2008-03-02

“Die Irren von Zion”: Wie Holocaustleugnung wieder salonfähig wird - Ein Kommentar

Während Israel von Mittwochabend bis Donnerstag den sechs Millionen jüdischen Opfern des Holocaust gedachte, durften auch sie nicht fehlen: Sie, das sind Antisemiten, Holocaustleugner, und Rechts- und Linksradikale, die ihren Judenhass in einer ausgeklügelten Form von Israelkritik verpacken.

Die Hamas zum Beispiel ist eine von diesen vielen Beispielen, die gestern wieder Schlagzeilen machen sollte. Die Freunde postseniler US-Präsidenten, linker Arafatfreunde und rechter neonazistischer Gleichgesinnter konnten es tatsächlich nicht lassen und strahlten, während Millionen Israelis und Juden in der Diaspora den Opfern des deutschen und europäischen Massenvernichtungswahns gedachten, einen “Aufklärungsfilm” im “Bildungsprogramm” des eigenen TV-Senders aus, der die perfide Geschichtsfälschung dieser Organisation wieder mal ans Tageslicht brachte.

Geht es nach dem Geschichtsbild der Hamas so waren es nicht Nazis und Bürger Europas, die zusahen und mithalfen, Juden in die Deportationszüge zu sperren, die nach Auschwitz gingen, die den Geruch verbrannten Menschenfleisches aus den Schornsteinen der Krematorien als normal empfanden. Nein, für die Hamas waren es auch nicht die Mitbewohner der Juden, die in die verlassenen jüdischen Häuser gingen, um alles Hab und Gut zu stehlen, die zusahen wie bei einem Fußballspiel, wie jede Sekunde ein Schuss viel, der Todesschuss für jüdische Kinder, Alte, Kranke, Frauen und Männer. Nein, für die Hamas hat es so etwas nie gegeben.

Vielmehr sollen es laut Videoclip die Juden selbst gewesen sein, die den Holocaust inszeniert haben.

Sie, das Volk. Welches sechs Millionen Opfer zu erleiden hatte, sei nun selbst Schuld am Schicksal ihrer Artgenossen. Die Hamas erklärt ihrem palästinensischen Volk nun, dass “die damaligen jüdischen Führer den Holocaust selbst planten, um Behinderte in den eigenen Reihen umzubringen, um sich so ihrer Fürsorgepflicht zu entreißen sich um diese selbst zu kümmern”.

Der Mord an sechs Millionen Juden sei rein ein “zionistisches Theaterspiel” gewesen, so der Beitrag weiter, welches zum einen zum Ziel hatte “behinderte Juden in Todeslager zu schicken, sodass sie keine Last mehr darstellen würden für den zukünftigen Staat Israel und zum anderen sollte der Holocaust den Juden eine Opferrolle geben, somit sie international Sympathie erringen würden”. Perfider Geschichtsrelativismus würden Historiker diesen Beitrag der Hamas nennen.

Die Kette antisemitischer Vorfälle in Gaza-Stadt scheint aber noch konfusere Züge anzunehmen.

Erst vor kurzem wurde dort feierlich ein neues Museum eröffnet, ein Holocaustmuseum. Doch was auf den ersten Blick begrüßenswert zu sein scheint, entpuppt sich beim näheren Betrachten als einer der vielen Propagandafeldüge einer Organisation, dessen Charta selbst auf reinster Naziideologie besteht und zur Vernichtung von Juden und Christen aufruft.

Gazas Holocaustmuseum widmet sich, wie nicht anders von der Hamas zu erwarten, den Gräueltaten der israelischen Armee an der eigenen Bevölkerung. Die Hamas übersetzt dies ganz einfach mit dem Wort “Holocaust”- verwunderlich, da sie selbst vom Holocaust der Nazis nichts wissen will. Auf der eigens eingerichteten Webseite des Museums staunt der Betrachter dann auch nicht schlecht, wenn er die Bilder “von Israelis getöteten Kindern” sieht.

Tote Kinder als Propagandamittel sind nicht nur der Hamas bekannt.

Auch die ideologisch verwandte Hisbollah-Miliz benutzte Kinderleichen im letzten “Libanonkrieg” 2006, um die Sympathie der Welt für ihre perfide Politik an sich zu reißen. Eine andere Frage sollte den Betrachter jetzt endgültig in den Sinn kommen: Was hat dies mit dem Holocaust zu tun? Sollen 21 Kinderphotos im Ernst sechs Millionen getötete Juden repräsentieren, die in der Hitlerzeit durch die Nationalsozialisten und ihre Anhänger gezielt umgebracht wurden? Hier scheinen einer Terrororganisation die Argumente ausgegangen zu sein!

Diesen Vorwurf könnte man auch den hier zu Lande ansässigen Vertretern der Theorie des “israelischen Holocausts” aufs Gewissen schreiben. Es sind zumeist Menschen, die es sich einfach machen Geschichte gewissenhaft aufzuarbeiten. Sie spinnen deshalb ihre eigenen kleinen Geschichtchen vom bösen kapitalistischen Weltjudentum, vom nie dagewesenen Holocaust, von israelischen ethnischen Säuberungen und nicht zu Letzt vom “zionistischen Holocaust” selbst, den die Juden selbst zu verantworten haben.

Den Opfern selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben zeugt von eigener Geschichts- und Schuldrelativierung.

Wer etwas zu verstecken hat, der schiebt die Schuld einfach einem anderen in die Schuhe. Der typische Sündenbock-Komplex einiger scheint trotz dessen Fakten und wissenschaftliche Beweise nicht trotzen zu können.

Vor allem wir als Deutsche, als Nation, dessen erste Generation die Schrecken des Krieges und einer Diktatur miterlebt hatte, die zum Schluss auch uns selbst zum Ziel ihrer Machtbestrebungen und Tötungswut hatte, sollten uns von Holocaustleugnern und Geschichtsverdrehern nicht die Wahrheit nehmen lassen. Sensibilität und Achtsamkeit, die Kraft Fakten zu unterscheiden und Wahrheit von Unwahrheit zu trennen, ist heutzutage bei der schnellen Informationsflut in den Medien entscheidender denn je.

Wegschauen, totalitären Ideologien gedankenlos nachlaufen, sie zu finanzieren und ihnen eine öffentliche Bühne zu geben bedeutet schlussendlich die Augen vor einer neuen Vernichtungsmaschinerie zu schließen. Antisemiten dürfen keinen Raum bekommen, um ihre Ideen zu verbreiten, weder im Fernsehen noch in der Öffentlichkeit. Dies gilt für rechte wie linke Volksverhetzer, Menschen aus Palästina, Israel, Deutschland und den USA, wie auch aus anderen Ländern. Auch im Internet sollte dies zur Norm werden. Nur gemeinsam können wir helfen diesem Übel ein Ende zu bereiten. Lasst uns heute damit anfangen.