik kennenlernen“, sagt Dingding. „In meiner Musik mische ich moderne und alte chinesische Kulturen. Ich hoffe, dass dadurch die Leute in China die Schätze und Weisheiten ihrer Geschichte wiederentdecken. Wenn wir nicht von der Geschichte lernen, wird es eine Katastrophe geben. “